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Caro Galli im Interview"Vor dem Euro waren wir alle sehr europäisch"

Zerrissene Gesellschaften, eine kaputte Infrastruktur und eine gefährlich geschwächte Demokratie: Der italienische Politologe und frühere Linkspolitiker Carlo Galli zeichnet ein düsteres Bild von Europa.

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© Stefan Winkler
 

Herr Galli, ein Linker, der im vom Brexit gebeutelten vereinten Europa das Banner der Souveränität hochhält, das hat etwas. Das riecht nach Häresie. Sehen Sie sich selbst als Ketzer?
CARLO GALLI: Ich warte auf das Urteil der Heiligen Inquisition. Aber Spaß beiseite! Tatsächlich scheint es unter den politisch korrekt gebürsteten Mainstream-Eliten einen Imperativ zu geben: Verachtet die Souveränität, verspottet sie! Wer positiven Gebrauch von dem macht, was jahrhundertelang das Herz der Staatslehre war, gilt heute als Höhlenbewohner. Man bedenkt ihn mit einem mitleidigen Lächeln wie jemanden, der mit einem Münztelefon telefoniert, oder dämonisiert ihn als Faschisten. Souveränität wird als Tribalismus abgetan, als Nostalgie und Rassismus. Nach ihr zu streben, gilt als böse!

Was halten Sie dem entgegen?
GALLI: Die Souveränität ist eines der fundamentalen politischen Konzepte, auf denen unsere modernen Staaten gründen, und ist bis heute in vielen Verfassungen in Europa verankert. Wer das nicht begreift, versteht gar nichts! Die Souveränität ist als Idee sehr alt. In ihrer heutigen, demokratischen Form ist sie aber ein Kind des neuzeitlichen Rationalismus und der Französischen Revolution, die sie dem König genommen und dem Volk gegeben hat. Hobbes, Hume, Rousseau sprachen von ihr. Souveränität ist das Faktum, dass ein Volk politisches Subjekt sein will in der Geschichte, dass es selber über sich entscheiden, sich eine Ordnung geben will. "We the people" lautet der berühmte Anfang der amerikanischen Verfassung von 1787.

Kommentare (1)

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gm72
2
10
Lesenswert?

Der EURO ist nicht das wirtschaftliche Problem der Italiener

Der wirtschaftsstärkere Norden kann den wirtschaftsschwächeren Süden nicht ausgleichen und die Mafia mit ihren milliardenschweren illegalen Geschäften ist dabei auch nicht dienlich. Den Euro als Ursache gespaltener Bevölkerungsschichten hinzustellen halte ich für ein sinnbefreites Ablenkungsmanöver. Italien bekommt die mafiösen Strukturen nicht in den Griff. Das sollte der werte Herr Galli viel eher erwähnen und dagegen vorgehen.

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