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Corbyn vs. JohnsonHarte Bandagen vor einem Millionenpublikum

Am 12. Dezember wählen die Briten ein neues Parlament. Am Abend trafen die beiden aussichtsreichsten Spitzenkandidaten im TV-Duell aufeinander.

Jeremy Corbyn oder Boris Johnson - wer wird Britanniens nächster Premierminister?
Jeremy Corbyn oder Boris Johnson - wer wird Britanniens nächster Premierminister? © APA/AFP/ITV/JONATHAN HORDLE
 

Für Boris Johnson ging es darum, dass er einen Brexit-Deal „kochfertig“ auf dem Downing-Street-Herd stehen hatte. Für Jeremy Corbyn, dass „echter Wandel und echte Hoffnung“ vonnöten waren im Vereinigten Königreich.

Es war die erste Live-Begegnung des Premierministers und des Oppositionsführers vor der Kamera, im bitter geführten Wahlkampf dieses Spätherbstes. Entsprechendes Interesse zog die TV-Debatte von gestern abend auf sich.

Mit allen Mitteln, zuletzt sogar vor Gericht, hatten Liberaldemokraten und Schottische Nationalpartei versucht, ebenfalls Plätze auf der Bühne des Fernsehstudios zu ergattern. Aber die erhoffte Teilnahme wurde ihnen untersagt.

Ein Duell des Titelhalters gegen den Herausforderer sollte es sein. Und Brexit überschattete natürlich – wie zu erwarten stand – alles. Immer wieder wartete Tory-Premier Johnson mit seinem Slogan „Get Brexit Done“ auf (Bringen wir den Brexit hinter uns).

Er werde, versicherte Johnson auch gestern wieder, das zähe Problem zum 31.Januar ein für alle mal gelöst haben. Gelächter schallte ihm entgegen: Noch ist nicht vergessen, dass der 31.Oktober das letzte „endgültige“ Datum war.

Corbyn wiederum hatte Mühe, die vergleichsweise komplizierte Position seiner Partei zu erklären. Der Labour-Chef will ja, falls er zum Premier gewählt wird, erst eine milde Form von Austritt mit der EU aushandeln und diese dann in einem neuen Referendum zur Wahl stellen – mit der Option, ganz in der EU zu verbleiben, wie es die Mehrheit seiner Anhänger verlangt.

Mit harten Bandagen kämpfte aber vor allem Johnson, der Mann in der „blauen Ecke“. Corbyn, warnte der Premier, wolle partout keine Position zum Brexit beziehen. Dafür plane er, nur um an die Macht zu kommen, ein neues Referendum zur schottischen Unabhängigkeit. Und in Sachen Einwanderung weigere sich Corbyns Partei, den Briten die Kontrolle über ihre Grenzen zurück zu geben. Zornig wehrte sich Corbyn, in der „roten Ecke“, seiner Haut.

Von hier führte der Weg der Debatte geradewegs zur Frage, wieviel Unterstützung die öffentlichen Dienste von Regierungsseite erhalten sollten – und was das kosten würde. Unter Johnson haben die Konservativen ja ihre Austeritäts-Politik der letzten neun Jahre, gegen die niemand je verstoßen durfte, über Bord gekippt.

Nun soll Geld fließen, vor allem ins malade Gesundheitssystem. Labour bietet gleich die doppelten Summen auf. Corbyn will die „zerstörte“ soziale Infrastruktur des Landes gänzlich neu aufbauen. Eine scharfe Frage der Moderatorin danach, ob das Geld denn plötzlich auf Bäumen wachse, rührte neues Gelächter im Publikum auf.

Munter gestikulierend, und immer neu und stur seine Brexit-Losungen wiederholend, suchte sich Johnson durch den Abend zu mogeln. Als er beteuerte, wie wichtig ihm Wahrheit und Redlichkeit seien, wieherte der Saal. Corbyn erntete seinerseits verächtliche Bemerkungen, als er allerlei unangenehmen Fragen auszuweichen suchte. Jede Menge Zynismus war zu spüren an diesem Abend im Publikum.

Für Johnson mochte es freilich schon genug sein, 50 Minuten lang nicht aus der Rolle des jovialen Regierungschefs zu fallen. Der Titelverteidiger hat natürlich mehr zu verlieren als sein Opponent. Letzten Umfragen zufolge liegen die Tories noch immer bei etwa 40 Prozent. Labour kommt nur auf 30. Hält Johnson diesen Vorsprung für die nächsten drei Wochen, kann er sich eines Wahlsiegs ziemlich sicher sein.

 

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Lodengrün
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3
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Mit einem Meister

eines Debattierclubs, Johnson, ist eine Diskussion eine gewagte Angelegenheit.

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schteirischprovessa
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Die Bevölkerung wird dem Lügenbaron

Johnson mehr glauben als dem etwas realistischern Labour Führer. Das erwachen kommt erst in einigen Jahren, wenn aus Great Britain ein Small Britain geworden ist, ohne Schottland und Nordirland. Und wenn es den Briten durchschnittlich schlechter als heute geht.

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