Trump in GroßbritannienDer Poltergeist von Schloss Windsor

Donald Trump genießtden Empfang bei der Queen. Für die Premierministerin hat der US-Präsident aber nicht nur lobende Worte.

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Sie tat ihr Äußerstes, um ihn freundlich zu stimmen. Sie schwor, dass  beider Länder „nicht nur die engsten Verbündeten, sondern die besten Freunde“ seien auf der Welt. Sie ließ ihn, um es zu beweisen, erneut für Augenblicke ihre Hand halten. Ein ganzes Schloss, die Wiege Winston Churchills, schenkte sie ihm als TV-Kulisse im Abendsonnenschein

Theresa May zog buchstäblich alle Register, um Donald Trump für sich einzunehmen. Mit dem Big-Business-Dinner in Blenheim Palace, für das sich Melania Trump als Disney-Prinzessin Belle verkleiden durfte, bot die britische Premierministerin ihren US-amerikanischen Gästen bei deren erster England-Visite seit Trumps Amtsübernahme einen bemerkenswerten zeremoniellen Aperitif.

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Von Mays Landsitz nach Windsor Castle

Das gemeinsame Arbeitsessen im Regierungslandsitz Chequers am anderen Tag sollte den zweiten Gang im diplomatischen Menü darstellen. Danach war die Queen aufgeboten, um in Windsor Castle Tee auszuschenken – ob Elizabeth II. das gefiel oder nicht. Alles setzte May daran, Trump in ein Land aristokratischen Zaubers und tausend kommerzieller Möglichkeiten zu entführen. „Beispiellose Gelegenheit“ biete sich im Zuge des kommenden EU-Austritts den Amerikanern, versicherte May dem Gast. „Die Zukunft der Welt gestalten“ wolle sie, an der Seite Trumps. Aber der Zauber verfing nicht.

Der Präsident hielt es, wie es so seine Art ist, nicht einmal für nötig, die übliche diplomatische Zurückhaltung im Gastland zu wahren. Während May in Oxfordshire noch von der „besonderen Beziehung“ schwärmte, rollten in London Rupert Murdochs Druckerpressen an. Sein Boulevardblatt „Sun“ hatte, wie sich herausstellte, ein Interview erhalten, in welchem Trump die Gastgeberin auf übelste Weise traktierte. Mays neuester Plan für einen abgemilderten Brexit, warnte er, schließe einen Handelsvertrag mit den USA so gut wie aus. Denn ein Brexit, der kein richtiger sei, werde den von London ersehnten Deal „wahrscheinlich killen“, sagte Trump. Er habe May klar genug gemacht, wie sie den Austritt handhaben solle: „Aber damit war sie nicht einverstanden. Sie hat mir nicht zugehört.“

Am heikelsten Punkt erwischt

„May hat den Brexit ruiniert“, fasste die „Sun“ die Grobheiten auf ihrer Titelseite zusammen. Einer wankenden Regierungschefin habe der Präsident einen enormen Stoß versetzt, deuteten andere Blätter die Aktion. Ausgerechnet am heikelsten Punkt des Ringens um den Brexit stellte Trump den zentralen Handelsvertrag infrage, mit dem die Brexiteers zum Ausgleich für mögliche Verluste in Europa fest gerechnet hatten. Voriges Jahr hatte Trump noch gelobt, dass ein solcher Vertrag „ganz schnell“ zustande kommen könne. In der Hoffnung auf Unterstützung hatte sich May als erste Gratulantin ins Weiße Haus gedrängt. Auch die Einladung zum Staatsbesuch hatte sie gleich beim Vorstellungsgespräch überbracht.

Zum Bankett im Buckingham-Palast und der Kutschfahrt mit der Queen kam es aber nicht, weil sich in Westminster Widerstand gegen „volle Ehren“ für einen zunehmend unbeliebten Präsidenten regte. So kam es, dass weder die Trumps dem Parlament noch die Menschen in London den Trumps je nahe kamen. Sorgsam beförderte man sie via Helikopter von einem gut abgeschirmten Platz zum nächsten.

Ihr zwölfter Präsident

Beim Fünf-Uhr-Tee in Windsor Castle musste ihn die Königin darüber hinwegtrösten, dass Umfragen zufolge 77 Prozent ihrer Untertanen Trump „nicht mögen“. Die Monarchin, für die er der zwölfte US-Präsident ist, mochte geseufzt haben beim Gedanken an diese Begegnung. Jeder im Lande wusste natürlich, dass sie die Gäste mit dem ihr eigenen Lächeln um die Lippen, in gewohnt stoischer Manier, bewirten würde. Von Trump wusste man, dass ihm dieser Termin am Herzen gelegen war. Seiner verstorbenen schottischstämmigen Mutter hätte das gefallen, hat er gesagt.

Fern in der Metropole sammelten sich derweil Zehntausende zu Protestzügen. Auch in anderen Städten fanden Kundgebungen statt. Beim Hauptzug durchs Regierungsviertel führten Demonstranten Fahnen, einen überdimensionalen Ballon und selbstgemalte Plakate mit sich. Sie skandierten „Nicht bei uns!“. Mit Trumps „abscheulichen Werten“ und seiner „hasserfüllten Politik“ wollten sie nichts zu tun haben, machten viele Teilnehmer deutlich.

Proteste: London gegen Trump

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In Schottland will sich Trump am Wochenende auf einem seiner Golfplätze erholen. Bevor er sich auf sein Privatgelände in Turnberry zurückziehen durfte, musste er aber noch das Arbeitsessen mit der Premierministerin – seinen zweiten Termin mit May – absolvieren. Auf der Pressekonferenz schwächte er die schärfsten Bemerkungen seines Interviews ab. Gewiss würden beide Seiten einen „ambitionierten“ Handelsvertrag anstreben.

Staatsbesuch: Special Relationship

Staatsoberhäupter unter sich

US-Präsident Donald und First Lady Melania Trump sind zwischen Nato-Gipfel und Putin-Treffen einige Tage in Großbritannien unterwegs.

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In ihrer Regentschaft seit 1952 hat die Queen mit Ausnahme von Lyndon B. Johnson alle amtierenden US-Präsidenten getroffen. Trump ist "ihr" zwölfter Präsident.

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Verspätung

Das Ehepaar Trump kam zu dem Besuch auf Schloss Windsor einige Minuten verspätet an.

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