Pakistan und Afghanistan setzen die gegenseitigen Angriffe vorerst aus. Wegen der Feierlichkeiten zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan gelte eine sechstägige Pause des Militäreinsatzes, teilte zuerst Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar am Mittwoch auf X mit. In Folge kündigte auch die afghanische Taliban-Regierung an, die militärischen Operationen gegen Pakistan vorerst einzustellen. Die Feuerpause sei ab Mitternacht bis zur Nacht auf den 24. März in Kraft.
Dies sei eine Geste des guten Willens und entspreche islamischen Normen, stellte Tarar fest. Der Militäreinsatz werde aber wieder aufgenommen, sollte Pakistan angegriffen oder es Terroranschläge im Land geben. Saudi-Arabien, Katar und die Türkei hätten darauf hingewirkt, hielt der Informationsminister fest.
Die Ankündigungen kamen überraschend. Pakistan und Afghanistan setzen gegenseitige Angriffe aus. Noch am Vortag hatten Regierungsmitglieder gesagt, die Angriffe auf Afghanistan würden fortgeführt. Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul weist die Anschuldigungen zurück. Die Kämpfe zwischen den Nachbarländern waren Ende Februar neu entflammt.
Massenbeerdigung für Opfer des Klinik-Angriffs in Kabul
Anfang der Woche waren bei einem pakistanischen Luftangriff auf Kabul Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Eine Entzugsklinik für Drogenabhängige war zerstört worden. Die islamistische Taliban-Regierung spricht von mehr als 400 Toten. Pakistan dementiert, dass die Klinik Ziel des Angriffs gewesen sei. Die Luftwaffe habe militärische Einrichtungen angegriffen. Das UN-Büro für Menschenrechte (OHCHR) forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls. In Kabul fand eine erste Massenbeerdigung für Opfer des Luftangriffs von Montagnacht statt.
Lokale Medien berichteten, dass Leichen auf dem Sarai Shomali Berg in Kabul bestattet worden seien. Viele seien schwer entstellt und konnten nicht identifiziert werden, berichtet der afghanische Fernsehsender Tolonews. Führende Taliban wie Innenminister Sirajuddin Hakkani nahmen an der Beerdigung teil.
Bei einem Besuch der Ruinen der zerstörten Entzugsklinik sagte die EU-Repräsentantin in Kabul, Veronika Boskovic Pohar, dem Sender Tolonews: „Was wir wollen, ist Dialog zwischen den beiden brüderlichen Nachbarländern. Ihr könnt euch nicht gegenseitig auf den Mond schießen.“ Frieden läge im Interesse beider Länder.
UN-Büro OCHA: Kämpfe zuletzt verschärft
Nach Angaben der Vereinten Nationen hatten sich die Kämpfe zuletzt verschärft. Zudem weiteten sich die Auseinandersetzungen geografisch aus, teilte das UN-Nothilfebüro (OCHA) am Mittwoch mit. Seit dem 26. Februar seien 76 Menschen in Afghanistan getötet und 213 verletzt worden.
Die Zahlen berücksichtigen nicht die Opfer eines schweren Luftangriffs auf eine Entzugsklinik in Kabul vom Anfang der Woche. Nach Angaben der Taliban-Regierung wurden allein bei diesem Angriff mehr als 400 Menschen getötet. Pakistan dementiert, dass die Klinik Ziel des Angriffs war. Es seien militärische Anlagen angegriffen worden.
Bereits 115.000 Menschen vertrieben
Die andauernden Kämpfe wirken sich auf die humanitäre Lage in Afghanistan aus. Ersten Berichten nach seien infolge des Konflikts 115.000 Menschen vertrieben worden, schrieb OCHA. Preise für wichtige, importierte Grundnahrungsmittel wie Reis und Pflanzenöl seien bis jetzt um 20 bis 40 Prozent gestiegen im Vergleich zu Dezember 2025. Pakistan hatte seine Landesgrenzen zu Afghanistans Osten im Oktober geschlossen. Wegen des Iran-Kriegs seien Lieferungen nun auch über die Westgrenze Afghanistans über den Iran praktisch pausiert, so das UN-Büro.