Angesichts des am Samstag gestarteten Militärschlags der USA und Israels auf Ziele im Iran wächst die Sorge um die Lage der dort lebenden religiösen Minderheiten. Die kleine, historisch verwurzelte christliche Gemeinschaft in der Islamischen Republik steht in dem stark repressiven Umfeld unter Druck. Dieser droht sich aufgrund der derzeitigen Lage zu verschärfen, berichtet die Kathpress.

Von den rund 90 Millionen Einwohnern Irans gehören nur wenige Hunderttausend dem Christentum an. Die älteste und größte Gruppe bilden die rund 150.000 Armenier, deren Zentrum in der Stadt Isfahan liegt. Hinzu kommen an die 30.000 assyrische Christen sowie etwa 24.000 chaldäische und lateinische und einige wenige orthodoxe. Die Gesamtzahl wird von Menschenrechtsorganisationen dennoch mit bis zu 800.000 angegeben. Grund ist, dass neben den anerkannten Christen viele weitere in Untergrundgemeinden leben, die sich aus früheren Muslimen zusammensetzen, die laut den Berichten meist zum evangelikalen oder pfingstkirchlichen Christentum übergetreten sind.

Historisch gesehen wurden die armenischen Christen, ebenso wie Juden und Zoroastrier in der Verfassung des Irans von 1906 offiziell als „religiöse Minderheiten“ anerkannt. 1928 wurde ihnen eine parlamentarische Vertretung garantiert. 1943 erhielten sie auch Autonomie in zivilrechtlichen Fragen, die die Familie betreffen, wie Eheschließungen, Trennungen, Testamente und Adoptionen. Einen Einschnitt brachte die Revolution von 1979, seit der sich der Iran als schiitisch-islamischer Staat versteht, seit 1989 mit Ayatollah Ali Khamenei (86) als oberste religiöse und politische Autorität.

Strenge Auflagen für Christen

Damals im Jahr 1979 verließen viele Armenier das Land und flohen ins Ausland, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Die im Land Verbliebenen bekennen sich weiter zu ihrem Glauben und spielen auch eine aktive Rolle in der Gesellschaft. Die traditionellen Kirchen - die armenische, assyrische, chaldäische und katholische - sind staatlich anerkannt und dürfen Gottesdienste in ihren eigenen Sprachen feiern. Im Iran gibt es sechs katholische Diözesen, davon vier chaldäische (mit Patriarchatssitz in der irakischen Hauptstadt Bagdad), eine armenische in Isfahan und eine lateinische, mit dem belgischen Minoriten Dominique Joseph Mathieu als Erzbischof, der 2024 von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt wurde.

Wie alle Nicht-Schiiten unterliegen die anerkannten Christen erheblichen Einschränkungen: Ihnen ist es beispielsweise streng untersagt, persischsprachige Konvertiten aufzunehmen oder Liturgien auf Farsi abzuhalten. Christen gelten vielfach als Bürger zweiter Klasse; staatliche Stellen, große Teile der Wirtschaft und sicherheitsrelevante Berufe bleiben Muslimen vorbehalten. Sicherheitsorgane werten unabhängige religiöse Aktivitäten zudem häufig als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“.

Am stärksten von Unterdrückung betroffen sind Christen muslimischer Herkunft. Sie versammeln sich meist in Hauskirchen, da offizielle persischsprachige Gemeinden geschlossen wurden. Besitz oder Weitergabe von Bibeln in Farsi kann als Beleg für „missionarische Tätigkeit“ gewertet werden. Sicherheitskräfte überwachen digitale Kommunikation; Razzien bei privaten Gebetstreffen sind keine Seltenheit.

Unterdrückung hat zugenommen

Ein am 25. Februar veröffentlichter Bericht mit dem Titel „Scapegoats“ der Organisationen Open Doors, Article 18, Christian Solidarity Worldwide und Middle East Concern dokumentiert eine deutliche Verschärfung im Jahr 2025. Demnach hat sich die Zahl der Festnahmen von Christen wegen religiöser Aktivitäten mehr als verdoppelt: 57 Gläubige verbüßten Haft, Exil oder Zwangsarbeit, gegenüber 25 im Jahr davor. Obwohl 73 Christen verurteilt wurden - weniger als zuvor -, stieg deren Gesamtstrafmaß auf 280 Jahre Haft. Mindestens elf Betroffene erhielten Strafen von zehn Jahren oder mehr.

Der Bericht spricht von einer stärkeren Beteiligung der Revolutionsgarde an Verhaftungen, von Misshandlungen in Haft und gezielten Maßnahmen gegen die Verbreitung christlicher Literatur. Insbesondere nach dem zwölftägigen Krieg mit Israel im Juni 2025 seien Christen verstärkt als Sicherheitsrisiko dargestellt worden. Evangelikale würden als „zionistische Agenten“ oder „Söldner des Mossad“ diffamiert. „Das derzeitige Regime versucht, Minderheiten als Feinde des Iran darzustellen“, erklärte Steve Dew-Jones von Article 18. Die Rhetorik habe sich weiter verschärft.

Zugleich hätten sich Christen an den zu Jahresbeginn 2026 gestarteten landesweiten Protesten beteiligt. Nach Angaben der Organisationen wurden mindestens 19 Christen bei jüngsten Unruhen getötet. Menschenrechtler fordern die bedingungslose Freilassung inhaftierter Christen, die Wiedereröffnung geschlossener Kirchen und die Möglichkeit, Gottesdienste in persischer Sprache ohne Angst vor Verhaftung zu feiern. Dennoch berichten viele Gemeinden von wachsender Verunsicherung, insbesondere in den Phasen außenpolitischer Eskalation. Beobachter befürchten eine weitere Verschärfung angesichts der aktuellen Militärschläge gegen den Iran.