Es ist eine erschreckend hohe Zahl, die mit dem Aus der US-Entwicklungshilfebehörde USAID in Verbindung gebracht wird, die seit Dienstag Geschichte ist. „Neben dem Erschaffen eines globalen NGO-Komplexes auf Kosten der Steuerzahler hat USAID seit dem Ende des Kalten Krieges kaum etwas vorzuweisen“, erklärte US-Außenminister Marco Rubio das Ende der Behörde. Insgesamt wurden rund 5800 Verträge für internationale Entwicklungsprogramme im Wert von 54 Milliarden Dollar (rund 52 Milliarden Euro) gestrichen. Dies ist eine Reduzierung von mehr als 80 Prozent der Gesamtausgaben der amerikanischen Hilfsgelder.

Wie katastrophal die Auswirkungen für die Menschen der ärmsten Regionen der Welt sind, zeigt die Dimension der Summe. Die Mittel von USAID machten 42 Prozent des gesamten globalen Budgets für Entwicklungshilfe aus. Die Fachzeitschrift. „Lancet“ veröffentlichte kürzlich eine Studie, wonach mehr als 14 Millionen Menschen in den nächsten fünf Jahren aufgrund der Kürzungen der US-Hilfen sterben könnten – darunter mehr als 4,5 Millionen Kinder im Alter von unter fünf Jahren.

Aus Pentagon-Kreisen verlautete Kritik an der Studie: Sie basiere auf „irrtümlichen Annahmen“, hieß es. Die USA würden ihre Auslandshilfen fortsetzen, jedoch auf eine effektivere Art und Weise. Wie genau, bleibt offen. Dabei hat es zuvor fälschlicherweise Kürzungen bei der Ebola-Hilfe gegeben, wie später zugegeben wurde.

Wie kommt man zu dieser Zahl?

Doch wie kommt die Zahl von 14 Millionen Tote zustande? Das Team aus internationalen Forschenden analysierte Daten aus 133 Ländern und schätzte, dass die Finanzierung von Hilfen durch USAID zwischen 2001 und 2021 insgesamt 91 Millionen Tode in Entwicklungsländern verhindert hat. Mithilfe von Modellen untersuchten sie ebenfalls, wie sich die Kürzungen von 83 Prozent, die die US-Regierung angekündigt hatte, auswirken würden. Sie könnten demnach zu mehr als 14 Millionen vermeidbaren Toten bis zum Jahr 2030 führen, wird berechnet.

Die internationale Studie zeigt, dass von US-Hilfsgeldern unterstützte Programme zu einem 15-prozentigen Rückgang der Todesfälle durch verschiedene Ursachen geführt haben. Bei Kindern unter fünf Jahren war der Rückgang doppelt so stark und lag bei 32 Prozent. Die US-Hilfen erwiesen sich als besonders wirksam in der Verhinderung von vermeidbaren Todesfällen durch Krankheiten. So war beispielsweise das Risiko, an der Immunschwächekrankheit Aids zu sterben, in Ländern, die viel Hilfe bekommen haben, 65 Prozent geringer als in Ländern mit wenig oder keiner Hilfe.

Vor allem unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels hat sich der Finanzbedarf ärmerer Entwicklungsländer aus dem „Globalen Süden“ laut jüngsten Berichten seit 2015 um mehr als ein Drittel erhöht. Unterdessen kürzten auch andere reiche Länder wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland Entwicklungsgelder zusammen. Diese Kürzungen könnten „zu noch mehr zusätzlichen Todesfällen in den kommenden Jahren“ führen, sagte Co-Autorin Caterina Monti. Auch Österreich hat die Mittel für internationale Entwicklung gekürzt. Berichte darüber, dass die EU die entstandene Lücke stopfen könnte, sind unrealistisch. Wie die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas in einem Interview sagte, fehlen die Mittel, um alle Lücken zu füllen.

Fazit

Sind also 14 Millionen Tote eine realistische Einschätzung? Aus dieser Gemengelage heraus, zeigt sich, wie dramatisch die Folgen der fehlenden Hilfe für den globalen Süden sein dürften. Wie genau, haben die Studienautoren fundiert argumentiert. Dieses Schreckensszenario scheint leider möglich.