Elon Musk, der Mann aus Südafrika, der in Amerika nicht Präsident werden dürfte, räumt in Washington auf, und zwar mit dem Beil. Er ist Trumps oberster Disruptor, sprich Zerstörer, wie Silicon Valley, das ihn prägte, es nennt.
Dass sein Auftreten mitunter immer bizarrer wird, scheint dabei niemanden zu stören. Am Donnerstag war er Überraschungsgast bei der Konferenz des Conservative Political Action Committee (CPAC) in Washington DC. Dort erhielt er live auf der Bühne eine Kettensäge vom argentinischen Präsidenten Javier Milei überreicht. „Das ist die Kettensäge für die Bürokratie“, schreit Musk begeistert. Die betroffenen Behörden werden das wohl weniger lustig finden.
Donald Trump, der eigentliche Präsident, hat Musk zum Chef von Doge, dem Department of Government Efficiency, gemacht, das die Verwaltung effizienter machen soll – was heißt: Alle feuern. Er und seine junge Truppe aus „Muskrats“ haben unbegrenzt Zugang zu den Computern, zu Regierungsverträgen, Geldströmen, Personalakten und Sozialleistungen. Seine eigentliche Agenda ist aber die größte Umlenkung von Finanzströmen in der Geschichte der USA. Seitdem sich Musk das Hemd vom Leib riss und Trump auf der Wahlkampfbühne zur Seite hüpfte, kennt ihn jeder. Seiner Allmacht wegen nennen ihn manche „Präsident Musk“. Andere verspotten den tatsächlichen Präsidenten als „First Lady Donald.“ Trotzdem ist laut Weißem Haus nur gewöhnlicher Berater. Musk sei auch kein Mitarbeiter des an das Präsidialamt angeschlossenen Gremiums Doge, hieß es zumindest in Gerichtsunterlagen zur Klage von US-Staaten gegen das Vorgehen im Regierungsapparat des Bundes. Diese widerspricht dem Image, das Musk selbst kultiviert: So sagte er, er werfe die Entwicklungshilfebehörde USAID „in den Holzhäcksler“. Täglich behauptet er ohne Belege, man habe man Betrug bei Behördenausgaben entdeckt.
Aber König in Washington ist nur eine Phase im Leben des mit 400 Milliarden Dollar reichsten Mannes der Welt. Musk, in Pretoria geboren, hat seinen Aufstieg als Businessmann den Smaragdminen seines Vaters zu verdanken – ähnlich wie Trump, der ein Immobilienimperium erbte. Wie dieser inszeniert er sich als Selfmademan. Im Familienleben übertrumpft er Trump gar: Er hat zwölf Kinder von drei Frauen. Und so wie Trump hauptsächlich seinen Namen vermarktet, ist auch sein Name mit Tesla verbunden. Tatsächlich hat er das erfolgreiche Elektroauto nicht erfunden, sondern Geld für die Firma eingeworben, die er von den Gründern kaufte.
So machte er seine ersten Millionen
1992 kam der damalige Student nach Amerika – via Kanada, das Land, aus dem seine Mutter stammt. Er bekam einen Studienplatz an der Eliteuniversität Stanford, wollte aber lieber in Silicon Valley Geld verdienen (mit einem Studentenvisum, mutmaßte die Washington Post). Seine ersten Millionen machte er mit einem digitalen Stadtführer. Das Kapital kam vom Vater. Dann versuchte er sich mit dem Bezahldienst X.com. Als der mit Paypal fusionierte, gegründet vom ebenfalls konservativ-libertären Peter Thiel wurde Musk zwar rausgeworfen (zum zweiten Mal), kassierte aber beim Paypal-Verkauf fast 200 Millionen Dollar.
Mit dem Geld gründete er SpaceX, die Firma, mit der er zum Mars fliegen will. Erste Versuche, Raketen in Russland zu kaufen, misslangen, aber die Nasa gab ihm einen Milliardenvertrag. Es folgte Starlink, ein Satellitennetz, das globalen Internetempfang aus dem Weltall erlaubt. Nachdem Russland in der Ukraine einmarschiert war, erlaubte Musk es Präsident Wolodymyr Zelinsky, Starlink gratis zu nutzen, schaltete aber wieder ab, als die Ukraine die russische Flotte angreifen wollte.
Musk, der Demokrat
Damals war er noch Demokrat und unterstützte Barack Obama, Hillary Clinton und Joe Biden. 2022 erwarb er Twitter, was er als Schritt für die Meinungsfreiheit bezeichnete. Er kündigte fast 90 Prozent der Belegschaft, vor allem die, die Inhalte kontrolliert hatten. Twitter, nun X, wurde eine Austob-Plattform. Erst als der Rapper Kanye West ungeniert Werbung für Adolf Hitler machte, wurde es auch Musk zu viel.
Ähnlich radikal ist Musk in Washington. Sein erster Schlag ging gegen die USAID, eine Behörde mit einem Etat von 40 Milliarden Dollar, die in Übersee tätig ist, und deren Mitarbeiter, mehrere Zehntausend, die er auf einen Schlag feuerte. Gerichte wurden aktiv, aber wie es ausgeht, scheint noch offen.
Sein gewagtes Spiel
Auch in Washington betätigt sich Musk natürlich nicht selbstlos. Wie viele im Silicon Valley hat er in Bitcoin investiert – da kann er keine Regulierung gebrauchen. Das Gleiche gilt für Künstliche Intelligenz, wo Musk zudem die Konkurrenz aus China fürchtet, die Trump ihm mit seiner Abschottungspolitik vom Hals hält. Zudem brauchen AI und Crypto Massen von Energie, da ist Trumps „Drill, Baby, Drill“-Politik auch äußerst hilfreich.
Musk spielt ein gewagtes Spiel, denn sein Geld verdankt er Tesla-Verkäufen, und die brechen gerade weltweit ein. Andererseits: Trump hilft ihm auch hier. Das State Department unter Trump will haufenweise gepanzerte Tesla-Trucks kaufen.