Wie bewerten Sie die Politik Serbiens und Jugoslawiens in den Neunzigerjahren, die schließlich am 5. Oktober 2000 zum Sturz von Slobodan Milošević geführt hat?
Aleksandar Vučić: In den Neunzigerjahren haben wir nicht nur viele Fehler gemacht, sondern auch als Volk nicht verstanden, welche Änderungen sich in der Welt mit dem Fall der Berliner Mauer ereignet haben. Nach dem Jahr 2000 dachten wir, dass es genüge, zu Empfängen der Botschaften der USA, Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs zu gehen, und damit würden alle politischen Probleme gelöst sein. Das war die Hinwendung zum anderen Extrem, und wir erlebten noch mehr Korruption und einen noch größeren Wirtschaftsrückgang als unter Slobodan Milošević. Heute verstehen wir recht gut, was in der Welt geschieht.
Interview mit Aleksandar Vučić
"Außer Erniedrigung hat uns niemand im Westen etwas für den Kosovo angeboten"
Er schäme sich nicht für seine besten Beziehungen zu Russland und China, sagt Serbiens Präsident Aleksandar Vučić im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Der EU wirft er vor, Belgrad im Tausch für den Kosovo nicht einmal die Mitgliedschaft in der Union zu garantieren.
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