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Corona-Maßnahmen"Eine Woche später, und die Zahl der Infizierten hätte sich vervierfacht"

Der Zeitpunkt der Corona-Maßnahmen sei richtig gewesen, die Maßnahmen wirksam. Das bestätigen die Mathematiker anhand von Modellrechnungen. Jetzt geht es darum, das "Contact Tracing" zu verbessern, neu Infizierte möglichst rasch zu isolieren.

CORONAVIRUS: PK 'CORONA-MASSNAHMEN-EVALUIERUNG: AUF DEN RICHTIGEN ZEITPUNKT KOMMT ES AN!': POPPER / ANSCHOBER
Simulationsexperte Niki Popper mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Die Mathematiker waren heute am Wort. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) holte sie an seine Seite, um ausführlich zu begründen, warum Österreich mit Zeitpunkt und Umfang der Corona-Maßnahmen (die zunehmend kritisiert werden) richtig lagen. Fazit:

  • Die Grundrichtung habe gestimmt.
  • Wenn Österreich nur sieben Tage später reagiert hätte, hätte es eine vierfache Zahl an Infizierten gegeben.
  • Die Zahl der Intensivpatienten wäre auf knapp 1.000 gestiegen und hätte die Spitäler damit tatsächlich an den Rand ihrer Kapazitäten gebracht.
  • Bei 14 oder 21 Tagen später wären die Zahlen explodiert

Popper: Bei der Simulation kam heraus, dass eine Reaktion erst sieben Tage später zum Höhepunkt der Pandemie Ende März mit rund 40.000 positiv getesteten Fällen geführt hätte. Durch die gesetzten Maßnahmen waren es damals dagegen rund 10.000 aktive Fälle. 

Die Zahlen bestätigten auch den Weg der vorsichtigen Öffnung, denn, so Anschober: "Das Virus ist nicht auf Urlaub gefahren, es ist nach wie vor da."

37 Neuinfektionen gab es zuletzt, nur noch 674 aktiv Erkrankte. Eine Reaktionszeit von 3,8 Tagen, bis Infizierte aus dem Kontaktnetzwerk herausgenommen werden und niemanden mehr anstecken können, bedeute ein langsames Wachstum der Zahlen. "Wenn wir länger brauchen, um Menschen rauszunehmen, bei 5,7 Tagen etwa, geht die Kurve sehr schnell wieder nach oben", erläuterte Popper. Er plädierte dafür, die Reaktionszeit zu verkürzen. "Reduzieren wir in dem Fall auf 1,9 Tage, sehen wir, dass wir viel mehr Maßnahmen und Lockerungen aushalten können."

Der Simulationsforscher Niki Popper hat errechnet, was passiert wäre, wenn Österreich anders reagiert hätte. Foto © Gesundheitsministerium

Popper betonte ebenso wie Herwig Ostermann, Geschäftsführer von Gesundheit Österreich, dass man sich derzeit in einem "Präventionsparadoxon" befinde. Dieses Phänomen beschreibt, dass man Maßnahmen ergreift, damit etwas nicht eintritt, dann der Erfolg der Präventionsmaßnahmen aber paradoxerweise zu Unzufriedenheit führt.

Auf den richtigen Zeitpunkt sei es angekommen, und dieser Zeitpunkt habe gestimmt, bestätigten die Experten Herwig Ostermann und Niki Popper. Jetzt gehe es darum, die konsequenten, aber vorsichtigen Schritte der Öffnung mit einer Verbesserung des "Contact Tracing" zu verbinden. Die Zeit zwischen Erkennen der Infektion und Isolierung der Kontaktpersonen müsse tunlichst noch weiter verkürzt werden. Anschober: "Dann wird es mit der Rückkehr zum gesellschaftlichen Alltag funktionieren. Aber dazu muss wieder jeder seinen Beitrag leisten."

Ab 29. Mai sind in Österreich wieder Hochzeiten und Begräbnisse mit bis zu 100 Personen erlaubt. Das geht aus der vom Gesundheitsministerium veröffentlichten Novelle der "COVID-19-Lockerungsverordnung" hervor. Ebenfalls ab Freitag gilt in Schlaflagern und Gemeinschaftsschlafräumen ein Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern - nicht wie ursprünglich angekündigt zwei Meter.

"Es ist noch nicht vorbei"

Anschober teilte mit, an den Details werde noch gefeilt. Es sollten möglichst einfache Regelungen werden, auch wenn die Lebenssituationen der Menschen sehr komplex seien.

Was regionale Schritte betrifft, zeigte sich Anschober offen für die Vorschläge der Länder, warnte allerdings: "Wir dürfen nicht das falsche Signal aussenden. Es ist leider nicht vorbei. Wir müssen nach wie vor konsequent handeln, sonst geht die Kurve wieder nach oben." Österreich sei ohnehin auch in Sachen Öffnung international Spitzenreiter.

Das Vorziehen der Öffnung auch der Kinos begründete Anschober damit, dass das sonst eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Kulturveranstaltern gewesen wäre.

Das Lernen aus der Vergangenheit sei entscheidend auch für allfällige Maßnahmen in der Zukunft. Das Problem: Durch die Gleichzeitig der Maßnahmen kann, anders als in Deutschland, noch nicht präzise gesagt werden, welche Wirkung genau etwa die Schließung der Schulen oder die Schließung der Geschäfte entfaltet habe. Dazu komme: Es gibt kaum Daten, die belegen, wie ansteckend infizierte Kinder sind.

Die weiteren Schritte: Kommende Woche werde es weitere Details zu den Regelungen für den Sport geben. Und es werde eine Auswertung der Testungen in den Alten- und Pflegeheimen vorliegen, die die Planung der Öffnung in diesem Bereich ermöglicht.

Bis 15. Juni wird sodann ein präzises Konzept für die Öffnung der Grenzen erarbeitet - diesen Termin hat ja die EU-Staatengemeinschaft fixiert. Die Werte in manchen italienischen Regionen seien immer noch ein Problem, so Anschober. "An Lösungen arbeiten wir gemeinsam mit unseren Nachbarländern."

 

Kommentare (99+)

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UHBP
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Wer zahlt schafft an und bekommt die Studie, bzw. Statistik die er will.

Angenommen die Statistik ist richtig, dann ließt man heraus:
Eine Woche früher reagiert, hätte die Zahl der Infizierten auf 25% gedrückt und rund 500 Tote weniger.
Angenommen die Statistik ist richtig, dann ließt man heraus:
Eine Woche früher reagiert und man hätte die Maßnahmen schon einige Wochen früher wieder zurücknehmen können und der wirtschaftliche Schaden wäre um Milliarden geringer.
Dass das der Minister nicht sagt ist klar, aber dass das auch keiner der Reporter fragt, finde ich schon sehr, sehr seltsam. Könnte aber daran liegen, dass man die Hand, die einen füttert, nicht beißt.

ronin1234
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Reaktion

Wenn ich schon das Wort Eigenverantwortung höre wird mir übel. Wer nimmt das ernst? Fast niemand.

gb355
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na ja..

Soviel zur Eigenverantwortung: >>> man nehme das Beispiel Matura her:
Therorie: Ich lerne für mich,mein Leben !
Praxis: "Weil ich eh nicht durchfallen kann,geb ich gleich den leeren Zettel ab."
Der Minister ist enttäuscht von manchen
angehenden Maturanten!
Aber wo ist die logische Konsequenz???
Leeres Blatt > 0 Leistung> kann man
nicht beurteilen, sprich benoten >>> >Mündliche Prüfung!!! ----- Diese Note +Jahresnote = Maturanote!!

dergute
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Also widerspricht dieses (errechnete) Modell den Drohungen von Kurz&Co

...denn laut deren Behauptungen gab es eine exponentielle Steigerung alle 2 Tage... das würde ja bei einer Verschiebung um 8 Tage eine Versechzehnfachung ergeben...und keine Vervierfachung... hm, wohl alles nur Kaffeesudleserei? Und die Ersteller des Modells sind zufällig die gleichen Herrschaften die schon 100TSD Opfer "ausgerechnet" hatten... und ja, jetzt sind wir im "Präventionsparadoxon" :-) - wo befinden sich dann die Schweden? Im "wuaschtwirdschuwern"-Paradoxon?

checker43
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Exponentiell

bedeutet nicht, dass sich etwas alle zwei Tage verdoppelt. Es kann auch alle zwei Tage um das 1,6-Fache wachsen.

dergute
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Checker hätten die Passage

"eine exponentielle Steigerung alle 2 Tage" so interpretiert, dass es eben keine fixe Konstante gibt ;-) sondern im diesem Fall die angegebene Verdoppelung alle 2 Tage eintrift...

UHBP
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@checker..

Es waren aber Rechnungen mitte März des "Simulanten" Poppers, die eine Verdoppelung alle 2 Tage vorhergesagt haben. Nun scheint er seine eigenen Modelle angepasst zu haben.
Modellrechnungen haben das schöne, dass man alles herausbekommen kann, was Mann/Frau bzw. der Auftraggeber will.

samro
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simulant

@uhbp
sagen sie wie war das im maerz?
wie schnell haben wir da verdoppelt?
quizfrage die sie beantworten wollen?

Avro
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2 Wochen später alle tot ?

Die tollen Statistiker die es der Regierung hintennach schönrechnen...
Habe 100 000 Zweifel an diesen Simulationen.
Man könnte auch den Tiroler Gesundheitslandesrat herholen der uns erklärt man alles richtig gemacht. Der war ja so überzeugend beim ZIB interview.

duerni
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COVID19 ist KEINE Gottesstrafe......

… und auch nicht ein Naturgesetz, das nicht zu beeinflussen wäre.
Kapiert doch endlich, dass es eindeutig aus CHINA kommt.
Ob gewollt oder ungewollt - ist nicht die Frage sondern - wie können wir verhindern oder einschränken, dass das nächste Virus im Jahre 2022 wieder kommt - aus China?
Oder wollt ihr in Zukunft - gut gerüstet - alle paar Jahre den selben Zirkus von 2020 erleben?
Wenn "JA" - dann gute Nacht!
Masken und Beatmungsgeräte sind dann der Renner! Könnte zum Kultobjekt werden!

UHBP
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@duer...

Was willst du uns mit deinen Postings eigentlich sagen:
Ja, diese Virus kommt aus Asien; das nächste vielleicht aus Amerika, Afrika oder sogar aus Europa.
Willst du alle Grenzen für immer dicht machen?

duerni
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@UHBP.............Willst du alle Grenzen für immer dicht machen?

Nein -aber hier sind wohl nur Kommentatoren aktiv, die nicht wahrhaben wollen, dass wir mittelfristig von China abhängig sein werden.
Den chinesischen Diktatoren wir es recht sein......

Pichler Kerstin
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@ rudolf anschober

...ich glaube auch noch an das christkind!

samro
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links

liebe klz
ich habe hier an medicus60 links gepostet.
koennt ihr diese nachricht freigeben?

JK1976
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Schauts brav Fernsehen

Machts alles alles was sie euch vorgaukeln. Dann passt alles.. ich lebe mein Leben weiter.. alles gute

berndhoedl
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Da gibts enorm viele Experten...

hier im Forum

also wenn ich so die Kommentare lese - uihh, da sind echt die Weltexperten unterwegs.
Also ich bin kein Weltexperte, aber ich behaupte einmal einen gesunden Verstand zu haben.

Vorsicht und Hygiene empfehlenswert, jedoch der Rest dieser mittlerweile Sinnbefreiten Regeln......
Also wenn jetzt noch immer Leitln mit den Schwedenzahlen kommen und Weltuntergangsszenarien inkl. Wünsche überhaupt diesen Halbstillstand überhaupt nicht mehr zu beenden - dann muß ich salopp fragen,

WIE STELLT IHR EUCH DANN EUER WEITERES LEBEN VOR?

Zurück zum Normalzustand und Beenden des Corona Wahnsinns ist das Einzige was dringend nötig ist!

checker43
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Wenn

Sie zum Normalzustand zurückkehren, gehen die Zahlen wieder nach oben wie im März. Was wiederum nur durch kompletten Lockdown zu bekämpfen ist. Die Wirtschaft würde Ihnen danken ...

samro
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normalzustand

@checker 43
das will aber keiner hoeren.

Mein Graz
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@berndhoedl

Die Zahlen aus Schweden sind Fakten.

halelale
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Zahlenvergleiche sind appetitlos und sagen zum jetzigen Zeitpunkt kaum was aus.

kT

X22
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Zahlen vergleiche sagen immer etwas aus, wie wertvoll diese Informationen sind,

hängt immer davon ab, welchen Zweck sie zu erfüllen haben. Man kann zwar sagen, es sind Momentaufnahmen, es gibt andere Zählkriterien, usw., jedoch kann man auf Grund der verschiedenen Umstände (Gesundheitssysteme, Regierungsverantwortliche, ...), den gesetzten Maßnahmen, den Erfahrungen aus ähnlichen vergangenen Situationen und deren Erkenntnissen, auch Vergleiche erstellen.
Man kann daraus auch Erkenntnisse ziehen wo irgendetwas faul ist, wo getrickst wird. Um so mehr Länderdaten man hat, umso offentsichtlicher wird dies. Weißrussland, China gehören zu diesen Spezialisten, die erstgenannten wollen einen weiß machen, bei einer ähnlichen Einwohneranzahl wie Österreich, dass sie den exponentialen Anstieg, den sie hatten, ohne Maßnahmen in einen linearen gewandelt haben, bei täglich + ca. 1000 Neuinfizierten und einer wundersamen Todesrate. Diese Zahlenwerte sagen etwas aus, nur die werdens in keine Formel reinkriegen können, dafür gibt es bereits zuviele empirische Daten.
Das ganze Leben und alle Vorgänge könntens in Zahlen ausdrücken, es können Endresultate (nach unseren Wissensstand) oder auch nur Zwischenergebnisse.
Deswegen finde ich, ist die Ansage "sagen zum jetzigen Zeitpunkt kaum was aus", einfach falsch.

Mein Graz
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@halelale

Was sind appetitlose Zahlen?

Zumindest sagen die Zahlen aus, dass es in Schweden fast 6 x so viele Todesfälle p.1M.pop. gegeben hat wie in Österreich.

halelale
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@mein Graz

das sind Zahlen die keinen Hunger haben.

Sie sagen aus, dass in einem bestimmten, kurzen Zeitraum 6 x (ich habe nicht recherchiert und übernehme die Aussage) so viele Tödesfälle ob berechtigt oder nicht einer Todesursache zugeordnet wurden. Ob die Zuordnung richtig ist, weiß keiner. Eine Reduktion der gesundheitlichen Effekte ausschließlich auf diesen Zuordnungsvergleich ist nicht zulässig.
Damit ist das Schwedenbeispiel reine Marketingschiene der ÖVP, was ja durch den Falter sauber recherchiert wurde.

erstdenkendannsprechen
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dann gehen sie auf

die übersterblichkeit.
oder fragen sie, warum in schweden noch immer streng triagiert werden muss (nicht nur bei covid).

halelale
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@ erstdenkendannsprechen

ich gehe auf garnichts, weil ich der Meinung bin, dass der Vergleich Unsinn ist. Wir sind ja in keinem sportlichen Wettkampf.

erstdenkendannsprechen
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ist es auch nicht.

es sind verschiedene realitäten, die sich aus verschiedenen handlungen ergeben. und man kann bedingt deren entwicklung verfolgen. wenn sie meinen, dass das ein wettkampf ist, dann haben sie ev. grundsätzlich ein problem mit der auffassung von realitäten. sie müssen aber nicht darauf eingehen.

 
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