Eine der anerkanntesten Persönlichkeiten der slowenischen Volksgruppe in Kärnten, der Richter und Schriftsteller Janko Ferk, hält die Frage der zweisprachigen Ortstafeln für eine symbolische. "Es ist irrelevant, ob in Kärnten 150 oder 400 Ortstafeln stehen. Viel wichtiger ist, dass die Kinder die Sprache lernen und der zweisprachige Unterricht ausgebaut und verbessert wird", meint er in einem Interview in der Mittwoch-Ausgabe des "Kurier".

Sprache. Und Ferk im "Kurier" weiter: "Man muss die Kultur fördern, damit erhält man die Sprache. Wenn 400 Ortstafeln herumstehen und keiner mehr Slowenisch redet, ist die Volksgruppe am Ende. Mittlerweile ist es in Kärnten so, dass immer mehr Leute vom Ortstafelstreit nichts mehr hören wollen." Weiters gab der Jurist den Slowenenfunktionären den Rat, aufzuhören, diese Causa vor Gericht zu bringen: "Die Klagen sind rechtlich, politisch und moralisch zulässig, ob sie vernünftig sind, ist eine andere Frage. Sie sind taktisch nicht klug."

Magna Charta. Im Hinblick auf eine Lösung der Ortstafelfrage spricht sich Ferk gegen eine Verfassungslösung aus. Es sollte keine legistische Regelung geben, die den Staatsvertrag in dieser Frage außer Kraft setzen würde. Wäre der Kompromissversuch vom Juli 2006 nicht als Verfassungsgesetz vorgesehen gewesen, hätte man laut Ferk der Novelle zustimmen können. Die SPÖ habe die Regelung aber zu Recht abgelehnt. Ferk: "Das Problem war, dass ein Gesetz, wie es geplant war, den Staatsvertrag, die Magna Charta der Slowenen, in Teilen außer Kraft gesetzt hätte."

VfGH-Urteilen. Auf die Frage, ob Landeshauptmann Jörg Haider (B) durch die Nichtumsetzung von VfGH-Urteilen den Rechtsstaat Österreich schädige, meint Ferk: "Ich sehe den Rechtsstaat noch lange nicht in Gefahr, wenn man ein Erkenntnis nicht umsetzt und daraus politisches Kapital schlägt. Auch wenn es hier um Grund- und Menschenrechte geht, ist die Frage der Ortstafeln eine symbolische."

Ortstafelfrage. Gleichzeitig ist Ferk zuversichtlich, dass sich "die Rechtstaatlichkeit in der Ortstafelfrage durchsetzen wird, entweder rechtlich oder politisch". Eine politische Lösung wäre ihm allerdings sympathischer.