Ein altes Jahr ist zu Ende gegangen, das neue bricht an. In der Regel dient uns der Jahreswechsel dazu, einen kurzen, statistisch gefärbten Blick auf die Vergangenheit und einen von Prognosen durchzogenen in die Zukunft zu werfen. Die Erwartungen sind, wie üblich, groß, und allerorten werden Hoffnung und Zuversicht beschworen, gepaart mit den Erinnerungen an die Erfolge, aber auch an die Versäumnisse und Katastrophen des verflossenen Jahres. Selten wird dabei dessen größter Makel thematisiert: dass es ebenfalls als neues, optimistisch ausgemaltes, mit guten Vorsätzen und kühnen Prophezeiungen garniertes Jahr begonnen hatte. Alt und neu lassen sich nicht so scharf trennen, wie wir es gerne hätten. Das Neue altert schnell, und das Alte erweist sich als zäh. Wie wäre es, über das Verhältnis von Alt und Neu, an das uns Silvester gemahnt, grundsätzlich nachzudenken?