Ein kurzer Moment mit Donald Trump, der den Daumen hochhielt, dann verschwand die zierliche blonde Frau zusammen mit dem massigen, zwei Köpfe größeren Präsidenten hinter den Türen des Weißen Hauses. Giorgia Meloni, die italienische Ministerpräsidentin für die Fratelli d’Italia, ist die erste europäische Politikerin, die einen Antrittsbesuch in Washington macht. Trump hat bisher Avancen von Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, abgelehnt. Auch zu deren politischer Ziehmutter Angela Merkel hatte Trump kein gutes Verhältnis.
Meloni hingegen, hoffen viele, werde Trump Zugeständnisse abringen, was dessen erratische Zollpolitik angeht, die auch Europa betrifft. Die Washington Post nannte sie „Trump Whisperer“, Einflüsterin. Tatsächlich versprach Trump bei einem anschließenden Auftritt, es werde „hundertprozentig“ einen Deal mit der EU geben, und zwar noch innerhalb der 90-Tage-Periode, nach der die Zölle von 20 Prozent voraussichtlich rechtskräftig werden. Die Zölle orientieren sich am Handelsdefizit mit den USA, das alleine bei Italien bei rund 40 Millionen Euro liegt.
„Dass Trump auf Meloni hört, ist gut für die ganze EU“
„Ich bin sicher, dass eine Einigung erzielt werden kann. Wir können eine gemeinsame Basis finden“, hielt dann auch Meloni fest. Trump werde den Westen mit seinem Krieg gegen „illegale Immigration“ und „woke Ideologie“ wieder groß machen, merkte die Rechtsnationale an. Sie sei stolz, als Premierministerin „eines stabilen, zuverlässigen Italiens in den USA zu sein.“ Trump sei ein Geschäftsmann, der sie verstehe. “Dass Trump auf Meloni hört, ist gut für die ganze EU“, sagte ein (anonymer) italienischer Diplomat zu „Politico“.
EU-Interessen vertreten
Während Meloni zu Hause unter Druck steht, die Italiens exportorientierte Wirtschaft zu schützen, muss sie auch die Interessen der 27 EU-Länder vertreten: In den vergangenen Tagen führte die Regierungschefin offenbar wiederholt Telefongespräche mit von der Leyen.
Diskutiert wurde in Washington auch der Krieg in der Ukraine: „Friedensmissionen sind immer willkommen“, sagte Trump zur Möglichkeit einer europäischen Friedensmission.
Trump pflegt Kontakte zu Rechtspopulisten
Trumps politische Linie ist „Amerika Zuerst“, aber er pflegt durchaus Kontakte zu Rechtspopulisten weltweit. Meloni hat ihn bereits vor seinem Amtsantritt in Mar-A-Lago, Florida besucht und ihn am Donnerstag nach Rom eingeladen. Trump setzte sich auch für Marine Le Pen ein, nachdem die wegen Veruntreuung verurteilt worden war und sprach von einer „Hexenjagd“. Allerdings versteht er sich auch gut mit der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum, einer (ebenfalls blonden) Sozialdemokratin.