Zehn Tage trieb der gebürtige Oberösterreicher Helmut W. auf einem manövrierunfähigen Segelschiff im Atlantik. Gerettet wurde er schließlich von der Crew des Expeditionskreuzfahrtschiffs "World Voyager". Neben 118 Passagieren als Crewmitglied mit an Bord: Wolfgang Pröhl. Die Kleine Zeitung erreichte den Wiener telefonisch 290 Seemeilen vor Barbados. Pröhl schickte per WhatsApp ein Gespräch, das er mit Helmut W. nach der Rettung an Bord der "World Voyager" führte. 

"Mir geht es schon viel besser", sagt der 65-Jährige eingangs. Er hätte seit zehn Tagen kein Wasser mehr getrunken, sei mit 90 Kilo an Bord des Segelschiffes gegangen und mit 60 Kilo gerettet worden. Man hätte zwar genügend Vorräte mit an Bord gehabt, aber das Trinkwasser sei ausgegangen. Warum genau, das kann der Schiffbrüchige nicht beantworten. 

Überstellung von Mallorca nach Panama

Die Geschichte begann am 6. November in Portocolom auf der Baleareninsel Mallorca. Der seeerfahrene Oberösterreicher, er hat nach eigenen Angaben 40.000 Seemeilen hinter sich, wurde vom panamaischen Besitzer angeheuert, um das Segelschiff über den Atlantik zu überstellen. Mit dabei: Ein Kapitän und zwei weitere Crewmitglieder, alle drei aus Marokko stammend. Das Schiff wurde in Griechenland gekauft. 

Das havarierte Segelboot trieb tagelang im Atlantik
© zVg Wolfgang Pröhl

"Das Boot war eigentlich sehr schlecht ausgerüstet", sagt der Schiffbrüchige. Es wäre insgesamt in sehr schlechtem Zustand gewesen. Wieso er sich dennoch auf die Überfahrt eingelassen hätte? "Weil der Käufer sehr gut für den Auftrag bezahlt hat", erzählt W., der pro Jahr zwei bis drei derartiger Hochsee-Überstellungen durchführt. 

Motor kaputt, Segel gerissen 

Das Drama hätte seinen Lauf genommen, als die Crew die Kanaren hinter sich ließ. Das nächste Ziel seien die Kapverden gewesen, doch der Motor machte zunehmend Probleme und fiel schließlich ganz aus. Die Crew hätte danach den Plan gefasst, ausschließlich auf das Segel zu setzen und mit dem Passatwind in die Karibik zu segeln. "Doch das Segel ist gerissen. Wir konnten es nicht mehr reparieren", sagt W. Tagelang trieb das Schiff manövrierunfähig über den Atlantik. Die Crew wurde unruhig. 

Helmut W. stand per Satellitentelefon mit dem Besitzer des Schiffes in Kontakt. Dieser versprach auch, Hilfe zu schicken. "Nur die Hilfe verließ nie den Hafen. Er hat uns im Stich gelassen", erzählt W. an Bord der "World Voyager". Schließlich hätte er seinen Sohn kontaktiert und dieser hätte die Rettungskette in Gang gesetzt. 

Video: Die Schiffbrüchigen werden mit dem Schlauchboot gerettet

Über Port-au-Prince (Haiti) erhielt schließlich die Crew der "World Voyager" den Notruf, änderte den Kurs und konnte das havarierte Boot im Atlantik aufspüren. Retter Wolfgang Pröhl: "Wir haben dann sofort in wenigen Minuten eines unserer zwölf an Bord befindlichen Expeditionsschlauchboote ins Wasser gelassen und sind zu dritt, inklusive Arzt, dann zur kaputten Yacht hinüber. Die hat schwer geschlingert, es war sofort offensichtlich, dass die vier Männer an Bord eine sehr harte Zeit hinter sich hatten. Selbstständig gehen konnten sie kaum mehr." Die Schiffbrüchigen wurden gerettet und auf dem Kreuzfahrtschiff medizinisch versorgt. Das havarierte Segelboot wurde zurückgelassen. Es treibt nun herrenlos im Meer.