Im Zusammenhang mit den Untreue-Vorwürfen gegen die frühere Leitung der Spanischen Hofreitschule dürfte in absehbarer Zeit feststehen, ob Anklage erhoben wird. Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, am Mittwoch auf APA-Anfrage mitteilte, liegt ein entsprechender Vorhabensbericht vor. Dieser wird nun von der Oberstaatsanwaltschaft und dem Justizministerium geprüft. Indes hat sich nun auch die Finanzprokuratur in die Causa eingeschaltet.

Wie die Rechercheplattform "Dossier" am Mittwoch berichtete, hat die Finanzprokuratur den Präsidenten des steirischen Pferdesportverbands und gerichtlich zertifizierten und beeideten Sachverständigen für Pferdesport, Ludwig Hoffmann, damit beauftragt, den Wert jenes Pferdes zu ermitteln, um den es im Wesentlichen im gegenständlichen Strafverfahren geht. 2013 hatte die Spanische Hofreitschule den Hengst "Maestoso Fantasca-67" an die Tochter ihres Aufsichtsratsvorsitzenden verkauft, der in weiterer Folge auf Kosten der Hofreitschule ausgebildet wurde. Der Verkaufspreis von 12.000 Euro soll deutlich unter Wert gelegen sein, behauptet "Dossier" unter Berufung auf interne Unterlagen der Hofreitschule. Vertraulichen Papieren zufolge soll der Hengst heute 170.000 Euro wert sein.

Drei Personen angezeigt

Die staatsanwaltschaftlichen, nunmehr abgeschlossenen Untreue-Ermittlungen richten sich gegen Johann Marihart sowie Elisabeth Gürtler und Erwin Klissenbauer, die ehemalige Geschäftsführung der Hofreitschule. Gegen alle drei hatte der frühere erste Oberbereiter Klaus Krzisch Anzeige erstattet. Für sämtliche Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung. Marihart hatte nach Bekanntwerden der gegen ihn gerichteten Vorwürfe per Presseaussendung erklärt, der Hengst sei ein Sponsorpferd, für dessen Haltung und Ausbildung die Spanische Hofreitschule von privater Hand die Kosten erstattet bekommen habe. Und er stellte fest: "Würde man mehr Menschen für solche Investments gewinnen, ließen sich die finanziellen Probleme der Hofreitschule deutlich lindern."

Sollte Anklage erhoben werden, dürfte sich die Finanzprokuratur – die Behörde vertritt die Republik Österreich bei der Verfolgung zivilrechtlicher Ansprüche – in der Hauptverhandlung als Privatbeteiligte dem Verfahren anschließen. "Es ist unser Ziel, die Causa ohne finanziellen Schaden für die Republik Österreich zu bereinigen", zitierte "Dossier" in diesem Zusammenhang den Leiter der Finanzprokurator, Wolfgang Peschorn. Das deutet darauf hin, dass die Republik einen ihr allenfalls entstandenen vermögensrechtlichen Schaden auf kurzem Wege geltend machen würde.