Gesucht: qualifizierte Lehrkraft. Nach Tourismus und Pflege schreit jetzt der Bildungssektor auf. Einen „eklatanten Lehrermangel“ prophezeit Thomas Bulant, Vorsitzender der Gewerkschaft für Pflichtschullehrer. In Wien fordern Direktoren Maßnahmen gegen die Personalnot, wie das Ö1-Morgenjournal gestern berichtete. Die Lehrersituation sei „dramatisch“, beschrieb es der niederösterreichische Bildungsdirektor Johann Heuras.

Nicht jedes Bundesland sei gleich betroffen, sagt Lehrergewerkschafter Bulant zur Kleinen Zeitung. Aber vielerorts würden schon letztsemestrige Studierende mit Sonderverträgen im Dienst sein. „Es kommt einiges zusammen: Die Pensionierungswelle, dann sind Lehrer durch die Krise frühzeitig in den Ruhestand gegangen und die Belastungen steigen“, sagt Evelyn Kometter, Vorsitzende des Elternverein-Dachverbands für Pflichtschulen. Die Attraktivität des Jobs würde außerdem durch den zunehmenden administrativen Aufwand leiden. Es bleibe weniger Zeit für die eigentliche Pädagogik. Und in der Ausbildung brauche es digitale Nachschärfungen sowie eine Vorbereitung auf Brennpunktschulen. Kometter wünscht sich auch kleinere Klassen und ein höheres Grundgehalt.

Wien besonders betroffen

„Mit dem Gehalt allein wird das Thema nicht erledigt sein“, glaubt Heinrich Himmer, Bildungsdirektor von Wien. Er ist sich der Problematik bewusst. „Wien wächst am stärksten. Wir brauchen 50 bis 100 Klassen zusätzlich pro Schuljahr.“ Er meint, dass man Quereinsteiger motivieren müsse. „Ein Leben lang den gleichen Beruf auszuüben, gibt es ja in kaum einer anderen Branche.“ Für Wiener Bundesschulen (AHS, HAK, ...) würde es auch nicht wenige Bewerbungen für das nächste Schuljahr geben: 2500 auf 700 offene Stellen – doch die gesuchten Ausbildungen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sind Mangelware. Himmer: „Wir sehen den Bedarf.“

Ein Thema ist auch die neue Ausbildung. Für den verpflichtenden „berufsbegleitenden“ Master für die Sekundarstufe darf man fünf Jahre brauchen. Schwierig für unterrichtende Junglehrer, wenn sie am Vormittag Pflichtlehrveranstaltungen besuchen sollen.

„Die Regierung muss in der Bildungspolitik aktiv werden, sonst überlässt sie einen Scherbenhaufen“, fordert Bulant. Immerhin: 15 Millionen Euro hat Bildungsminister Martin Polaschek für administrative Kräfte in Aussicht gestellt, sieben Millionen für die Schulsozialarbeit.