Wissenschaftler des Jahres Peter Klimek: "Omikron-Variante an sich ist nicht mild"

Der frisch gekürte "Wissenschaftler des Jahres 2021", Peter Klimek, warnte davor, die Omikron-Variante zu leicht zu nehmen.

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Komplexitätsforscher Peter Klimek
Komplexitätsforscher Peter Klimek © APA/HANS PUNZ
 

Vor einer gewissen Sorglosigkeit angesichts schon jetzt hoher Infektionszahlen durch die neue Omikron-Variante warnte am Montag der "Wissenschafter des Jahres 2021", Peter Klimek. Es werde zwar immer wieder von einer "milden" Variante gesprochen, das stimme aber nicht: "Die Variante an sich ist nicht mild." Sie werde lediglich durch die insgesamt höhere Immunität in der Bevölkerung weniger gefährlich, so der Forscher, der endlich ein vorausschauendes Management einmahnte.

Es mangle in Österreich sicher nicht an Expertengremien, es brauche aber echte "nachhaltige, professionelle Strukturen" und insgesamt deutlich mehr Ressourcen zur Seuchenkontrolle. Aktuell schlagen sich Forscher Nächte um die Ohren, um die vorhandenen Informationen zur Covid-19-Pandemie für die Politik aufzubereiten. Es bräuchte aber auch Strukturen und Expertisen in politischen Institutionen, wie den Ministerien, um sich systematisch einen Reim auf das Geschehen machen zu können.

Übergabe der Auszeichnung

In Österreich herrsche vielfach die Einstellung, sich als Politiker nur jene Experten zu holen, die in etwa die eigene Meinung vertreten, sagte Klimek am Montag bei der Übergabe der Auszeichnung "Wissenschafter des Jahres" durch den Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten. Diese "Beliebigkeit" gelte es zu überwinden. Dazu brauche es auch ein anderes Selbstverständnis in der Wissenschaft, die ihre gewisse "Eminenzhörigkeit" ein Stück weit ablegen sollte.

Leider breche nun die "Omikron-Welle über uns hinein", betonte Klimek. Vielerorts gehe man aber schon abgestumpft an die Interpretation der täglichen Zahlen heran, die oft erst bei neuen Rekorden richtig aufregen. Er habe gelesen, dass eine Pandemie nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern ende, sagte Klimek: "Vielleicht ist das jetzt schon das Wimmern." Hohe Zahlen dürfen "uns einfach nicht wurscht sein". Es gelte, die Pandemie als nachhaltige Herausforderung des Gesundheitssystems zu managen, so der Komplexitätsforscher und Physiker.

Ob das mit der nun ausgerufenen Orientierung bei der Maßnahmensetzung bis zum neuerlichen Lockdown anhand der Belegungszahlen der Normalstationen gelingt, bezweifelt Klimek sehr. Hier gebe es viele Fragen zur Umsetzung. Zudem komme das Gesundheitssystem von zwei Seiten unter Druck, nämlich durch den Anstieg der Covid-19-Patienten und durch andere Erkrankungen und zusätzlich durch Ausfälle beim Spitalspersonal durch die Fluchtvariante Omikron. Klimek: "Es würde mich überraschen, wenn wir da jetzt in wenigen Tagen eine schlagkräftige Lösung schaffen." Er kenne etwa kein Meldesystem, wo sich die Krankenstände im Gesundheitsbereich ablesen ließen.

Die Orientierung an Kapazitätsgrenzen sei "wieder der falsche Ansatz". Warte man lange zu, und schrammt dann knapp an der Grenze entlang, werden auch die Schäden in allen Bereichen wieder groß – von den Erkrankten, über das Gesundheitspersonal bis zur Wirtschaft. Das "immer an der Kapazitätsgrenze Entlangfahren sehe ich zunehmend kritisch", betonte Klimek.

Booster-Impfungen, um Welle abzuflachen

Der beste Weg, die Welle abzuflachen, seien die Booster-Impfungen, die die Wahrscheinlichkeit einer symptomatischen Erkrankung drastisch reduzieren. Klar sei, dass bei Omikron die Quarantänemaßnahmen und deren Länge verändert werden müssten. Jetzt etwa dreifach Geimpfte als Kontaktpersonen auszunehmen, sei als "ein Zuckerl fürs Impfen" verständlich. Quarantäne aber stark an den Immunisierungsstatus zu koppeln, werde international zunehmend kritisch gesehen. Es wäre daher vielleicht "überlegenswerter, Quarantäne an die Symptomatik und nicht an den Immunisierungsstatus" zu knüpfen.

Letztlich müsste jetzt alles daran gesetzt werden, die älteren Menschen in Österreich zur Booster-Impfung zu bewegen. Relativ glimpflich verlaufe die Omikron-Welle nämlich dort, wo um die 90 Prozent der über 60-Jährigen die Auffrischungsimpfung erhalten haben. In Österreich seien das aktuell aber nur rund 70 Prozent. Zum Schließen dieser "Impflücke" blieben nur noch wenige Wochen Zeit, so Klimek.

Kommentare (32)
kukuro05
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Sorglosigkeit....

Wen wundert es?
Ohne auch nur einen Funken Ahnung davon zu haben hat man die angeblich MILDE Omikronvariante verbreitet!
Bravo! Schlecht gemacht!

markus144
18
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Was Klimek nicht versteht...

Und auch die anderen Virologen, dass die Politik eben nicht nur stur auf sie hören kann.
Sicher wäre es am einfachsten wochenlang in den Lockdown zu gehen, aber die Politiker haben eben auch noch andere Bereiche, für die sie verantwortlich sind.
Jeder Virologe sollte sich fragen wie er agieren würde, wenn es ihn selbst finanziell betreffen würde - permanente Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit...

kukuro05
1
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Und ewig so weiterwurschteln...

.... verursacht keine Kosten?
Und immense Kollateralschäden?

RonaldMessics
1
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@markus144

Er hat sich noch nie über Politiker beschwert. Er hat sogar schon öfters gesagt, dass die Politiker auch auf andere Bedürfnisse Rücksicht nehmen müssen.

samro
7
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stellen sie sich die frage wie

klimeck:
"Warte man lange zu, und schrammt dann knapp an der Grenze entlang, werden auch die Schäden in allen Bereichen wieder groß – von den Erkrankten, über das Gesundheitspersonal bis zur Wirtschaft. Das "immer an der Kapazitätsgrenze Entlangfahren sehe ich zunehmend kritisch", betonte Klimek."

klimek sagt zurecht dass ein langes warten die situation verschlechtert.
auch fuer die wirtschaft.
fruehere massnahmen koennten da viel schaden eindaemmen!

samro
2
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" Er kenne etwa kein Meldesystem, wo sich die Krankenstände im Gesundheitsbereich ablesen ließen."

sehr richtig.
ich finde nicht mal die clusteranalzse mehr bei der AGES aus der man die cluster in den spitaelern sah!

FRED4712
25
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was ich eigentlich

nicht so recht glauben kann ist, dass man angeblich ausgerechnet die 2-fach geimpften zum boostern drängen muss.....wer sich problemlos 2x impfen lässt, hat doch normalerweise auch vor einem dritten Stich keine Angst bzw. hat doch gezeigt, dass er impfen für sinnvoll hält......mag ein paar Ausnahmen geben, aber viel wichtiger wäre doch, die impfgegner ENDLICH zum impfen zu bringen, die sind doch am meisten gefährdet und sorgen letztlich hauptsächlich dafür, dass das Virus mutieren kann und daher dann fröhlich den Mist weiter am Laufen halten kann

FRED4712
3
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was in den Köpfen der rotdrücker vorgeht,

würde mich interessieren........oder doch nicht, es wäre zu traurig......für sie

samro
11
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ich kann es mir nur bei denen vorstellen

die sich yum urlaubfahren oder aehnliches impfen liesen.
und natuerlich versuchen die querdenker die geimpften umzudrehen.
aber klar wird die mehrzahl den booster nehmen. aus logik, den die mehrheit hat.

Kathrin1009
1
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Tatsächlich

habe ich einige Menschen in meinem Umfeld, die die dritte Impfung verweigern, weil sie nach der zweiten mit einigen "Nebenwirkungen" zu kämpfen hatten. Kann verstehen dass man dann dem ganzen kritisch gegenüber steht.

mobile49
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sehr verdient

herzlichen grückwunsch

komplexe zusammenhänge -
schwer erklärbar , aber ihm ist es gelungen , es für die allgemeinheit trotzdem weitreichend verständlich darzulegen
punkt

Leberknoedel
39
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Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass einige dieser Experten

ihre Aussagen auch in Hinsicht einer Verlängerung der lukrativen Tätigkeit als Experte tätigen.

Zitat: "Die Variante an sich ist nicht mild." Sie werde lediglich durch die insgesamt höhere Immunität in der Bevölkerung weniger gefährlich,

Zitat Ende

Frage: Wieso hat dann als Erstes die südafrikanische Expertin von einem milden Verlauf gesprochen? In einem Land mit einer Impfquote von knapp 30%?

kukuro05
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weil Afrika eine vergleichsweise sehr junge Bevölkerung hat...

....Europa eine überalterte Gesellschaft!

Hier hätte man ansetzen müssen. Vereinzelt würde eh darauf hin gewiesen, aber das Gelabere der Medien hat diese Hinweise natürlich übertönt!

FRED4712
3
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Du glaubst doch nicht im Ernst,

dass Wissenschaftler dieses Formats an Geld denken, wenn sie ihre Erkenntnisse verlautbaren.....wer soll größere Summen zahlen? der BK?.....frag dich lieber, welche Motive Politiker und andere Figuren haben, wenn sie das Impfen schlechtreden.....in ARTE gab es kürzlich eine Sendung, wo es um einen Hauptprofiteur aus GB ging, der jahrelang erzählte, dass Autismus bei Kindern von der Impfung gegen Masern kommt.....nachdem Masern WEGEN der Impfung praktisch nicht mehr existent war, kam dem Mann Corona gerade recht.....jetzt ist DIESE Impfung schuld am Autismus......intelligente Menschen erkennen das perfide System.....übrigens, der mann verdient natürlich prächtig damit......Bücherverkauf, Vorträge und Verkauf von BLEICHMITTEL!!! gegen Autismus.......muss man noch erklären, was Kickl (Herr lass ich weg) antreibt????

mobile49
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antwort :

weil südafrika eine extrem hohe "durchseuchungsrate" aufweist .
alles klar ?

Leberknoedel
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Durchseuchungsrate

Das ist das, vor dem wir uns hierzulande fürchten? Mit 70% Geimpften?

mobile49
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@Leberknödel

südafrika hat eine sehr junge bevölkerung - extrem viele menschen , die nun über 50 jahre alt wären , sind vor 20-30 jahren an AIDS verstorben .
dagegen hat europa eine sehr hohe alterspyramide .
dadurch waren die ursprünglichen massen-infektionen der bevölkerung in südafrika an der durchseuchung "schuld"

Leberknoedel
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Ok, mag alles mit ein Grund sein

Aber schau dir mal die Impfquote unserer Alten an. Wir sind bei 90%

Jetzt sind eh schon so viele geimpft, vor allem in den gefährdeten Gruppen und trotzdem hat man so eine Angst??

samro
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alter der bevoelkerung

beruecksichtigen waere ein hinweis!

Unzufriedener
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mobile49

Und wir so eine hohe Durchimpfungsrate haben ist es bei uns gefährlicher oder wie ? Dann ist impfen auch falsch ?

mobile49
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@Unzufriedener

wie kommst du zu dieser annahme ?

impfen ist alternativlos !!

wenn man natürlich die demonstrationen zu seinen gunsten nützen will , ist man natürlich gegen die impfung - so will man das sinkende blaue schiff auf eine "sandbank" lenken - und den wählern wird dieser sand per "kicklschraube" direkt ins auge gestreut

samro
5
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schaun nach italien

dann geht ihnen vielleicht ein lichterl auf!

mobile49
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@Unzufriedener

milde form bei 3x geimpften und genesenen( in südafrika meist schon 2x genesen) + geimpft
eher keine milde form bei ungeimpften personen

was ist da falsch zu verstehen ?
nur so eine kleine , unschuldige frage

Leberknoedel
13
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eher keine milde form bei ungeimpften personen

Woher hast du dieses Wissen?

Nur so eine kleine, unschuldige Frage

mobile49
9
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@Leberknödel

unter anderem , immer mehr spitalseinweisungen von kindern , die bisher eher mit leichten bis keinen symptomen betroffen waren - und diese sind bekanntlicherweise eher ungeimpft

ergo - eher keine milde form bei ungeimpften

bitte gerne

ego cogito ergo sum
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@mobile49

Sie schwurbeln hier in jedem ihrer Kommentare herum, als hätten sie's erfunden! Bringen sie Fakten!

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https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.12.30.21268495v1

Eine erste Studie zum Risiko für die Inanspruchnahme von Notfallambulanzen oder für Krankenhausaufnahme unter Omikron verglichen mit Delta zeigt auch für ungeimpfte Kinder unter 5 Jahren ein deutlich verringertes Risiko:

Das Risiko einer Ambulanzvorstellung betrug nicht einmal ein Fünftel, das einer Krankenhausaufnahme in etwa ein Drittel des Risikos unter Delta: "In children under 5 years old, the overall risks of ED visits and hospitalization in the Emergent Omicron cohort were 3.89% and 0.96% respectively, significantly lower than 21.01% and 2.65% in the matched Delta cohort (RR for ED visit: 0.19, 95% CI: 0.14-0.25; RR for hospitalization: 0.36, 95% CI: 0.19-0.68). Similar trends were observed for other pediatric age groups (5-11, 12-17 years), adults (18-64 years) and older adults (>= 65 years)."

 
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