Streit gesuchtKampfsportler prügelte Burschen bewusstlos: Zwei Jahre Haft

Ein Kampfsportler (18), der drei Burschen bewusstlos geschlagen hat, wurde am Montag in Wien zu zwei Jahren Haft verurteilt. Offenbar hatte der Bursche bewusst gewalttätige Auseinandersetzungen gesucht.

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Sujetfotos Landesgericht Klagenfurt Dezember 2019
Symbolbild © Markus Traussnig
 

Ein 18-jähriger Kampfsportler, der vor Lokalen bewusst gewalttätige Auseinandersetzungen gesucht und dabei drei Burschen bewusstlos geschlagen hatte, ist am Montag am Landesgericht zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Sechs Monate wurden unbedingt ausgesprochen, den Rest bekam der tschetschenisch stämmige Angeklagte bedingt nachgesehen. Das Urteil wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung, gefährlicher Drohung und schwerer Nötigung ist rechtskräftig.

Der 18-Jährige betreibt seit vielen Jahren Kampfsport und hat schon als 14-Jähriger seine ersten Mixed Martial Arts (MMA)-Kämpfe absolviert. Er war in seiner Jugend österreichischer Meister in seiner Altersklasse.

Der erste prozessgegenständliche Vorfall spielte sich am 15. Februar 2020 vor einem bei der Jugend beliebten Club am Wiener Gürtel ab. Der Angeklagte ging mit Faustschlägen und Fußtritten gegen einen 16-Jährigen sowie einen 17 Jahre alten Burschen los, wobei er beide k.o. schlug. Als die Jugendlichen wieder zu sich kamen, wurden sie vom 18-Jährigen und dessen - nicht ausgeforschten - Begleitern gezwungen, in ein Auto zu steigen. Sie sollten auf den Kahlenberg gebracht werden, wo man sie vermutlich weiter misshandeln und demütigen wollte. Weil sich einer der zwei im Auto übergeben musste, ließ man von diesem Vorhaben ab.

Die Betroffenen erlitten Prellungen und Hautabschürfungen. Bei einem der beiden trat zudem eine Hörminderung auf, dem zweiten machten vor allem die psychischen Folgen zu schaffen. Noch Monate später traute er sich nicht mehr aus dem Haus und verlor aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung auch seinen Job.

Obwohl gegen den Kampfsportler bereits ermittelt wurde, schlug er am 3. Juli 2020 neuerlich zu. Diesmal suchte er ohne ersichtlichen Grund vor einem Innenstadtlokal die Konfrontation mit einem 19-Jährigen und dessen Freunden. Der 19-Jährige bekam zunächst einen Faustschlag ins Gesicht verpasst und wurde dann auf die Straße gestoßen, worauf ihn ein vorbeifahrendes Auto touchierte. Obwohl er bereits am Boden lag und das Bewusstsein verloren hatte, kassierte er weitere Schläge und Tritte, ein Freund, der ihm helfen wollte, wurde ebenfalls verprügelt, wobei der 18-Jährige von einem mitangeklagten Begleiter - 19 Jahre alt und ebenfalls MMA-Kämpfer - unterstützt wurde. Der Verletzte musste mit einer Kopfprellung, Prellungen und Abschürfungen, einem Knochenmarksödem im Schienbein und einer Flüssigkeitsansammlung in den Weichteilen im Spital behandelt werden. Er war im Anschluss einen Monat im Krankenstand, hatte Schlafprobleme und war wegen Schmerzen im Knie sowie einem Taubheitsgefühl bis September im Behandlung.

Kommentare (4)
Henry44
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Nach Verbüßung der Strafe ab nach Hause!

Noch besser heilsamer für solche Gewalttäter wäre die Strafverbüßung gleich in Tschetschenien.

Ifrogmi
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hörminderung....posttraumatische belastungsstörung ...job verloren...knochenmarksödeme usw.

und der täter?
6 monate unbedingt? ernsthaft?

Peterkarl Moscher
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Wahrheit tut weh !

Ja und wieder ein Gast der die österreichische Gastfreundschaft falsch verstanden
hat. Wann greift die Politik endlich durch ?

HRGallist
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Streit gesucht

Warum kann man diese gesellschaftlich wertvollen „Muskelhirne“ nicht so nachhaltig „verknacken“, dass sie am Abend vor lauter Muskelkater ins Bett fallen und am nächsten Tag unter entsprechend „muskulöser Fachaufsicht“ wieder ihre ganze Kraft für Holzfällen oder entsprechende energiereiche Arbeit einsetzen müssen. Im Häf‘n lernen sie eher das Gegenteil eines „sozialisierten“ Verhaltens.