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Ost-LockdownEpidemiologe Gartlehner sicher: "Osterruhe" wird in längeren Lockdown münden

Für den Epidemiologen Gerald Gartlehner kommen die Maßnahmen in der Ostregion zu spät und werden zu einem längeren Lockdown im April führen. Der werde dann auch andere Bundesländer betreffen, glaubt er.

Epidemiologe Gerald Gartlehner
Epidemiologe Gerald Gartlehner © APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
 

Der am Mittwoch verkündete Ost-Lockdown wird nach Meinung der Virologin Dorothee von Laer und des Epidemiologen Gerald Gartlehner wahrscheinlich nicht reichen, um eine echte Trendwende auf den überlasteten Intensivstation zu bringen. Gartlehner kritisierte im APA-Gespräch, dass die Maßnahmen zu spät kommen und zu kurz dauern. Eine Spur zuversichtlicher indes Von Laer: "Ob das ausreicht, bezweifle ich. Wahrscheinlich reicht es nicht aus. Aber vielleicht haben wir ja Glück".

Er geht davon aus, dass wir nach dem Oster-Lockdown vom 1. bis 6. April nahtlos in einen längeren übergehen und den April im Lockdown verbringen. "Diese fünf, sechs Tage sind eine homöopathische Dosis, das wird die Infektionszahlen nicht nachhaltig ändern."

Der Epidemiologe kann dem Ganzen aber auch etwas Positives abgewinnen: "Zumindest ist die Realität anerkannt worden. Am Montag hat man noch geglaubt, dass nichts passiert." Die Politik könnte aber "gleich mit offenen Karten spielen" und die unangenehme Wahrheit sagen, "dass es sich mit fünf bis sechs Tagen nicht ausgehen wird", so der Experte für Evidenzbasierte Medizin von der Donau-Universität Krems.

Gartlehner warnt auch davor, dass die kritische Situation nicht auf die Ostregion beschränkt belieben werde. Im Tirol sei man jetzt dort, wo Wien vor zwei bis drei Wochen war. "Früher oder später wird überall die gleich Situation eintreten." Ähnlich hatte es bereits Wiens Bürgermeister Michael Ludwig im Ö1-Morgenjournal formuliert. Er meinte, dass wahrscheinlich "sehr bald" auch andere Bundesländer die nun getroffenen Maßnahmen für die Ostregion mittragen werden müssen.

"Mit hohen Zahlen in den Frühling"

Erleichterungen erwarte er erst in drei Monaten, Ende Juni, wenn ausreichend Menschen immunisiert seien und wenn nichts dazwischen komme. "Wir gehen mit enorm hohen Zahlen in den Frühling." Die Lage sei daher ganz anders als letztes Jahr.

"Eher spät und eher kurz" - so beurteilte Virologin Von Laer im APA-Gespräch die Maßnahmen inklusive Kurzzeit-Lockdown für die Ostregion zu Ostern. Es sei zu hoffen, dass die Menschen bereits in der Woche bis Ostern die Warnungen ernst nehmen und sich entsprechend verhalten. Nach der geplanten Aufhebung des Lockdowns sei aber davon auszugehen bzw. sei zu befürchten, dass die Zahlen wieder ansteigen und man auch in den Intensivstationen der Krankenhäuser wieder an die Kapazitätsgrenzen gelange.

Von Laer: Andere Bundesländer müssen achtsam sein

Einen Lichtblick bzw. möglichen Auswege aus der verfahrenen Situation ohne Verlängerung des Lockdowns nach Ostern sah Von Laer jedoch: Sollten Maßnahmen wie die auf alle Innenräume ausgeweitete FFP2-Maskenpflicht sowie die Betriebstestungen eingehalten werden, könne man vielleicht mit Glück auch so - "ohne das wirtschaftliche Leben groß einzuschränken" - bis Ende Mai "durchkommen". Denn bis dahin würden wohl die Impfungen signifikant fortgeschritten sein und wirklich die Normalität sich wieder Bahn brechen.

Nicht aus dem Schneider sah Von Laer auch die übrigen Bundesländer. Denn auch dort würden die Infektionszahlen wegen der Briten-Mutante derzeit steigen. Schließlich wisse man auch, dass sich die Infektionen auf den Intensivstationen gewöhnlich mit einer Verzögerung von drei bis vier Wochen bemerkbar machen.

Dass ähnliche Maßnahmen wie im Osten notwendig werden, hielt Von Laer für "nicht unwahrscheinlich", aber prognostizieren könne man dies nicht. Den übrigen Bundesländern könne der Faktor Zeit bzw. das hoffentlich bald Fahrt aufnehmende Impftempo helfen. "Aber auch sie müssen weiter sehr achtsam sein", meinte die Virologin und mahnte Maßnahmen wie intensives Contact-Tracing ein. Bei Letzterem seien vor allem Tirol und Vorarlberg sehr gut unterwegs.

Kommentare (25)
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beobachter2014
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Rechnung

Wenn ich richtig gerechnet habe, sind jetzt 516 Intensivbetten durch Corona belegt. Im November 2020 waren es 805! Da ist das Gesundheitssystem auch nicht zusammen gebrochen! Warum jetzt diese Panik?

scionescio
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"Die Politik könnte aber "gleich mit offenen Karten spielen" und die unangenehme Wahrheit sagen, "dass es sich mit fünf bis sechs Tagen nicht ausgehen wird", so der Experte"

Das wird es unter dem Herrn Kurz nie geben - er hält die Österreicher für dumm genug, dass sie seine Unfähigkeit nicht durchschauen und bis zur nächsten Wahl schon wieder vergessen haben, was er ihnen angetan hat.

Es ist verheerend in so einer Sizuation einen Kanzler zu haben, der sich vor jeder unpopulären Entscheidung drückt und so lange zuwartet, bis es kaum mehr hilft und sich dafür ewig hinzieht.

Herrn Kurz haben wir es zu verdanken, dass wir nicht nur die Wintersaison abschreiben können, sondern auch den Sommer in einem Halbschlaf-Lockdown verbringen werden - so ziemlich die schlechteste aller Möglichkeiten!

kukuksei
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Nein, entschiedenes Nein!

Wir haben das alles den unverschämten Mitmenschen zu verdanken die auf alle Maßnahmen pfeifen!

scionescio
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@kukuk: und wer ist dafür zuständig, dass die unverschämten Mitmenschen sanktioniert werden?

Aus purer Angst, in der Bevölkerung unbeliebt zu werden, wird die Einhaltung der Maßnahmen nicht überwacht.

Wie viele würden sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, wenn klar ist, dass die Einhaltung nicht kontrolliert wird und auch keine Strafen ausgesprochen werden?

kukuksei
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Ja!

Da haben Sie natürlich vollkommen Recht!
Dummheit der Bevölkerung und Feigheit der Politik ist der Cocktail aus dem die Misere hervor geht!

tubaman58
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Schuldzuweisungen

Bei genauem Nachdenken sollte man draufkommen, dass eigentlich der Virus an der Pandemie schuld ist.

Toyota11000
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Gastronomen

verkauft weniger schwarz, dann gäbe es ev. höhere Hilfszahlungen.
Würd auch gern mein Gehalt schwarz ausbezahlt bekommen.....nur so ein Denkanstoß.

Lodengrün
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Ich habe da zwei Beispiele

Gleiche Branche. Einer machte 10% ohne Rechnung, der andere gut die Hälfte. Jener der so viel schwarz gemacht hat, bekam natürlich fast nichts und musste jetzt seinen Laden schließen. Und das ist kein Einzelfall.

Stefan123
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Experten?

Oder Totengräber der Wirtschaft?
All jene die von den Ausfällen nicht betroffen sind haben leicht zu reden und zu fordern!
Der Schaden der vielen kleinen Unternehmen entsteht ist aber enorm!

gonzolo
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Ja – diese Mär aus der Wirtschafts-Jammerbox kennen wir ja …

und dann gibt´s da wieder so eine blöde Empirie, die dieses Weinen auf Knopfdruck in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.
Denn noch nie gab es in Österreich so wenige Konkursanträge, wie im letzten Jahr (befindet sich auf Niveau der Hochkonjunktur-70er-Jahre!)

Böse Zungen behaupten ja, dass dies etwas mit den Corona-Hilfspaketen zu tun hätte?! … Aber es gibt ja keine Betriebe, die selbst in Krisen die Gunst des Chaos ausnutzen. Ginge sich ja auch rein zeitlich nicht aus – denn entweder man weint gerade – oder man ist grad beim Golfen in Südafrika …

Stefan123
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Sie haben wirklich wenig Ahnung von Wirtschaft

und sind sicher nicht davon betroffen!
Die Konkursverschleppung hat diese Bundesregierung zu verantworten.
Es gibt derzeit massive Steuerstundungen, welche die Konkurse verschleppen.
Ja, wenn man einen Job hat und nicht betroffen ist, kann nach dem Floriani Prinzip geurteilt werden!

gonzolo
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Ich weiß,

dass es diese und jene gibt, Stefan – und du weißt es auch.
Und ich weiß, dass es bei den existenziell Betroffenen diese und jene gibt – und du weißt das auch.
Und ich weiß, dass es diese und jene positiv Betroffenen gibt – und du weißt das auch.
Und ich weiß, dass es Unternehmer gibt, die Arbeitnehmer auf Kurzarbeit gemeldet haben – diese aber Vollzeit arbeiten lassen – den Kurzarbeitsausgleich die öffentliche Hand bezahlen lassen – und überflüssige Arbeitnehmer in die Arbeitslose schicken …

Und ich weiß auch, dass es kaum eine vergleichbare sozialpartnerschaftliche Corona-Unterstützung für Betriebe und Arbeitgeber gibt, wie in Österreich. In den meisten anderen Ländern sterben Betriebe einfach – bis auf jene Big-Player, die im politischen Netzwerk integriert sind.

Interessant wird das werden, wenn man dann, wenn diese verda…. Pandemie hoffentlich einmal vorüber sein wird, sich die Geldflüsse einmal genauer anschauen wird …

eston
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Erfahrung des täglichen Lebens

Für diese Feststellung braucht man keine Experten - dass Zahlen steigen und nöchster Lockdown kommen wird kann sich schon jeder selbst ausrechen

Bootsfahrer
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Rendi Wagner warnt seit Wochen

Beachtlich : Die einzige österreichische Politikerin die - gegen den Mainstream- bereits vor Wochen gegen Lockerungen gestimmt und gewarnt hat wird todgeschwiegen .
Eine sachliche qualifizierte Haltung ist halt chancenlos wenn demgegenüber mehr als 200 Werbemillionen der Regierung stehen .
Oh du mein Österreich

Moulinegarn
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Mag ja sein

Sie mag ja Recht haben. Wir können aber nicht immer nur zusperren. Wäre dafür, dass es für größere Firmen Testpflicht gibt. Bei uns stecken sich viele während der Arbeit an.

erstdenkendannsprechen
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naja - trotz tests und strengen regeln gibt es auch viele fälle an schulen.

testen ist kein allheilmittel. es kann nur feststellen, was schon da ist und eine weiter ausbreitung nur zum teil verhindern.
hätt man aber vor 14 tagen streng zugemacht - hätten wir schon wieder offen, und der schaden wär geringer als er jetzt werden wird.

tomtitan
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Kein Wunder wenn die Zahlen nach oben schnalzen - es halten sich immer weniger an die Maßnahmen

dabei wär's so einfach - aber für einfache Geister scheinbar schon zu schwer...

DavidgegenGoliath
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Man kann es nur als Unfähigkeit bezeichnen,

wenn nach einem Jahr Corona, einen nichts anderes einfällt als der Lockdown!

gonzolo
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Ja genau, DaviGol …

deshalb heben wir jetzt die Gravitation auf – und dann fliegen die Viren einfach ins Weltall und schwirren dort durch Raum und Zeit.

Du musst dann aber aufpassen, denn das ist offenbar auch dein Kosmos …

Hausverstand100
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Und?

Was wäre dein konstruktiver besserer Vorschlag?

rehlein
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Davida,

was würden Ihnen denn einfallen, um schnell und effektiv die Intensivpatientenzahlen zu senken?

Ich frage mich tagtäglich warum man Sie noch nicht in den Beraterstab der Regierung geholt hat....

HansWurst
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Böser

Dativ!

musikus
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Vorschlag

kann er einen bessere Lösung vorschlagen ?

kog1
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Doch, impfen...

wann denkst du, dran zu sein?

checker43
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Was

anderes wirkt nun mal nicht bei einer Infektionskrankheit.