Natur des Jahres 2021Von Alien bis Ritterling: Die Natur im Blickpunkt

In knapp zwei Monaten ist Frühlingsbeginn. Zeit, die Natur des Jahres 2021 einmal vor den Vorhang zu holen.

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Marienkäfer als Alien des Jahres © Naturschutzbund/Wolfgang Schruf
 

Nein, E.T. und Co. sind nicht gemeint, wenn vom Alien des Jahres die Rede ist. Es handelt sich um den tierischen Ankömmling des Jahres, das Neutier, zu dem heuer der Asiatische Harlekin-Marienkäfer ausgewählt wurde.

Alle Jahre wieder suchen Experten vor Jahresbeginn und auch noch im Laufe des Jahres Tier- und Pflanzenarten aus, die in den Blickpunkt gestellt werden sollen. „Die Initiative ist total auf Bewusstseinsbildung ausgerichtet“, betont Dagmar Breschar vom Naturschutzbund Österreich. Ziel der „Natur des Jahres“ sei es, verschiedene Arten auf einfache Weise vorzustellen, Interesse zu wecken für die Natur. „Gleichzeitig sind viele Arten auch Botschafter für Themen, die Blume des Jahres 2021, der Große Wiesenknopf, steht für Feuchtwiesen, die immer weniger werden“, betont Breschar. Die Infos kommen bei der Bevölkerung laut Naturschutzbund ausgesprochen gut an, was die vielen Rückmeldungen zeigen.

Die Initiative „Natur des Jahres“ gibt es in Deutschland bereits seit 1970, als der Graureiher zum Vogel des Jahres gewählt wurde. Mehrere Jahre lang galten die in Deutschland ausgesuchten Tierarten auch für Österreich. Bis man Mitte der 1990er-Jahre damit begann, für Österreich – zumindest fallweise – eigene Arten zu bestimmen. „Der Naturschutzbund war die erste Organisation, die mit einem Insekt des Jahres, dem Wiener Nachtpfauenauge, damit begann“, weiß Dagmar Breschar zu berichten.

Tiere und Pflanzen: Natur des Jahres 2021

Alien des Jahres

Der Asiatische Harlekin-Marienkäfer erobert die Welt. Weil er enormen Appetit auf Blattläuse hat, wurde er bewusst weiterverbreitet – zur Schädlingsbekämpfung.

Naturschutzbund/Wolfgang Schruf

Tier des Jahres

Nicht nur putzig, sondern in Europa auch gefährdet ist der Siebenschläfer. Sein Lebensraum wird durch Förderung monotoner Fichtenwälder und Siedlungsbau immer kleiner.

Naturschutzbund/Pixabay

Nutztier des Jahres 1

Die Deutsche Pute teilt sich den Platz mit einer weiteren Nutztierart (siehe nächstes Bild). In Österreich sind die drei Farbschläge Blaue, Bronzefarbige und Cröllwitzer Pute hochgefährdet.

Naturschutzbund/Ecker

Nutztier des Jahres 2

Das Krainer Steinschaf ist eine autochthone Rasse der Julischen Alpen im Dreiländereck Kärnten, Slowenien und Friaul. Auch diese Rasse ist hochgefährdet!

Naturschutzbund/Kerstin Reichmann

Blume des Jahres

Seine Bestände sind rückläufig, sein Lebensraum ist bedroht: Mit der Wahl des Großen Wiesenknopf will der Naturschutzbund auf den artenreichen Lebensraum des extensiv genutzten Grünlandes aufmerksam machen.

Finanzfoto - stock.adobe.com

Pilz des Jahres

Auch der Halsband-Ritterling wurde von der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft ausgesucht, weil er vom Aussterben bedroht ist. Der Pilz gedeiht nur in naturbelassenen Föhrenwäldern.

Naturschutzbund/KF Reinwald

Baum des Jahres

Das Kuratorium Wald wählte gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium die Sommer- und die Winterlinde als Baum des Jahres aus.

Kuratorium Wald

Vogel des Jahres

Für die Vogelschutzorganisation „BirdLife“ ist der Vogel des Jahres „ein kleiner Fink mit großen Problemen“. Der Bestand des Girlitz nahm in 20 Jahren um 80 Prozent ab.

Naturschutzbund/Schweighofer

Moos des Jahres

Das Sparrige Kranzmoos ist ein häufiges Moos in feuchten oder frischen Wiesen, meidet aber stark luftverschmutzte Stadtgebiete.

Naturschutzbund/C. Berg

Streuobstsorte des Jahres

Mit der „Streuobstsorte des Jahres“ wird eine Sorte stellvertretend für alle gefährdeten Obstarten ins Rampenlicht gerückt. 2021 ist es die Achatzlbirne.

Naturschutzbund/Bernkopf

Reptil des Jahres

Der Zauneidechse gelang es an zwei Jahren hintereinander Reptil des Jahres zu werden - nach dem "verlorenen" Coronajahr soll sie erneut in den Fokus des Artenschutzes rücken.

Naturschutzbund/DGHT Meyer

Wassertier des Jahres

Die Bestände der Äsche nehmen in Österreich deutlich ab, der einst weit verbreitete Fisch wird inzwischen auf der Roten Liste als gefährdet geführt.

Naturschutzbund/Christa Hochpöchler

Insekt des Jahres

Mit der Dänischen Eintagsfliege wird erstmals ein Vertreter einer Insektengruppe als „Insekt des Jahres“ ausgewählt, die mit rund 140 bekannten Arten in  Mitteleuropa zu den vergleichsweise artenarmen gehört.

Naturschutzbund/Wolfgang Kleinsteuber

Spinne des Jahres

Der Zweihöcker-Spinnenfresser gehört zu einer Spinnenfamilie, die weltweit 154 Arten zählt - in Europa sind zehn Arten bekannt.

Naturschutzbund/Sabine Schmitz

Fledermaus des Jahres

Die Mopsfledermaus wurde zur „Fledermausart des Jahres 2020+2021“ gewählt. In den meisten europäischen Ländern, darunter Österreich, gilt sie als selten und gefährdet.

Naturschutzbund/Josef Limberger
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Aus einem Schmetterling wurde mittlerweile ein ganzes Konvolut an Tieren und Pflanzen, die von einem ganzen Gremium an Organisationen alljährlich ausgewählt werden. Eine genaue Anzahl von Kategorien gibt es nicht, da werde je nach Bedarf gehandelt. Doch neben dem Naturschutzbund arbeiten bei der Auswahl derzeit mit: BirdLife Österreich, Batlife Europe, die Österreichische Mykologische Gesellschaft (für Pilze), die Österreichische Gesellschaft für Herpetologie (für Reptilien), die Arge Streuobst, die Arche Austria (Verein zur Erhaltung seltener Nutztierrassen), das Naturhistorische Museum Wien, die Arachnologische Gesellschaft (für Spinnen), der Fischereiverbund, die Österreichische Entomologische Gesellschaft (für Insekten) und die Malakologen (für Weichtiere) der Universität Salzburg.

Warum Österreich seit Jahren sich nicht an Deutschland orientiert, sondern seine eigene „Natur des Jahres“ bestimmt, liegt auf der Hand. „Regionale Besonderheiten sind für die Wahl ausschlaggebend. Dabei geht es aber nicht immer nur um regional vorkommende Arten, sondern auch um regionale Gefährdungen oder Aktualität“, erklärt Naturschutzbund-Sprecherin Dagmar Breschar. Deshalb könne es schon vorkommen, dass ein und dasselbe Tier in Österreich das Tier des Jahres ist und ein paar Jahre später dann in Deutschland oder der Schweiz.

Bestes Beispiel dafür ist der Wolf: Bereits 2003 war er in Deutschland das Tier des Jahres, 2017 dann auch bei uns in Österreich. „Das war der Aktualität geschuldet.“ Denn damals tauchte er wieder und gleich vermehrt in den österreichischen Wäldern auf.

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