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OberösterreichMutmaßlicher Mordversuch mit Fleischmesser "blöd passiert"

Das Opfer konnte sich trotz einer zugefügten Stichwunde vorstellen, die Beziehung zu der Frau aufrechtzuerhalten.

PROZESS WEGEN MORDVERSUCHES I LINZ
© (c) APA/VERENA LEISS
 

Eine 45-Jährige, die im Herbst 2019 in Haslach ihren Freund mit einem Fleischmesser schwer verletzt haben soll, hat sich am Montag wegen Mordversuchs vor dem Landesgericht Linz verantworten müssen. Die Frau leugnete die Tat und behauptete, der Mann habe sich die Verletzung wohl selbst zugefügt. Er belastete zwar seine Freundin, hielt aber auch einen Unfall - "es ist blöd passiert" - für möglich.

Das Paar hatte sich in einem Nachtlokal in Tschechien kennengelernt, wo die Frau nach Angaben des Opfers als Prostituierte gearbeitet hatte. Beide hätten laut Staatsanwaltschaft dem Alkohol regelmäßig zugesprochen und es sei auch immer wieder zu gegenseitigen Handgreiflichkeiten gekommen. Dennoch wollte man heiraten. Die Frau habe laut Staatsanwältin einen gewissen "Zeitdruck" bezüglich Hochzeit gehabt, weil ihr Visum abzulaufen drohte.

Am 16. Oktober des Vorjahres gab es in der Wohnung des Mannes in Haslach (Bezirk Rohrbach) offenbar Streit um den Alkoholkonsum des Mannes. Die Frau soll ihm einen Stoß versetzt haben, er ihr eine Ohrfeige. Dann habe sie, wie die Staatsanwältin ausführte, ein Fleischmesser mit einer 21 Zentimeter langen Klinge sowie ein kleines Messer aus dem Messerblock in der Küche genommen, ihm die große Klinge in den Bauch gerammt und mit dem kleinen Messer eine leichtere Verletzung am Rücken zugefügt. Laut Zeugen, die ihm später zu Hilfe kamen, habe er immer wieder geschrien: "Die Sau hat mich abgestochen!" Zur Tatzeit hatte das Opfer 1,4, die Angeklagte 2,38 Promille Alkohol im Blut.

Versicherungsbetrug?

Die Beschuldigte bestreitet die Tat. In ihren bisherigen Aussagen behauptete sie, der Mann sei im Streit mehrmals aus der Wohnung gelaufen und jeweils nach einigen Minuten wieder zurückgekommen. Beim letzten Mal habe er dann einen Messerstich im Bauch gehabt. Sie glaube, dass er sich den selbst zugefügt habe, um Geld aus einer Versicherung zu kassieren. Vor Gericht änderte sie ihre Geschichte nochmals: Sie habe kurz das Bewusstsein verloren. Als sie wieder zu sich gekommen sei, habe ihr Freund die Stichwunde gehabt und es sei ein weiterer Mann in der Wohnung gewesen. Sie vermute, dass ihr Lebensgefährte ihr ein Narkosemittel untergejubelt habe, denn sie könne sich weder ihre starke Alkoholisierung noch den Nachweis von Barbituraten in ihrem Harn erklären.

Das am Nachmittag zu Wort gekommene Opfer konnte wenig Licht in die Causa bringen. Der Mann bestätigte zwar, dass die Frau das Messer geführt habe. An die genauen Details - vor allem auch an die Frage, ob sie gezielt zugestochen hat oder ob es sich auch um einen Unfall gehandelt haben könnte - konnte er sich nicht mehr erinnern. Schließlich meinte er, es könnte einfach "blöd passiert" sein. "Sie wollte das nicht machen. Es war eine blöde Geschichte." Der Mühlviertler stellte allerdings in Abrede, dass er sich den Stich zugefügt haben könnte und dass er der Frau Barbiturate untergemischt habe, wie diese behauptet hatte. In einer früheren Einvernahme hatte er geäußert, er könne sich vorstellen, die Beziehung zu der Frau aufrechtzuerhalten.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Für diesen Tag ist auch das Urteil geplant.

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