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WienAngeblicher Mordauftrag durch Anwalt: Belastungszeuge vor Gericht

Der 50-jährige Automechaniker blieb jedoch am Dienstag bei seinen Behauptungen.

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Im Wiener Straflandesgericht hat sich am Dienstag ein Belastungszeuge wegen Verleumdung verantworten müssen, weil er behauptet hatte, ein Anwalt hätte ihm einen Mordauftrag erteilt. Die Ermittlungen gegen den Advokaten wurden im vergangenen Jahr eingestellt, der Zeuge galt als unglaubwürdig. Der 50-jährige Automechaniker blieb jedoch am Dienstag bei seinen Behauptungen.

Der Wiener Rechtsanwalt wurde kurz vor Ostern 2018 wegen versuchter Bestimmung zum Mord in U-Haft genommen. Laut dem Belastungszeugen soll er ihm den Auftrag erteilt haben, einen Mann aus dem Weg zu räumen bzw. dessen Tochter zu entführen, weil dieser ihm in einem gegen den Advokaten anhängigen Betrugsverfahren um ein gefälschtes Testament als Zeuge gefährlich werden könnte. Die Staatsanwaltschaft erhob sogar Anklage, der Behörde kamen jedoch aufgrund neuer Beweise Zweifel am inkriminierten Mordauftrag auf. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt.

Der Anwalt hatte behauptet, mit dem Automechaniker, mit dem der Anwalt seit bald 30 Jahren bekannt ist und in geschäftlicher Verbindung stand, hätte es finanzielle Unstimmigkeiten gegeben. Es sei zu einem Streit gekommen, worauf der Bulgare das angebliche Mordkomplott aus dem Hut gezaubert hätte, um sich an seinem Geschäftspartner zu rächen. Der Rechtsvertreter ist allerdings kein unbeschriebenes Blatt. Er saß bereits wegen Betruges im Gefängnis und wurde dadurch von der Kammer mit einem Berufsverbot belegt.

"Ich hatte eine sehr enge Freundschaft mit ihm", erzählte der 50-Jährige am Dienstag Richter Stefan Renner. Ende 2017 sei der Anwalt öfter zu seinem Freund in die Werkschaft gekommen und habe ihm Probleme "mit einem Zuhälter" erzählt. "Der gehört weg. Der muss verschwinden. Der darf nicht gegen mich aussagen", berichtete der Bulgare über die Vorkommnisse. Für die Durchführung der Tat hätte er Leute aus Bulgarien finden sollen. "Er hat gewusst, was ich früher gemacht habe", sagte der Automechaniker. "Was haben Sie gemacht", fragte der Richter. "Ich war beim KGB", meinte der Angeklagte. Er habe Kontakt zur bulgarischen Mafia.

Killerdienste

Im Dezember 2017 habe ihm der Anwalt sogar 10.000 Euro überreicht. Laut dem Angeklagten handelte sich dabei um die Bezahlung für die Killerdienste. Der Advokat habe ihm auch gesagt, wann und wo das Opfer anzutreffen sei, in einer Bar im zweiten Bezirk. Warum er nicht die Polizei informiert habe, fragte der Richter. "Ich habe das zunächst nicht ernst genommen", sagte der 50-Jährige. Weil ihm der Anwalt u.a. für Reparaturarbeiten Geld schuldete, habe er die 10.000 Euro eingesteckt.

Erst als es im Frühjahr 2018 zwischen den beiden zu Differenzen kam, weil der Automechaniker den BMW eines Bekannten nicht ordentlich reparierte und er dubiose Leute in die Werkstatt geschickt haben soll, "da hab' ich gewusst, dass er es ernst meint". Und weiter: "Ich habe Angst vor ihm." Der 50-Jährige informierte das Opfer des Mordkomplotts: "Du bist in Gefahr und möchte dich warnen", sagte der Bulgare in einem Telefongespräch. Der Bedrohte ging sofort zur Polizei.

Dass es in dem Prozess noch am Dienstag ein Urteil gibt, gilt als unwahrscheinlich. Richter Renner will noch weitere Zeugen hören und denkt über ein Schriftgutachten nach, da der Erhalt der 10.000 Euro über eine Autorechnung "quittiert" wurde.

 

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