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''Meilenstein''Ärzte dürfen ab 1. Oktober Ärzte anstellen

Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Gremien soll es ab 1. Oktober die Möglichkeit der Anstellung von Ärzten durch Ärzte in Kassenpraxen geben.

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Sujetbild Arzt © (c) Gina Sanders - Fotolia (Erwin Wodicka)
 

Österreichische Ärztekammer und Hauptverband der Sozialversicherungsträger haben ein sprichwörtlich heißes Eisen ausverhandelt. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Gremien soll es ab 1. Oktober die Möglichkeit der Anstellung von Ärzten durch Ärzte in Kassenpraxen geben. Dies gaben Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart und Hauptverbandchef Alexander Biach am Montag in Alpbach bekannt.

"Meilenstein"

Ärztekammer-Vizepräsident und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, sprach bei einer Pressekonferenz in Alpbach von "großer Freude" über die neue Vereinbarung zur Anstellung von Ärzten bei Kassen-Vertragsärzten. "Das war ein langer Wunsch. Er ist ein Meilenstein in der Versorgung."

Der Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Alexander Biach, bezeichnete den akkordierten Vertrag als "dritten wesentlichen Baustein" für die Sicherung der Kassenmedizin, speziell der allgemeinmedizinischen Versorgung der Versicherten, nach der Vereinbarung über die Finanzierung der Lehrpraxen und den Gesamtvertrag zu den Primärversorgungseinheiten. Nicht zuletzt hätte auch die Diskussion über die wachsende Zahl der Wahlärzte parallel zu den Problemen bei der Besetzung von Kassenärztestellen den Verhandlungen zusätzlichen Schub gegeben.

Damit kommt man dem Wunsch vieler junger Mediziner nach und kann unter anderem dem Landärzte-Mangel entgegenwirken.

Christopher Drexler, steir. Gesundheits-Landesrat

Sehr erfreut zeigte sich am Montag der steirische Gesundheits-Landesrat Christopher Drexler: „Ich halte es für einen wichtigen und absolut notwendigen Schritt, die Möglichkeit für Ärzte zu schaffen, andere Ärzte anzustellen. Damit kommt man dem Wunsch vieler junger Mediziner nach und kann unter anderem dem Landärztemangel entgegenwirken." Durch eine Anstellung würden sich einerseits bessere Möglichkeiten zur Weiterbildung ergeben, aber auch mehr Flexbilität im Ordinationsbetrieb. "Gerade für unsere steirischen Gesundheitszentren ist eine klar geregelte Möglichkeit zur Anstellung von Ärzten eine große Erleichterung." Er, Drexler, sei überzeugt, dass dieses Modell damit noch mehr Zuspruch erhalte.  "Die Patienten profitieren vor allem durch ausgedehntere Öffnungszeiten und noch mehr Service.“

So soll die Anstellung konkret aussehen

So soll in Zukunft die Anstellung von Ärzten bei Kassenärzten ablaufen: Die Möglichkeit gibt es für Fachärzte und für Allgemeinmediziner - jeweils als Anstellung innerhalb eines ärztlichen Faches. Auch in Gruppenpraxen und in Primärversorgungseinheiten sind solche Anstellungen erlaubt. Die Bewilligung erfolgt im Rahmen des bestehenden Kassenpraxis-Plans des jeweiligen Bundeslandes. Die Anstellung eines Arztes durch einen Vertragsarzt kann unbefristet oder befristet sein. Wenn beispielsweise Probleme bei der Besetzung einer Kassenstelle gibt oder ein sonst nicht zu deckender Bedarf an ärztlichen Leistungen in einer Region besteht, ist die unbefristete Möglichkeit einer Anstellung vorgesehen.

Die Abrechnung der Leistungen erfolgt im Rahmen des Vertrages des Kassenarztes, der einen Kollegen anstellt. Für die Ausweitung der Leistungen und damit verbundene verlängerte Öffnungszeiten der Arztpraxis mit mehr versorgten Patienten wird vonseiten der Krankenkassen für die Abrechnung entsprechend vorgesorgt, wie Hauptverbandchef Alexander Biach erklärte.

Der Kassenarzt, der einen Kollegen oder eine Kollegin anstellt, muss weiterhin maßgeblich in der Praxis tätig sein. Für eine Einzelordination ist maximal eine Anstellung im Rahmen einer Vollzeitäquivalenz möglich, in Gruppenpraxen maximal zwei Vollzeitstellen, in Primärversorgungseinheiten kann es auch darüber hinaus gehen.

Einstieg als Kassenarzt erleichtert

Steinhart und Biach betonten, dass damit auch der Einstieg in die Arbeit als Kassenarzt erleichtert werden soll. "Die Angst vor einer selbstständigen Tätigkeit wird kleiner, wenn man sie erlebt", erklärte Steinhart. Auch für Ärztinnen, die keinen Vollzeit-Job haben wollen, könne die Anstellung in einer Arztpraxis eine gute Variante werden.

Am 18. September soll der Vertragsentwurf von der Österreichischen Ärztekammer abgesegnet werden. Am 1. Oktober soll der Beschluss darüber in der Trägerkonferenz des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger erfolgen. Innerhalb der Österreichischen Ärztekammer ist man mit der Formulierung eines Kollektivvertrages die Anstellungsverhältnisse schon relativ weit, sagte Steinhart.

 

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Danke für Ihr Verständnis.

Whitesands
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Großartig!

Ich hoffe, dass "überlaufene" Fachärzte diese Möglichkeit auch annehmen (Augenärzte, Hautärzte, Internisten... ).

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stadtkater
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Das ist eine reine Frage

der Kosten-Nutzen-Rechnung!

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tintifax
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Ich begrüße dies

ABSOLUT!

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wirklichnicht
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Na endlich - willkommen in der freien Marktwirtschaft.

Wenn viel Arbeit ist, werden in so ziemlich jedem Gewerbe in Österreich neue Leute eingestellt. Der Malerbetrieb stellt Maler ein, das Einzelhandelsgeschäft stellt Verkäufer ein, aber ein Kassenarzt darf das nicht. Wenn zu viele Patienten kommen, kann er sich selbst entweder zu Tode rackern oder er jedem einzelnen Patienten die Zeit begrenzen und schlechte Qualität bieten.

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schulzebaue
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Naja

Freie Marktwirtschaft ist das Ganze ja nicht. Die Tarife werden ja von den Krankenkassen vorgegeben.

Freie Marktwirtschaft ist allerdings, wenn ich mir dann als Praxisinhaberdurchrechnen muss wie viele Patienten mein Angestellter Arzt versorgen muss damit der Praxisinhaber nicht drauf zahlt.

Und da muss ich Sie leider enttäuschen wenn Sie glauben, dass dann viel mehr Zeit pro Patient zur Verfügung steht.

Das geht sich betriebswirtschaftlich nicht aus. Ein gem. Kages Gehaltsschema angestellter Arzt muss auch mindestens 12 Patienten in der Stunde behandeln damit der Dienstgeber nicht draufzahlt.

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pkal
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"für die Abrechnung entsprechend vorgesorgt"

Die Kassen wollen für die Abrechnung entsprechend vorsorgen.
Es steht zu befürchten dass Mehrleistungen = mehr Patienten schechter
abgegolten werden.
Nach dem bewährtem Schema: Je mehr du arbeitest (Anzahl der Patienten) , desto weniger bekommst du pro Patient bezahlt.

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