AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Maßnahmen gefordertArzt nach Messerattacke außer Lebensgefahr

Der Tatverdächtige hatte im Wartebereich auf den Arzt gewartet und ein Messer gezogen, als der 64-Jährige erschien. Er wurde verhaftet, der Arzt ist außer Lebensgefahr.

WIEN: SMZ S�D - ARZT NIEDERGESTOCHEN
Kardiologische Abteilung des SMZ Süd in Wien-Favoriten © (c) APA/HERBERT-PFARRHOFER
 

Ein langjähriger Patient hat am Mittwochvormittag einem Arzt in der Herzambulanz des Wiener Sozialmedizinischen Zentrums Süd (SMZ Süd) mit einem Messer in den Bauch gestochen. Der 64-jährige Oberarzt schwebte vorübergehend in Lebensgefahr, konnte durch eine Notoperation aber stabilisiert werden. Der 33-jährige Beschuldigte wurde widerstandslos im Krankenhaus festgenommen.

Der seit 2011 im SMZ Süd in Behandlung befindliche Verdächtige habe gegen 10.00 Uhr das Spital betreten, ohne zuvor einen Termin vereinbart oder sich bei einem Schalter angemeldet zu haben, schilderte die Ärztliche Direktorin des Krankenhauses, Michaela Riegler-Keil, bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag den Hergang der Messerattacke. Er habe sich im Wartebereich der Herzambulanz niedergelassen und unauffällig verhalten. Als er den Arzt erblickte, wäre der Mann in der voll besetzten Ambulanz aufgestanden und hätte ein Messer gezückt, das er dem 64-Jährigen in den Bauch rammte. Daraufhin habe er sich wieder gesetzt und auf seine Festnahme gewartet. Diese ließ er wenig später widerstandslos über sich ergehen.

Gerhard Winkler, Leiter des Landeskriminalamts Süd, ging von einem persönlichen Motiv aus, da eine längere Beziehung zwischen mutmaßlichem Täter und Opfer bestanden habe. "Über den Auslöser der Tat können wir keine konkrete Auskunft geben", sagte Winkler. Die Vernehmungen des 33-jährigen Mannes aus Sierra-Leone waren Mittwochnachmittag noch im Gange. Nach einer Ersteinschätzung werde jedenfalls von einer Tötungsabsicht ausgegangen. Der Mann mit Asylstatus sei zuvor nicht wegen Gewaltdelikten auffällig geworden. Auch bedrohte er niemand anderen im Krankenhaus. Einziger krimineller Hintergrund seien zwei Vormerkungen wegen geringfügigen Drogendelikten, sagte der Kriminalist.

Das Motiv

Hinter einer Messerattacke im Sozialmedizinischen Zentrum Süd (SMZ-Süd) auf einen 64-jährigen Arzt am Mittwoch in Wien dürfte ein "persönliches Motiv" gestanden sein. Opfer und der Verdächtige, ein 33 Jahre alter Mann aus Sierra Leone, ein Patient des Krankenhauses, kannten einander seit längerer Zeit. Der 33-Jährige stand dort in Behandlung.

Der Verdächtige war laut dem Kriminalisten bisher wegen Gewaltdelikten nicht auffällig. 

 

Die Generaldirektorin des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV), Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, verwies darauf, dass man im Bereich des KAV zahlreiche Maßnahmen zur Gewaltprävention und zur Verhinderung solcher Ereignisse setze. "Wir werden den Vorfall gemeinsam mit der Polizei lückenlos aufklären und analysieren, ob und wie wir solche Vorfälle künftig vermeiden können", sicherte die Generaldirektorin zu. Dass es dem Oberarzt mittlerweile "den Umständen entsprechend gut" gehe, habe große Erleichterung ausgelöst. Ein Krisen-Interventionsteam kümmere sich weiterhin um die psychologische Versorgung von Mitarbeitern und Patienten. Dass ein Ärztemangel bzw. lange Wartezeiten den Angriff ausgelöst haben könnte, bezweifelte die Generaldirektorin. "Das war hier nicht ausschlaggebend. Vermischen wir das nicht", plädierte Kölldorfer-Leitgeb.

Gewalt in Krankenhäusern nimmt zu

Der Angreifer war im Juni auf der Kardiologischen Abteilung des SMZ Süd behandelt worden, gab der KAV bekannt. Der 33-Jährige wurde dabei auch einem operativen Eingriff unterzogen. Ob und inwieweit das nunmehrige Opfer der Messerattacke in die Operation einbezogen war, war vorerst noch unklar.

"Die Gewalt in Krankenhäusern hat dem Anschein nach zugenommen. Mit Daten kann ich das aber nicht belegen", sagte Harald Stefan, Trainer für Deeskalations- und Sicherheitsmanagement im Gesundheits- und Sozialbereich, bei der Pressekonferenz. Prinzipiell setzt der KAV laut Stefan seit 15 Jahren intensive Maßnahmen, um gegen Aggression gewappnet zu sein. Dabei werde auch gelehrt, heikle Situationen präventiv zu erkennen. "Derartige sehr seltene Vorfälle sind dennoch nicht zu hundert Prozent verhinderbar. Das wäre Science-Fiction", meinte der Deeskalations-Experte. Der Angriff werde nun besprochen und aufgearbeitet, um daraus zu lernen.

Grundsätzlich sei die Gewalt in Spitälern, der Ärzte und Pflegepersonal ausgesetzt sind, weiter im Steigen begriffen, gab die Ärztekammer am Mittwoch zu bedenken. Sie forderte aufgrund dessen 300 zusätzliche Spitalsärzte. Außerdem regte Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, eine Strafverschärfung in Fällen von Gewalt gegen Ärzte und Pflegepersonal an. Diese sollten in dieser Hinsicht Polizeibeamten gleichgestellt werden: "Aus Sicht der Standesvertretung sollte strafgesetzlich eine Gewalthandlung gegen einen Arzt jedenfalls immer eine schwere Körperverletzung sein.". Er appellierte an den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), nun "raschest" zu reagieren. "Es ist absolut essenziell, dass die Sicherheit von Ärztinnen und Ärzten sowie Patienten gleichermaßen sichergestellt wird", betonte Weismüller.

Kritik am KAV kam von der Wiener ÖVP und der Wiener FPÖ. Der geschäftsführende Wiener FPÖ-Landesparteiobmann und Vizebürgermeister Dominik Nepp sowie ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec bemängelten in Presseaussendungen das Fehlen eines Sicherheitskonzepts beim KAV, das der Wiener Stadtrechnungshof bereits 2015 empfohlen habe. Ärzte und Pfleger würden seit längerem über untragbare Zustände in Wiens Krankenhäusern klagen.

Alexandros Stavrou, Sprecher der Wiener Ärztekammer, erklärte im Gespräch mit der APA, dass der Ärztekammer zahlreiche Berichte über Gewalttätigkeiten in Spitälern, Ambulanzen oder Arztpraxen vorlägen. Zu diesem Thema läuft derzeit auch eine Umfrage unter der Ärzteschaft. Die Ergebnisse und ein Forderungspaket will die Ärztekammer spätestens im August präsentieren. Die Kombination aus einem Mehr an Patienten und immer weniger Ärzten stelle jedenfalls ein beträchtliches Konfliktpotenzial dar, meinte Stavrou. Die damit einhergehenden längeren Wartezeiten würden zu Aggressionen führen, die mitunter "in Schlägereien, Reibereien" münden.

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass zu diesem Artikel keine Kommentare erstellt werden können.

Forenregeln lesen