Im Großraum Innsbruck gelten seit Samstagfrüh erstmals Fahrverbote auf dem niederrangigen Verkehrsnetz, um den Durchzugsverkehr auf der Autobahn zu halten. Nach Angaben der Verkehrsabteilung der Tiroler Polizei zeigte der Großteil der Pkw- und Motorradlenker Verständnis. Allerdings war der Reiseverkehr geringer, als zuvor angenommen.
Praktisch keine Probleme
Es habe bis Samstagnachmittag praktisch keine Probleme gegeben, erklärte der stellvertretende Leiter der Verkehrsabteilung, Günther Salzmann, der APA. Die Polizei stand an zehn neuralgischen Punkten mit jeweils zwei Beamten im Einsatz. Nur vereinzelt sei es zu Debatten mit zurückgewiesenen Verkehrsteilnehmern gekommen, am Ende hätten aber alle Verständnis für die Aktion gezeigt.
Rund um die bis Mitte September an Wochenenden verordneten Fahrverbote für den Ausweichverkehr auf Landesstraßen bei Innsbruck geht der politische Schlagabtausch zwischen Bayern und Tirol weiter. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert von Deutschland die Einbringung einer Klage. Eine solche macht Tirols LH Günther Platter indes "keine Sorge", wie er gegenüber der APA erklärte. "Der Bund muss jetzt reagieren und gegen so ein Verhalten in Europa Klage einreichen", verlangte Söder gegenüber dem "Münchner Merkur" und meinte weiters: "Das Verhalten von Tirol ist diskriminierend und europarechtswidrig". Damit werde die Reisefreiheit in der EU massiv erschwert.
"Ich habe keine Sorge vor einer EU-Klage Bayerns. Es ist eine Notmaßnahme, die wir ergreifen müssen, um zu verhindern, dass durch Ausweichverkehr die Verkehrs- und Versorgungssicherheit in den Tiroler Gemeinden rund um die Autobahn zusammenbricht", konterte indes Platter. Und legte mit Kritik an Bayern nach: "Es fällt mir auf, dass die Tiroler Maßnahmen in Bayern immer wieder als Majestätsbeleidigung aufgefasst werden. Das macht für mich keinen Sinn: Wir müssen gemeinsam an der Entlastung unserer Bevölkerung arbeiten und nicht für die Frächter-Lobby."
"Navi-Ausweicher" im Visier
Es sei seine Aufgabe als Landeshauptmann, die Tiroler Bevölkerung vor "solchen Zuständen" zu schützen. "Die ersten Ergebnisse zeigen, unsere Maßnahmen haben gewirkt. Der Verkehr in den Gemeinden war um einiges besser als in den letzten Wochen", sagte der Landeschef. Betroffen von der Maßnahme sind alle sogenannten "Navi-Ausweicher", die im dichten Urlauberverkehr Staus auf der Autobahn umfahren wollen. Deshalb werden nach den Autobahnabfahrten im Großraum Innsbruck die weiterführenden Straßen für den gesamten Durchzugsverkehr gesperrt.
Tirols Vorgehen hatte heftigen Streit zwischen Bayern und Österreich ausgelöst. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder forderte in einem Interview mit dem "Münchner Merkur" (Samstag) sogar eine Klage gegen das Nachbarland. An mehreren Kontrollpunkten hatten sich Vertreter deutscher Medien eingefunden, um am Samstag die Stimmung sowohl unter den Verkehrsteilnehmern als auch unter betroffenen Anrainern einzufangen.