Nach dem Skandal um verunreinigte Babymilch-Produkte führt die EU ab Donnerstag schärfere Kontrollen für einen Inhaltsstoff aus China ein. Arachidonsäureöl aus China darf nur noch in die EU importiert werden, wenn es im Labor auf den Giftstoff Cereulid getestet wurde, wie aus einer am Mittwoch im EU-Amtsblatt veröffentlichten Entscheidung hervorgeht. Die Zollbehörden sollen die Hälfte aller Lieferungen beim Import auf das Laborzertifikat kontrollieren.

Mehrere Hersteller, darunter europäische Großkonzerne wie Nestlé, Danone und Lactalis, haben seit Dezember in mehr als 60 Ländern weltweit Säuglingsnahrung zurückgerufen. Grund war die mögliche Verunreinigung der Produkte mit dem Giftstoff Cereulid, der Durchfall und Erbrechen verursachen kann.

Die Spur führt nach Angaben der EU-Behörden nach China. Cereulid wurde ihren Angaben zufolge erstmals im Dezember in Chargen von Präparaten nachgewiesen, die Arachidonsäureöl aus China enthielten. Arachidonsäure ist ein für Säuglinge wichtiger Nährstoff, der auch in Muttermilch enthalten ist. Der Giftstoff Cereulid kann entstehen, wenn Babynahrung oder die Zutaten zu lange warmgehalten oder wiederholt aufgewärmt werden.

Fälle auch in Österreich

Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurden in mindestens sieben europäischen Ländern Fälle von erkrankten Kleinkindern gemeldet. So hat sich bei den Abklärungen von Gesundheitsministerium und Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Österreich bisher bei neun Babys der Verdacht auf eine Cereulid-Vergiftung bestätigt, erklärte das Ministerium am Nachmittag gegenüber der APA.

Die rückwirkend gemeldeten Fälle traten in mehreren Bundesländern zwischen dem 25. Dezember 2025 und dem 10. Februar auf. Drei der neun Kinder mussten vorübergehend im Krankenhaus behandelt werden. Alle betroffenen Kinder sind inzwischen wieder genesen und wohlauf, wurde betont. Das Toxin sei im Körper schwer und nur kurze Zeit nachweisbar. Deshalb stützte sich die Einschätzung nicht allein auf Laborwerte. Entscheidend sei das Gesamtbild: typische Symptome, der zeitliche Zusammenhang der Erkrankung sowie ein möglicher Kontakt mit betroffener Säuglingsnahrung.

Falls weitere Verdachtsfälle gemeldet werden, prüft die AGES auch diese. Das gilt laut Gesundheitsministerium ebenso für verdächtige Produkte und Chargen, bei denen bisher keine Belastung festgestellt wurde. Das engmaschige Testprogramm laufe vorsorglich bis April weiter. Eltern können auf der Website der AGES überprüfen, ob die von ihnen gekauften Produkte von einem Rückruf betroffen sind.

Foodwatch-Kritik an Unternehmen

Die Europäische Kommission habe gegenüber Foodwatch erklärt, sie habe die chinesischen Behörden am 12. Jänner 2026 angeschrieben und zu einem Treffen mit der europäischen Delegation eingeladen. China habe eine Zusammenarbeit jedoch abgelehnt. Daraufhin habe die Kommission entschieden, strengere Maßnahmen zu ergreifen, hieß es in einer Aussendung von Foodwatch Österreich am Mittwoch. In einer am Dienstag veröffentlichten Durchführungsverordnung der Kommission sei zudem festgehalten, dass „davon auszugehen ist, dass aus China eingeführtes Arachidonsäure-Öl ein schwerwiegendes Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt.“

„Unternehmen haben es versäumt, die Sicherheit ihrer Zutaten für die menschliche Gesundheit zu gewährleisten. Deshalb müssen nun die nationalen Behörden der Mitgliedstaaten einspringen und sicherstellen, dass das von milliardenschweren Konzernen importierte Arachidonsäure-Öl kein Gesundheitsrisiko darstellt“, erläuterte Indra Kley-Schöneich von Foodwatch Österreich. „Es ist inakzeptabel, dass Behörden diese Kontrollarbeit übernehmen müssen, weil große Konzerne ihrer grundlegenden Pflicht zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit nicht nachgekommen sind“, kritisierte sie.