Es war der erste Auftritt von Christoph Wiederkehr als neuer Bildungsminister für die Neos und das Thema war auch ein politisches Statement. Der neue Ressortchef verordnete ein Handy-Verbot an den Schulen bis zur achten Schulstufe. Die Auswirkungen der Taschentelefone seien laut Wiederkehr sogar schlimmer als jene der Coronapandemie. Digitales Lernen ja, aber keine dauernde, digitale Reizüberflutung
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Für seinen ersten öffentlichen Termin hatte sich Wiederkehr Umweltmediziner Hans-Peter Hutter an seine Seite geholt, ebenso wie Karin Spahn als Vertreterin der Schuldirektorinnen und Schuldirektoren. Hutter wünscht sich, dass sich Kinder wieder auf Augenhöhe treffen und ihre sozialen Fähigkeiten entwickeln. „Aus medizinischer Sicht ist diese Regelung nur zu begrüßen“, sagte Hutter.
Das Verbot gilt für den Unterricht ebenso wie für die Pausen. Wo die Handys, Smart-Watches und ähnliches verwahrt bleiben, können die Schulen selbstständig entscheiden. Die gängigste Variante ist, dass Handys den gesamten Schultag abgedreht in Schultaschen zu lagern sind. Das funktioniere allgemein sehr gut. Probleme mit den Handys werden laut Karin Spahn zu Folge vor allem aus Mittelschulen berichtet.
Dass sich real zum Ist-Zustand nicht viel ändert, da ja Schulen jetzt schon Regeln aufstellen können, sieht der Minister nicht so. Es sei eine ganz andere Herangehensweise, wenn man sage, dass die Schule eine handyfreie Zone sei. „Manche Eltern wollen ihre Kindern den ganzen Tag telefonisch erreichen können. Mit dem bundesweiten Verbot stärken wir den Pädagoginnen und Pädagogen den Rücken, es gibt keine Diskussionen mehr mit Eltern“, sagte Spahn.
Viele Schulen organisieren bereits sogenannte „Handygaragen“, wo alle Telefone in einer Box gesammelt und eingesperrt werden. Ein Thema war diesbezüglich, dass Lehrkräfte verständlicherweise nicht für die Geräte persönlich haften wollen. Mit der neuen Verordnung herrscht nun auch Rechtssicherheit. Es gilt die Amtshaftung.
Klar gestellt werden soll mit der bundesweiten Regelung auch, dass Strafen verhängt werden können, etwa Klassenbuch-Eintragungen oder die Vorladung von Eltern.
Wiederkehr verkündete bei dem Termin übrigens auch seinen Rückzug als Neos-Spitzenkandidat für die Wien-Wahl Ende April. Er bleibe aber weiterhin Landessprecher.