Die Chemikalie trägt den Namen Trifluoracetat, kurz: TFA, und sorgt in Europa für wachsende Sorgenfalten. Der Grund: Die Substanz reichert sich in steigendem Tempo in der Umwelt an, findet sich in den Böden, im Regenwasser, in Pflanzen und inzwischen auch in den allermeisten Grundwasserkörpern wieder. Proben des Umwelt- und Gesundheitsverbands PAN Europe unter Beteiligung von Global 2000 haben TFA heuer sogar bei zehn von 19 untersuchten europäischen Mineralwassermarken, auch zwei österreichischen, nachgewiesen.
Das Problem dabei: Bei TFA handelt es sich um ein „terminales Abbauprodukt“ von Substanzen aus der PFAS-Gruppe, die als extrem langlebige „Ewigkeitschemikalien“ bekannt sind. Einmal in die Umwelt eingebracht, bleiben diese chemischen Verbindungen quasi für alle Zeit erhalten. „TFA hat sich bei Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen, weil es zu Missbildungen führte. Und die Verschmutzung damit steigt seit den 1990ern immer rascher an“, sagt Helmut Burtscher-Schaden, Chemiker bei Global 2000. Zwar seien weder die im Grund- und Trinkwasser noch in den Mineralwässern festgestellten Konzentrationen für sich genommen als gesundheitsschädigend einzustufen. „Aber wir wissen nicht, wie viel TFA wir zusätzlich über andere Quellen wie Nahrungsmittel und Atmung sonst noch aufnehmen und die Belastung im Wasser steigt rasant.“
Mineralwasserproben als Alarmsignal
Etwa drei Viertel des im Wasser gefundenen TFA stamme nach Schätzungen aus PFAS-Pestiziden, die in der Landwirtschaft etwa zur Bekämpfung von Schädlingen, Unkraut und Pilzen eingesetzt werden, sagt Burtscher-Schaden. Der Rest kommt zum guten Teil aus fluorierten Gasen, wie sie in der Kältetechnik verwendet werden. „Etwa 16 Prozent der zugelassenen synthetischen Pestizide sind PFAS-Pestizide. Und deren Abbauprodukte sind mittlerweile sogar in die gesetzlich geschützten, besonders tief liegenden Grundwasserkörper vorgedrungen, aus denen unser Mineralwasser gewonnen wird“, so der Chemiker.
In Österreichs Trinkwasser liege die TFA-Konzentration inzwischen de facto flächendeckend über dem in der EU für Pestizid-Hinterlassenschaften festgelegten Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. „Das ist wohl bei Weitem noch kein toxischer Wert, veranschaulicht aber die Größe des Problems“, sagt Burtscher-Schaden.
Zwei Pestizide vor Verbot
Alarmiert über die Entwicklung ist auch die EU-Kommission, die deshalb dem am Mittwoch stattfindenden Lebensmittelausschuss ein Verbot zweier gängiger PFAS-Pestizide vorschlägt. „In Summe sind in der EU derzeit aber 34 PFAS-Pestizide zugelassen. Diese müssen so rasch wie möglich verboten werden“, sagt Salomé Roynel von PAN Europe. Ob es dazu kommen wird, ist noch unklar. Bereits im Vorjahr hatte die europäische Chemikalienagentur ECHA der Kommission empfohlen, möglichst viele der in Tausenden Anwendungen steckenden PFAS-Substanzen pauschal zu verbieten.