Mit dem Hype des Workaholic-Lifestyles soll jetzt Schluss sein. Auf TikTok erreichen Videos mit dem Hashtag #quietquitting Millionen Views. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer berichten in den Beiträgen, dass sie in der Arbeit nurmehr das Minimum leisten wollen. Das heißt: Keine unbezahlte Mehrarbeit und kein E-Mail-Verkehr in der Freizeit. Doch wie entstand dieser Trend? Und: Ist die Idee, diese strikte Grenze zwischen Berufsleben und Privatsphäre zu ziehen, auch für alle Menschen umsetzbar?

In den TikTok-Videos bekunden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, dass sie es satthaben, mehr zu leisten als das, wofür sie entlohnt werden. Die Idee: "Quiet Quitting". Dabei kündigt man zwar nicht, zieht aber eine klare Grenze zwischen Berufsleben und Privatsphäre. Dazu gehört es zum Beispiel, pünktlich Feierabend zu machen und keine Sekunde länger im Büro zu bleiben. In der arbeitsfreien Zeit werden außerdem keine beruflichen E-Mails geöffnet. Und auch unbezahlte Mehrarbeit gehört der Vergangenheit an.

"Du machst deine Pflichten, aber du schließt dich nicht länger der Arbeitskultur-Mentalität an, dass die Arbeit dein Leben sein muss. Die Realität ist, dass die Arbeit nicht dein Leben ist und dein Wert als Person nicht von der Arbeit definiert wird." So die Message des Users zaidleppelin, dessen Video zu #quietquitting bereits 3,5 Millionen Aufrufe verzeichnet. Mit der Glorifizierung des Workaholic-Lifestyles soll nun endgültig Schluss sein. Doch woher kommt die Idee des "Quiet Quittings"? Und ist sie wirklich neu?

Gefährdet "quiet quitting" die Karriere?

Der Trend folgt auf die sogenannte "Great Resignation", also der Beobachtung, dass auf einmal viele Menschen ihren Job kündigten. Angefangen hat das Ganze in der Pandemie. Erwerbstätige wollten sich die schlechte Bezahlung und Ungerechtigkeit in ihrem Job nicht mehr länger gefallen lassen und kündigten. Nach der drastischen Zahl an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die plötzlich fehlten, herrschte in vielen Betrieben Personalmangel. Für die Arbeitskräfte, die blieben, bedeutete das noch schlechtere Arbeitsbedingungen. Diese trieben viele Menschen sogar in den Burnout. In der Folge wurde #quietquitting ins Leben gerufen. Doch ist es bloß ein anderes Wort für die Work-Life-Balance? Oder gefährdet "stilles Kündigen" sogar die eigene Karriere?

Diese Frage wird medial heiß diskutiert. Viele Stimmen meinen, dass man sich durch "Quiet Quitting" selbst im Weg stehe, wenn es darum gehe, die Karriereleiter aufzusteigen. Denn dafür sei laut einigen Unternehmerinnen und Unternehmern Mehrarbeit einfach notwendig. Ein Einwand ist aber auch, dass es sich nicht jeder Mensch leisten könne, eine solch scharfe Grenze zwischen Job und Privatleben zu ziehen. So gebe es zwar ein Benachteiligungsverbot, in der Praxis sei es dennoch oft so, dass Menschen teilweise durch Mehrarbeit beweisen müssen, dass sie es wert sind, ihren Job zu behalten. So haben Umfragen, über welche die Plattform Business Insider berichtet, etwa ergeben, dass Frauen im Beruf mehr leisten müssen als Männer, um denselben Erfolg zu erzielen. Ähnliches berichten Forbes zufolge People of Color: "Wenn wir nicht die Erwartungen erfüllen, sind wir die ersten, die gekündigt werden", so eine TikTokerin, die dazu rät, achtsam mit dem Trend umzugehen.

Vielfach kritisiert wird aber auch, dass es überhaupt eine Bezeichnung wie "Quiet Quitting" gibt. Das heiße schließlich nichts anderes als zu leben und den Job zu machen, für den man auch eingestellt wurde. Dies sei genug gewesen, bevor es romantisiert wurde, seine ganze Energie in den Job zu stecken und somit einen "Workaholic"-Lebensstil zu führen.

Ein Weg, um die Karriere nicht zu gefährden und dennoch mehr Freizeit zu haben, könnte die Einführung der Vier-Tage-Woche sein. Viele stellen sich die Frage, ob das möglicherweise die Lösung sein könnte, um angemessen auf den Trend zu reagieren? In unserer „Was geht?“-Folge haben wir über die mögliche Zukunft des Arbeitsmarktes gesprochen.

Video: Keine Lust auf Arbeit? Wie GenZ und Millennials wirklich im Job ticken