Schwacher AbgangWie man das Richtige aus falschen Gründen tun kann

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© Kleine Zeitung
 

Guten Morgen!

Diese Überraschung war gelungen. Thomas Schmid, der sich über Monate geweigert hatte, die Konsequenzen aus den peinlichen Chats zu ziehen, die er sonder Zahl in sein Handy gehämmert hatte, wählte nun wider Erwarten doch noch den Notausgang. Sogar eine Entschuldigung fiel ihm ein, nachdem ihm der Aufsichtsrat eine Abfertigung von 200.000 Euro zugesichert hatte.
 
Auf ein interessantes Detail an den Rücktritten und Ausschlüssen der letzten Zeit weist Veronika Dolna in ihrem heutigen Leitartikel hin: Sie erfolgten aus den falschen Gründen. Heinz Christian Strache wurde nicht wegen seiner Aussagen in Ibiza von seiner Partei verstoßen, sondern weil er mit Parteigeld Handtäschchen für die Gemahlin besorgt haben soll. Schmid geht nicht, weil er sich seinen Job selbst gezimmert hat, auch nicht wegen seines Erpressungsversuchs gegenüber der Kirche, sondern wegen seiner peinlichen Aussagen über das „Reisen wie der Pöbel“ und ähnliches Zeug. Und die Justizministerin störe an den Chats aus ihrem Hoheitsbereich auch mehr der Ton („rassistische und frauenfeindliche Äußerungen“) als die viel gravierendere Verletzung der Amtsverschwiegenheit durch einen Höchstrichter, schreibt sie.
 
Abends ergötzt uns dann der ORF noch mit einem Streitgespräch zwischen Andreas Hanger, dem neuen Haudegen der ÖVP, und Jan Krainer, dem SPÖ-Fraktionsführer. Hanger verstieg sich ausgerechnet am Tag des zweiten Rücktritts im Gefolge des Ausschusses zu der Aussage, dieser habe nichts Neues gebracht, sei also Geldverschwendung. Unsere heutige Ausgabe widerlegt das eindrucksvoll. Sie listet auf, was alles schon passiert ist, nur weil es diesen Ausschuss gibt. Wenig ist das nicht, irrelevant auch nicht, allenfalls unangenehm für die ÖVP.
 
Als Krainer sich über die Weigerung des Bundeskanzlers beschwert, noch einmal vor dem Ausschuss zu erscheinen, simst mir ein Kollege (sehr unvorsichtige Kommunikationsform!!!) einen Profil-Artikel von 2012. Der berichtet über das gewaltsame vorzeitige Ende des damaligen Korruptions-U-Ausschusses, der auch die Inseratenvergabe durch Werner Faymann untersucht hatte. Der Kanzler könne, argumentierte die SPÖ damals, „leider, leider nicht unter Wahrheitspflicht vor dem U-Ausschuss aussagen, weil er danach sicher von hinterhältigen Oppositionsabgeordneten angezeigt werde“. Krainer hatte sich damals übrigens gegen das Abdrehen des Ausschusses ausgesprochen, am Ende aber doch mit seiner Partei gestimmt. Schmerzliche Loyalität.

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Danke für Ihr Verständnis.

mobile49
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Lesenswert?

unangenehm ?

wenn etwas unangenehm wird , dann lässt man den "kettenhund" los ?
nur so eine "unschuldige" frage