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Düsteres Kapitel der ÖkonomieEs braucht Stakeholder-Kapitalismus statt Wirecard-Kapitalismus

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

© Kleine Zeitung
 

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Wenn nun neue Corona-Regeln gelten, muss man erst recht den Blick über die FFP2-Maskenkante und zwei Meter Abstand hinaus richten, muss weiter denken, als bis zum wackelnden Lockdown-Ende. Das geschieht gerade in Davos, auch wenn das „Annual Meeting“ des Weltwirtschaftsforums (WEF) heuer wegen der Pandemie verschoben wird. Im Dezember hatte Klaus Schwab das Treffen noch an den Luzerner See in das abgeschiedene Hotelresort Bürgenstock verlegen wollen, nun wird es im Mai in Singapur stattfinden. Seit gestern aber versammelt Schwab bereits Staats- und Konzernchefs virtuell, um bis Freitag die „Davos Agenda“ im Netz zu diskutieren. Was lernt die Welt aus Corona, wohin weist der Weg?

Vor genau einem Jahr, China versuchte gerade das Sars-CoV-2-Virus in Wuhan einzuzingeln und Europa wähnte sich noch sicher, war die Zusammenarbeit der Stakeholder für eine nachhaltige Welt ausgerufen. Auf der WEF-Bühne prallten mit Donald Trump und Greta Thunberg die Welten aufeinander, ein Duell, das sich einseitig erledigt hat. Der globalen Hochfinanz hatte BlackRock-Chef Larry Fink mit seinem Appell, mit dem Geld aus Karbon heraus und in grüne Investments hineinzugehen, die Steilvorlage geliefert. Das WEF selbst rief die Pflanzung von einer Billionen Bäumen weltweit und Ausbildung für eine Milliarde Jobs auf eine Dekade aus. Ursula von der Leyen lag mit dem Green Deal der EU voll auf Kurs. Für das Klima durfte Hoffnung aufkeimen.

Nach dem globalen Kollaps 2020, zwei Coronawellen und drei Lockdowns später, sieht die Welt anders aus, aber das Hauptproblem bleibt. Im Global Risk Report, der in der Vorwoche vom WEF präsentiert wurde, katapultierte sich die Angst vor Pandemien von Rang 17 auf Rang zwei hinauf, den Spitzenplatz der weltgrößten Gefahr und Sorge der Menschen hält weiterhin der Klimawandel mit seinen Wetterkatastrophenfolgen. Zum Auftakt des Agenda-Meetings rief am Montag Chinas Staatspräsident Xi Jinping zu globaler Zusammenarbeit für Klima und gegen Pandemie sowie wirtschaftliche Kooperation statt Handelskriegen.

Klaus Schwab stellt nun einen „Stakeholder-Kapitalismus“ auf die Davos Agenda, um der Bedrohung des Globus und der Gesundheitsgefährdung der Menschheit gleichermaßen beizukommen. Der WEF-Gründer und Peter Vanham beschreiben das Konzept im Buch  “Stakeholder Capitalism: A Global Economy that Works for Progress, People and Planet“. Wörtlich erklärt Schwab es als „eine Form von Kapitalismus, in welchem Unternehmen nicht mehr nur Kurzzeit-Profit für Shareholder optimieren, sondern langfristige Werte schaffen wollen, indem sie die Bedürfnisse aller Stakeholder und der Gesellschaft insgesamt in Betracht ziehen.“

Globus und Menschen stehen dabei im Mittelpunkt allen Handelns. Der Planet steht im Zentrum des globalen Wirtschaftssystems und seine Gesundheit ist durch die Entscheidungen aller anderen Stakeholder von UNO, EU, ASEAN usf. bis zu den einzelnen Regierungen zu optimieren. Es ist eine neuerliche Bekräftigung der Absage an Milton Friedmans ausschließlich gewinnorientierten Shareholder-Kapitalismus, der gerade erst vor aller Augen bis in tiefste Kriminalabgründe pervertiert wurde: Im Wirecard-Skandal, bei dem mit Markus Braun und Jan Marsalek zwei Österreicher die Strippen zogen, und sich die Gierbefriedigung von Aktionären und Managern gleichzeitig traf.

Das Geschäftsprinzip von Wirecard zielte auf die Turbo- Beschleunigung des Geldtransports. Als Finanztechnologieunternehmen bot es die Übermittlung von Bezahlung ohne Clearingstelle an – in „Echtzeit“. Doch echt war bei dem als „Echtzeit-Finanzdienstleister“ hochgejubelten Fintech Wirecard gar nichts. Hohle Bilanzen pushten es auf einen irren Börsenwert, höher als jenen der Deutschen Bank, auf die Wirecard sogar eine Übernahme vorgehabt haben soll. Doch über Außenstellen auf allen Kontinenten erfolgte die rasende Geldübermittlung nur in dunkle Kanäle. Treuherzige Bilanzprüfer vermissten am Ende mindestens 1,9 Milliarden Euro. Österreichische Ökonomen von Schumpeter bis Hayek haben weltweit Schule gemacht. Nun schreibt der Wirecard-Kapitalismus mit zwei österreichischen Masterminds eines der düstersten Kapitel der Ökonomie – und wird hierzulande noch viel höhere Wellen schlagen, als derzeit über unseren löchrigen Geheimdienst.

Einen zuversichtlichen Blick in den Tag wünscht Ihnen

Kommentare (2)
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HASENADI
1
0
Lesenswert?

Ok,

Stake ist eingekauft, bezahlt auch. Kurz angebraten. Und wie weiter...?

ritus
0
1
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Warten auf Mördergewinne...

...morgen! So einfach. ;-)