KommentarWien, Washington und Moskau – Führungsstile im Vergleich

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Wie führen? Die heutige Ausgabe unserer Zeitung zeigt ein paar Möglichkeiten.

Da wäre einmal Österreich. Die Verschärfung der Lage durch eine rabiate Virusvariante variiert auch die Kommunikation der Regierung, beobachtet Michael Jungwirth. Waren bisher Kanzler, Vizekanzler, Gesundheits- und Innenminister gemeinsam aufgetreten, wenn es wichtig war, so standen gestern neue Protagonisten vor den Mikrofonen: Zu Kanzler und Gesundheitsminister gesellten sich der Chef der Landeshauptleute, Hermann Schützenhöfer (ÖVP), der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und ein Experte.

Das war neu. Bisher hatte die Regierung oft wichtige Protagonisten der Pandemiebekämpfung vor vollendete Tatsachen gestellt, also vor den Kopf gestoßen. Diesmal waren sie eingebunden in Entscheidungen, deren Umsetzung wesentlich von ihnen abhängt. Das verringert Reibungsverluste und ermöglicht hoffentlich effizienteres Handeln als die bisherige Strategie. „Einbindung schafft wahre Wunder“ schließt Jungwirth seinen zuversichtlichen Leitartikel.

„America United“ steht über den Inaugurationsfeierlichkeiten für Joe Biden, den künftigen US-Präsidenten. Es muss extra dazugesagt werden, weil von Einigkeit nicht viel zu beobachten ist in den Vereinigten Staaten von Amerika. Washington gleicht einer Festung, der scheidende Präsident verweigert trotzig die traditionelle Teilnahme am Fest. Es ist 150 Jahre her, dass ein schlechter Verlierer die rituellen Freundlichkeiten verweigert hatte, die den friedlichen Übergang der Macht zu begleiten pflegen, schreibt unser Korrespondent Julian Heißler über die Feierlichkeiten, die am Mittwoch stattfinden sollen.

Während der eine versucht, Bilder seiner Niederlage zu vermeiden, sucht ein anderer die direkte Konfrontation mit seinem überlegenen Gegenspieler. Alexei Nawalny wusste, was ihn in Moskau erwartete. Von einem Vergiftungsversuch durch russische Agenten genesen, flog er dennoch aus Deutschland zurück in seine Heimat und ließ sich am Flughafen verhaften. Er weiß, dass solche Bilder der Willkürherrschaft Vladimir Putins mehr schaden als jeder Kommentar, den er im sicheren Ausland abgegeben hätte. Ein kühner Mann, über dessen mutigen Schritt ein Oppositioneller bewundernd sagte: „Zu uns fliegt der Präsident.“

Und sonst? Der Lockdown ist verlängert, aber lesen Sie selber, rät

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