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MorgenpostPhantom-Opern: Kalendertöne aus der alten Welt

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

 

Guten Morgen!

Elektronische Kalender reagieren nicht auf Verordnungen des Gesundheitsministers. Sie melden, was man sie vor langer Zeit gebeten hat, zu melden. Zum Beispiel am Gründonnerstag „Parsifal“, dann den ganzen „Ring“, das größte Opern-Monstrum der Musikgeschichte. Als wäre nichts geschehen, erinnert das „Bling“ des tragbaren Telefons eine Viertelstunde vor Beginn der Vorstellung an das, was heute gerade nicht stattfinden kann.

Nichts gegen die Absagen. Oper ist ein Aerosol-Sprühregen der übelsten Sorte. Sänger pflegen eine feuchte Aussprache, schon um sich verständlich zu machen trotz des Getöses im Graben. In Opern geht es leidenschaftlich zur Sache, weil zu distanzierten Plaudereien keinem Komponisten Musik einfällt – außer vielleicht Richard Strauss. Eine gewisse soziale Zugewandtheit ist bei solchen Werken also unvermeidlich, Infektionsgefahr inklusive; ob aus Liebe oder Hass, ist für den Angesteckten letztlich unerheblich.

Also bleibt nur Zusperren, solange das Virus wütet. Keine Großveranstaltungen bis Ende August, dekretierten Kulturminister Werner Kogler und seine Staatssekretärin Ulrike Lunacek am Freitag. Viele Veranstalter, die nicht genannt, aber gemeint waren, sagten daraufhin ihr Programm ab. Nur zwei wollen noch weiter nachdenken – Salzburg und Bregenz, die Größten. Nachdenken worüber? Wie man Orchester und Chöre gemäß der Abstandsregeln auf Bühnen verteilt? Wie viele Sitze aus den Sälen entfernt werden müssten und wie verschreckte Gäste über die Grenze zu locken wären? Das wird wohl nichts.

Die Wiener Staatsoper, die den Schock der Schließung schon hinter sich hat, lieferte am Ende übrigens noch eine traurige Corona-Pointe: Das Haus schloss seine Kurzsaison symbolträchtig mit der blutrünstigen Oper eines italienischen Komponisten, die in China spielt: Puccinis Turandot. Vielleicht legen Sie sich im Gedenken an die entschwundene Normalzeit und in der Hoffnung auf die Morgendämmerung „Nessun dorma“ auf. Am besten mit dem unübertroffenen Aerosol-Sprühregen Luciano Pavarottis, rät

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