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MorgenpostGretas Nobelpreis-Probe: Wie könnt Ihr es wagen?

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Greta Thunberg
Greta Thunberg bei ihrer Rede in New York © AP
 

Guten Morgen!

How dare you. Vielleicht der Satz des gestrigen Tages oder besser: des Jahres. Er hallt nach. Wir machen mit ihm auf. Im Englischen ist er zupackender und direkter, er kommt mit drei knappen Worten aus und ist von schneidender Eindringlichkeit. How dare you. Im Deutschen muss der Satz etwas ausholen: Wie könnt Ihr es wagen? Die junge Umweltaktivistin Greta Thunberg, mit 16 globale Ikone, hat ihn in New York bei der UNO-Konferenz gesprochen. Gerichtet war er an die anwesenden Staatenlenker. Eine solche Wutrede von unten hat man dort noch nicht erlebt. Ein halbes Kind sprach zitternd und mit gebrochener Stimme an die Mächtigsten der Welt und erhob sich anklagend über sie. Das mächtige, himmlische Kind. Es sind starke, effektvolle Sätze von großer Lakonik. Völlig entschlackt kommen sie daher, Subjekt und Prädikat und ein Schuss leidenschaftlich-raffiniertes Teenager-Pathos, mehr ist da nicht. „Menschen leiden. Menschen sterben.“ Thunberg ist den Tränen nahe. Dann die zürnende Anklage an die Erwachsenen und die Trägheit der Macht: „Wir befinden uns am Anfang eines Massen-Aussterbens, und alles, woran Ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum.“ Der Donnerschlag klang gut, roch aber ein wenig nach soufflierter Kapitalismus-Kritik. Hätten die Politiker den Umweltschutz ernst genommen, sagt sie, müsste sie nicht hier in New York sein. „Ich wäre in der Schule, auf der anderen Seite des Ozeans. Ihr habt mit Euren leeren Worten meine Träume und meine Kindheit gestohlen. Wie könnt Ihr es wagen?“ Spontaner Eindruck: die vorweggenommene Nobelpreis-Rede.

Kommentare (2)

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donots1
0
3
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70

Sorry Herr Patterer, aber wurde der Boss nicht 70 ? ;-)

Lg

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scionescio
5
8
Lesenswert?

So unterschiedlich können Eindrücke sein ...

... für mich hat völlig die Authentizität beim Ablesen der ihr vorgegebenen Rede gefehlt - mein erster Gedanke war, dass der Herr Papa (Schauspieler und Produzent) während der Überfahrt seine Tochter mäßig erfolgreich (die gekünstelte Emotionalität war deutlich zu erkennen) in die Grundzüge der Schauspielerei eingewiesen hat ... wäre besser gewesen, wenn sie die Zeit der Überfahrt dazu genutzt hätte, den vorgeschriebenen Text auswendig zu lernen und zumindest frei zu reden!
Ich bin schon gespannt, wann der Hype um Greta abflauen wird - die Kampagnenmanager haben sich anscheinend gewaltig verkalkuliert, weil außerhalb Europas sich niemand für das instrumentalisierte Zirkuspferd interessiert und damit ist der ganze Business Case fraglich.
Mir tut Greta gewaltig leid, weil ihr unverantwortliche, aufmerksamkeitssüchtige Eltern, die in ihr Kind projezieren (Greta vertritt nur Positionen, die ihre Mutter schon vor Jahren vertreten hat) was ihnen selbst nie gelungen ist, tatsächlich ihre Jugend stehlen.
Um mit etwas Positiven zu enden: zumindest ist es dank Greta gelungen, die Klimaschutzthematik in Europa ins öffentliche Bewusstsein zu bringen - und dafür gebührt ihr und den Machern hinter ihr Dank (auch wenn ich die Kommerzialisierung auf Kosten eines kleinen Mädchens verurteile!).

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