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MorgenpostKurz will zu jeder Sekunde wissen, wer ihn liebt und wer ihn ablehnt

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© APA/Lukas Huter
 

Guten Morgen!

Hat das türkis-blaue Projekt den „Beginn des Weges in eine autoritäre Republik“ markiert? Helmut Brandstätter hat das als Chefredakteur des „Kurier“ so wahrgenommen. Die Hinweise und Belege, die seine These stützen, hat er jetzt in einem Buch gebündelt. Michael Jungwirth hat hineingelesen und stellt es in der heutigen Ausgabe vor. Der Publizist, der einen Uferwechsel zu den Neos vorbereitet, bezieht sich in seinem Befund vor allem auf den Umgang der implodierten Regierung mit den Medien. Den hat der Autor anders als Brandstätter zunächst nicht als großen zivilisatorischen Bruch, sondern eher als ärgerliches Kontinuum empfunden (wie übrigens auch die türkis-blaue Personalpolitik). Da roch der „neue Weg“ ein bisschen sehr streng nach dem alten. Vor allem wurde im Verhältnis zwischen Wiener Boulevard und Regierung eine Unkultur ungeniert fortgesetzt: das Prinzip Cash gegen Wohlverhalten, bewusst gesteuerte Vorab-Story gegen redaktionelle Gefügigkeit.
 
In der Bundeshauptstadt orientiert sich die kritische Haltung unterirdisch kolportierter Massenblätter vor allem am Fluss der Inserate und der Geschichten, die die machtbewussten Pressesprecher den Zeitungen nach strengem Kalkül „zustecken“. Sie unterschieden sich von den einflussreichen Pressesprechern der großen Koalition nur im offener zur Schau gestellten Machtbewusstsein und ästhetisch vielleicht durch die blütenweißen Hemden mit den smarten Hosenträgern. Als wir wieder einmal unser Missfallen über die Praktiken und die asymmetrische Informationspolitik zum Ausdruck brachten, hieß es aus dem Umfeld des Kanzlers und auch aus seinem Mund: Das gehe halt mit Blättern wie der „Krone“ und anderen Wiener Medien „viel leichter und unkomplizierter“. Da fixiere man nicht nur ein politisches Vorhaben als Exklusiv-Geschichte, sondern vereinbare gleich auch die Größe der Geschichte mit, inklusive Aufmachung auf Seite eins: der X-Large-Deal. Da könne man sich halt viel besser darauf verlassen, während das „bei Euch immer so schwierig und ungewiss ist.“ Da wisse man nie, „was herauskommt“. Mit dem Hinweis, dass „das Schwierige und Komplizierte“ zum Selbstverständnis zähle und leider nicht verhandelbar sei, endeten in der Regel die Gespräche, nicht unfreundlich.
 
Der Zugriff auf die größte Orgel, den ORF, unterschied sich vom Zugriff unter Rotschwarz nur durch die Rustikalität des Würgegriffs und den Umstand, dass man kein Problem damit hatte, die Grenzen im Licht der Öffentlichkeit, vor aller Augen, zu übertreten. Das war bei der ersten Personalmaßnahme, der Installierung von Norbert Steger als Chef des Stiftungsrates so wie auch bei der Drohgebärde von Harald Vilimsky im Kirtagsringen gegen Armin Wolf. So derb gebärdeten sich die rotschwarzen Vorgänger und Strippenzieher nicht. Sie waren in der Wahl der Mittel feiner, dezenter.
 
Die Skrupellosigkeit hat auch damit zu tun, dass die Freiheitlichen völlig unbekümmert und schmerzbefreit sind, was die Resonanz in den etablierten Meiden betrifft. Sie sind so sozialisiert und erzogen worden. Sie wissen, dass sie in den Medien seit jeher tendenziell auf Ablehnung stoßen, und bemühen sich erst gar nicht um eine Normalisierung und Professionalisierung des Verhältnisses im Sinne eines vorurteilsfreien, unbefangenen und demokratisch erwachsenen Umgangs. Das gilt im übrigen auch für manche auf der Gegenseite. Da ersetzt das Ressentiment den umfangenen, differenzierten Blick. Bei Sebastian Kurz verhält sich im übrigen so ziemlich alles reziprok zu dem, was für die FPÖ und ihre Beziehung zu den Medien gilt.
 
Kurz ist das Gegenteil von unbekümmert und schmerzbefreit. Er will zu jeder Sekunde wissen, wer ihn liebt und wer ihn ablehnt („Wieso mögt ihr mich nicht?“). Er legt Wert auf einen klaren Grenzverlauf. Mit beiden Enden kommt er klar, aber nicht mit den Zwischenräumen, wo das abwägende Urteil angesiedelt ist, das von Fall zu Fall variieren kann. Kurz ist manisch darauf fixiert, wie er in den Medien ankommt, wie er wahrgenommen, abgelichtet und beurteilt wird. Das hat mitunter Züge einer Obsession. Schon die kleinsten Abweichungen vom Selbstbild lösen in ihm eine Unruhe aus, die er nicht im Stillen verarbeitet, sondern sofort nach außen kehrt. Das kann sich so manifestieren, dass er am Sonntag vormittag, seiner vielleicht einzigen ruhigen Stunde, voller Unruhe zum Handy greift, um dem Autor eines kritischen Leitartikels seine Gegensicht mitzuteilen und die veröffentlichte Meinung wenigstens im direkten Gespräch zurechtzurücken. Das kann man autoritär nennen oder leicht unsouverän. Tendenziell neige ich Letzterem zu.

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Danke für Ihr Verständnis.

mobile49
2
7
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Wie kann man nur so sehr von sich eingenommen sein

und glauben , man sei das A und O der Welt .
Das ist ja schon Narzißmus hoch 10

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supersigi10
1
1
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FRAGE !

meinst du Kurz Oder Brandstätter ?

Antworten
X22
1
0
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Der eine spricht über die Message Control

der andere übt sie aus.

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