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Am Gasthaustisch in Mühldorf im Oberkärntner Mölltal gab es am Dreikönigstag nur ein Thema. Dass FPÖ-Chef Herbert Kickl von Bundespräsident Alexander Van der Bellen den Auftrag zur Bildung einer Bundesregierung erhalten hat, wird von den anwesenden Gästen begrüßt. „Das hätte schon vor drei Monaten so sein sollen“, ist ein Altbauer überzeugt. „Der war klarer Wahlsieger und jetzt sollen FPÖ und ÖVP zeigen, was sie gemeinsam zusammenbringen. Zwischen ÖVP und SPÖ funktioniert es einfach nicht mehr so wie früher.“ Hätte bei der Nationalratswahl im September 2024 ganz Österreich so gewählt wie Mühldorf, wäre der gebürtige Oberkärntner Kickl schon längst Kanzler – 54,2 Prozent erreichten die Freiheitlichen in der Heimatgemeinde des Kärntner FPÖ-Chefs Erwin Angerer und der früheren Parteigranden Uwe und Kurt Scheuch.

Genau diese Namen fallen am Wirtshaustisch auch, wenn es um Personalspekulationen und die Verteilung von Ministerposten geht. „Angerer für Wirtschaft oder Finanzen, Scheuch für die Landwirtschaft“, gibt ein pensionierter Unternehmer als Wunsch aus. „Die Kärntner FPÖ muss jedenfalls ein Ministeramt besetzen“, ist er überzeugt. Uwe Scheuch, früherer freiheitlicher Landesparteichef (2009 bis 2012) und mehrfach wegen Untreue bzw. Geschenkannahme durch Amtsträger verurteilt, hat sich in den letzten Jahren zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Zuletzt wurde in Kärnten gemunkelt, er habe Interesse an einer Bewerbung als Kammeramtsdirektor der Landwirtschaftskammer signalisiert.

Einer, der sich selbst schon im Wahlkampf gern als künftiger Minister sah, ist der 49-jährige Jurist Gernot Darmann, von 2016 bis 2021 Kärntner Landesparteichef (mangels Erfolges von Angerer abgelöst) und seit Oktober 2024 wieder Nationalratsabgeordneter. „Der kann wohl auf ein Ministerium hoffen, aber das wird nichts – wir werden nicht mit der Kickl-FPÖ koalieren!“, beteuerte eine Kärntner ÖVP-Funktionärin, als sie im Sommer 2024 bei einer Veranstaltung gemeinsam mit Darmann von einem Fotografen abgelichtet wurde. Die Liste der Personen in der ÖVP, die Kickl ähnlich klar als Koalitionspartner ausgeschlossen hatten, scheint endlos – allen voran der designierte ÖVP-Chef und bisherige Generalsekretär Christian Stocker, der sich jetzt wie ein Yogalehrer verbiegt, um die ÖVP als Juniorpartner in eine Koalition mit der FPÖ zu führen.

Neben Darmann wird auch sein Partei- und Nationalratskollege (und Vorgänger als Landesparteichef) Christian Ragger als möglicher Justiz- oder Innenminister genannt – bzw. sehen sich die beiden selbst als ministrabel. „Ich habe nie ein solches Amt angestrebt, noch werde ich eines aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit eingehen können“ hält der als Rechtsanwalt tätige Ragger auf Anfrage der Kleinen Zeitung fest. Und auch Angerer will von all diesen Spekulationen nichts wissen. „Nein, wir beanspruchen keine Ministerposten“, sagt der Kärntner FPÖ-Chef zur Kleinen Zeitung. „Was vor der Wahl gesagt wurde, gilt auch danach.“ Es gehe jetzt vorrangig „um ein vernünftiges Regierungsprogramm und nicht um Posten“, sagt Angerer. Auch für ihn selbst, er saß von 2014 bis 2023 im Nationalrat, sei ein Wechsel zurück nach Wien und in ein Ministerium kein Thema: „Ich bleibe definitiv in Kärnten.“

In die erste schwarz-blaue Regierung hatte Jörg Haider im Februar 2000 mehrere Vertreter aus Kärnten geschickt. Die Lehrerin und frühere Landesrätin Elisabeth Sickl musste nach nur einem halben Jahr als Sozialministerin aber schon wieder gehen und wurde durch den Spittaler Tierarzt Herbert Haupt ersetzt, der später im Kabinett Schüssel II (ab Februar 2003) für ein halbes Jahr lang sogar Vizekanzler war. Karl-Heinz Grasser, in den 1990er-Jahren schon Landeshauptmann-Stellvertreter in Kärnten, gewann als Finanzminister zunächst enorm an Beliebtheit, um später tief zu fallen. Der Landwirt und frühere Landeshauptmann-Stellvertreter Matthias Reichhold war ab Februar 2002 nach Michael Schmid und Monika Forstinger der dritte Verkehrsminister im Kabinett Schüssel I.

Ob Bundespräsident Van der Bellen, wie einst Thomas Klestil, von der FPÖ vorgeschlagene Minister ablehnen wird (2000 waren das Thomas Prinzhorn und Hilmar Kabas), ist nach den Ereignissen der letzten Tage eher unwahrscheinlich. Auszuschließen ist aber auch das nicht.

Einen diskussionsfreudigen Dienstag wünscht,

Wolfgang Fercher