Das gelobte Land der Motorrad- und Auto-Liebhaber, der Auto-Narren, der Benzinbrüder: Etwas über eine Stunde ist Goodwood in West Sussex mit seinem Festival of Speed von London entfernt, das Meer sieht man von den Hügeln, auf denen tausende Schafe leben.

Aber in diesen Tagen haben die Hunderttausenden Menschen, Jung und Alt, nur Augen für das Kulturgut Auto und das Kulturgut Motorrad. Die schönsten alten, die geilsten neuen sind vor Ort, es ist ein Pflichttermin für Legenden wie die Formel-1-Weltmeister Nigel Mansell, Emerson Fittipaldi, Jacques Villeneuve (legendäre Duelle mit Michael Schumacher), oder Alain Prost. Sogar Formel-1-Legende Bernie Ecclestone schaut mit seinen 94 Jahren auf einen Sprung vorbei. Schauspieler, Adelige, Promis mischen sich mit Oldtimer-Besitzern, junge und alte Fans, das Auto als sozialer Bindungs-Kit, über alle gedachten Grenzen hinweg.

Plattform für ebay und Co

Längst ist die Veranstaltung zu einer Plattform und einem millionenschweren Business geworden, der gewiefte Charles Gordon-Lennox, Earl of March, hatte die Größenordnung wohl nicht im Sinn, als er das Festival erstmals auf seinem Anwesen 1993 inszenierte und als Einnahmequelle erschloss. Heute firmiert zum Beispiel Ebay als einer der Hauptsponsoren, europäische und chinesische Autofirmen, Zulieferer, alles, was mit dem Thema Auto oder Motorrad zu tun hat, kommt hierher. Weltpremieren für Fahrzeuge finden auf den Wiesen von Goodwood ihre große Bühne, viel öfter als im Auslaufmodell der großen Messen.

Letzte Ausfahrt mit Dua Lipa

Auch Porsche und seine Gallionsfiguren sind vor Ort. Pop-Star Dua Lipa fuhr die Goodwood-Bergrennstrecke mit dem von ihr gestalteten Porsche GT3 RS und einer prominenten Rennfahrerin am Steuer: Karen Gaillard, die im Porsche-Damen-Rennteam bei Klassikern wie den 24 Stunden von Le Mans für Furore sorgt. Dua Lipa hat mit dem von ihr gestalteten Porsche Gutes im Sinn: Sie will ihn zugunsten ihrer „Sunny Hill Foundation“ für karitative Zwecke versteigern lassen, es war wohl die letzte Ausfahrt mit dem GT3.

Oscar-Gewinner Brody filmt und komponiert für Porsche

Und Porsche-Botschafter Adrien Brody lud in einen alten Flugzeughangar auf dem Goodwood-Gelände zu einer Weltpremiere. In Leuchtschrift thronte der Schriftzug „Autokino“ über dem Eingang und dem roten Teppich, drin warteten über 30 der schönsten Porsches der Geschichte – vom 550er-Spyder bis zum modernen Paris-Dakar-911er – auf die rund 70 geladenen Gäste, um darin Platz zu nehmen. Der zweifache Oscar-Gewinner Adrien Brody (“The Pianist“, „The Brutalist“) zeigte seinen Film (The Intern“, in dem er als Porsche-Praktikant jeden Tag ins Werk in Stuttgart fährt (auch mit der Bahn) und auch dort alle Stationen in der Produktion durchläuft.

Brody, 2025 vom Time-Magazine zu einem der 100 einflussreichsten Menschen gewählt, arbeitet mit Selbstironie (ziemlich zerknautscht beim morgendlichen Aufstehen), mit Charme, und Berührendem, etwa, wenn er die Familien bei Porsche porträtiert, die generationsübergreifend hier arbeiten. Die Qualität des Films ist Oscar-verdächtig.

Brody erscheint als Antipode zum exaltierten Hollywood-Star. Nahbar, auch im persönlichen Gespräch, in diesem Setting. Über 50 Autos habe er bisher sein Eigen genannt. Schon als Bub in Queens, New York, habe er an Autos geschraubt, erzählt er anfangs. Seine Mutter sei Fotografin gewesen (sie flüchtete nach der ungarischen Revolution 1958 von Ungarn über Österreich in die USA), sein Vater ein Geschichteprofessor. Die Liebe zu Porsche ist eine gelebte und echt: Seinen ersten Porsche kaufte er mit einer kaputten Schaltung, aber ohne Geld für die Reparatur, also musste er mit der Kupplung „ein bisschen vorsichtiger“ umgehen. Den neuen GT3 RS Porsche schätzt er, weil er „das Biest im Auto“ mag. Aber bestellt hat er jetzt einen Porsche Turbo S, den endgültigen 911er. Sein Lieblingsfilm aller Zeiten? „Der Pate 2“, lacht er. In seiner Karriere fällt die Wahl auf „The Pianist“. Brody komponierte übrigens auch für den Film „The Intern“.

Autos statt Ölschinken

Charles Gordon-Lennox, Earl of March, der Goodwoods Motorsport-Festival inzwischen zu einer Veranstaltungsserie ausgebaut hat, besitzt auch ein paar Wurzeln im Filmgeschäft. Der leidenschaftliche Fotograf war als Jugendlicher im Filmproduktionsteam des legendären Regisseurs Stanley Kubrick (“Shining“, „Clockwork Orange“, „Eyes Wide Shut“). Das Festival of Speed entstand, weil der Earl of March das ganze Anwesen finanzieren musste. Er traf den Nerv von Generationen. In einem Interview mit dem Magazin „Spiegel“ erklärte er sich so: „Ich habe die Liebe zum Auto von meinem Großvater geerbt, der selbst Sportwagen gebaut und hier 1936 das erste Bergrennen veranstaltet hat. Wahrscheinlich fahre ich deshalb leidenschaftlich gerne Auto und habe auch eine kleine, eher schräge Sammlung: einen Lancia, ein paar amerikanische Hot-Rods und Autos, wie man sie bei den Geschwindigkeitsrennen auf den Salzseen in Bonneville fährt. Außerdem versuche ich die Autos zurückzukaufen, die mein Großvater einmal konstruiert hat. Das sind für mich viel schönere Familienerinnerungen als all die alten Ölschinken, die an den Wänden hängen.“