Amira Aly (32) hat Paula Lambert (51) im gemeinsamen Podcast „Iced Macho Latte“ über eine besonders harte Zeit in ihrem Leben gesprochen. Die zweifache Mutter sprach über ihre Kindheit und Jugend, damals war sie wegen Konflikten mit ihrem Stiefvater ohne Zuhause.
Schlimme Erinnerungen kamen bei einem Heimatbesuch in Klagenfurt wieder hoch. Eine Überraschungs-Babyparty war der Grund für die Rückkehr. Die Söhne mit ihrem Ex-Mann Oliver Pocher (47) begleiteten sie.
Flashback in Kärnten
Bei einem Ausflug nach Krumpendorf erlitt sie einen regelrechten Flashback. Als sie an einer Bahnschranke hielten, erinnerte sie sich daran, dass sie sich mit 14 dort versteckt hatte. Auf die Frage von Lambert, wie oft sie denn davongelaufen sei, sagt Aly: „Mal wurde ich rausgeworfen, mal bin ich abgehauen.“ Sie erzählt weiter: „Das ging ja schon seit ein paar Jahren dieser Beef, immer wieder dieses Aneinandergeraten. Das war wirklich sehr, sehr viel. Und mit 14 war dann irgendwann Schluss, dass ich gesagt habe, ich möchte nicht mehr. Und dann war ich weg.“
Auf einer nahegelegenen Polizeistation, wo sie nach ihrer Flucht auf ihre Mutter warten musste, nachdem die Polizei sie aufgegriffen hatte, habe sie ihren „ersten Nervenzusammenbruch“ bekommen, geweint, geschrien und Bauchkrämpfe gehabt. Sie erinnert sich, dass ihre Mutter und ihr Stiefvater sie nicht mit nach Hause genommen hätten, als die Polizei fragte, ob sie die Nacht daheim verbringen könne. Das war bevor sie ins Kriseninterventionszentrum gebracht wurde.
Dort verbrachte sie ein halbes Jahr, bis ein Platz im betreuten Wohnen für sie frei wurde. Außerdem erzählt sie: „Einmal habe ich sogar in einer Jugendnotschlafstelle geschlafen, das ist ein Obdachlosenheim für Jugendliche.“ Dort konnte man nur schlafen und musste morgens um halb acht wieder gehen. „Das war mein Tiefpunkt.“
Hunger machte sie zur Diebin
Wenn sie von daheim weglief, schlug sie sich im Nachbarort mithilfe einiger Freunde durch. „Dann habe ich da auch mal in einer Garage von einem Kumpel geschlafen, weil die Eltern nicht sehen durften, dass ich da bin, oder auch mal durchgemacht im Park.“
Der Hunger trieb sie auch zum Äußersten: „Ich habe auch – das kann ich jetzt erzählen, ich hoffe, das ist verjährt – von einem Supermarkt Schokolade geklaut. Ich hatte ja kein Geld, ich hatte nichts zu essen.“ Frische Wäsche hatte sie von Freunden bekommen, erzählt sie deutlich berührt.
Im Tal der Tränen
An der Bahnschranke in Krumpendorf übermannten sie also ihre Gefühle: „Ich habe so angefangen zu weinen, weil das so krasse Erinnerungen sind an eine (…) wirklich schwierige Zeit. “Dennoch empfand sie neben der Wut und Trauer auch „so viel Segen“: „Weil ich gesagt habe: Guck mal, du sitzt hier im Auto, mit deinen Kindern auf dem Rücksitz, baust grad ein Haus, hast dein Leben im Griff. Das war so ein krasser Moment, das war wie eine Erlösung, wie ein Loslassen“
Als Paula Lambert bei den Erzählungen mit den Tränen kämpft, kullern auch bei Amira Aly die Tränen. „Wir hatten so viel Kampf alle zusammen – Mama, Stiefvater und ich. Es ging einfach nicht“, sagt Aly. Auch wenn es für ihre Mutter nicht leicht sei, dass sie in der Öffentlichkeit darüber spricht, „aber es gehört nun mal zu mir“.
Auch ihr Bruder rebellierte
Bis Aly zehn war, war ihre Mutter alleinerziehend und ohne Unterhaltszahlungen für sie und ihren Bruder. Der Vater verließ die Familie als sie drei war und ging zurück in seine Heimat Ägypten. Ihre Mutter musste mehrere Jobs annehmen und arbeitete sogar nachts.
Als ihr Stiefvater in ihr Leben kam, war es anfangs harmonisch, erst später hätten die Konflikte begonnen. „Wir haben einfach nur gestritten.“ Auch ihr Bruder habe „rebelliert“ und sei zwei Jahre vor ihr in ein Jugendheim gegangen. Heute verstehe sie ihre Mutter, die wieder schwanger war und Angst hatte, „dass sich alles wiederholt“ und sie wieder ein Kind alleine großziehen muss.
„Wir sind eine Familie, wir lieben uns“
Mittlerweile haben sie die Vergangenheit hinter sich gelassen. „Wir haben uns schon 1000 Mal ausgesprochen und wir haben alle unsere Fehler eingesehen. (…) Wir sind eine Familie, wir lieben uns.“
Aly sei dankbar für alles, was sie erlebt hat. Dennoch hinterließ ihre Vergangenheit Spuren: „Jeder kennt meine Narben. Ich werde sehr oft darauf angesprochen, dass ich mich auch sehr viel selbst verletzt habe.“ Die Erfahrungen hätten sie geprägt und gestärkt: „Ich weiß, was ich aushalten kann. Ich glaube, hätte ich das alles so nicht erlebt, hätte ich gewisse Dinge heutzutage nicht überlebt.“