Sie ist eine der bekanntesten TV-Richterinnen im deutschsprachigen Raum und bereits seit mehreren Jahrzehnten aktiv: Barbara Salesch. Am Montag feiert die Deutsche ihren 75. Geburtstag und ans Aufhören denkt sie nicht. „Solange mir mein Fernsehrichterinnenleben Spaß macht und die Zuschauer mich gerne sehen, denke ich nicht an Rückzug“, sagte die in Ettlingen bei Karlsruhe aufgewachsene Salesch den „Badischen Neuesten Nachrichten“ (Samstag).

Jede Woche überarbeite sie mehrere Drehbücher und habe zwei Drehtage. „Die jungen Kolleginnen und Kollegen halten mich gerne auf Trab“, sagte die 74-Jährige der Zeitung. Die Gerichtsshow „Barbara Salesch - Das Strafgericht“ ist seit 2022 als Neuauflage nach jahrelanger Unterbrechung bei RTL zu sehen. Das rote Haar ist noch immer ihr Markenzeichen und soll auch nicht geändert werden. „Ich bin noch eitel genug, auf der roten Schiene weiterzumachen“, sagt sie der „Bild“-Zeitung. „Ich muss alle vier Wochen zum Nachfärben.“

Salesch löste Gerichtsshow-Boom aus

Salesch hatte von 1999 bis 2012 bei RTL-Konkurrent Sat.1 für Recht und Ordnung gesorgt, nach 2147 Folgen war Schluss. Die gebürtige Karlsruherin begründete das Gerichtsshow-Genre in Deutschland und löste einen regelrechten Boom aus. Noch vor ihrem Comeback bei RTL sagte sie, dass sie in den Jahren zwischen den Sendungen „nicht unterbeschäftigt“ gewesen. Sie hat ein altes Bauernhaus in Ostwestfalen gekauft, eine Galerie eingerichtet, sich einen Hund - die irische Wolfshündin Piri - zugelegt und unterrichtet Kinder in Kunst. Während der TV-Pause hat sie mit über 60 Jahren ein Kunststudium begonnen, sie stellt ihre Kunstwerke auch aus. Die Hündin ist es auch, die sie privat auf Trab hält. „Sie zwingt mich raus und bringt mich zum Laufen. Ich wünschte, ich würde mehr für meine Gesundheit tun, aber ich bin eine faule Socke.“

Fälle von Salesch sollen auf „wahren Begebenheiten“ basieren

Vor dem TV-Comeback hat sie sich auch nochmals in juristische Unterlagen vertieft. „Ich habe mir neue Gesetze angeschaut. Ich habe auch die Entwicklungen in der Strafprozessordnung nachgesehen. Da ist einiges dazugekommen, gerade was neue Medien betrifft.“

Nach RTL-Angaben sollen vor Saleschs Richterpult Geschichten erzählt werden, die auf wahren Begebenheiten basieren. Dabei spielten auch „moderne Beweismittel“ wie Smartphone-Videos, Sprachnachrichten und Chat-Verläufe eine wichtige Rolle. Unterhaltung werde ebenso geboten wie ein moralischer Kompass. Die Fälle sind erneut gespielt, sollen aber auf „wahren Begebenheiten“ basieren. Raub, Stalking, Brandstiftung, Diebstähle, Körperverletzung und vieles mehr. „Die einzige Eintrittskarte, die man braucht, um zu mir zu kommen, ist eine Straftat“, sagt sie.

Salesch: „Fernsehen bildet nicht den Alltag ab“

Die von Kollegen mitunter vorgebrachte Kritik, sie banalisiere die ehrwürdige Institution des Strafprozesses, perlt weiterhin an ihr ab. „Fernsehen bildet nicht den Alltag ab. Das sage ich auch den Kritikern des Formats immer. Und ich sage ihnen: Seid doch froh drum.“ Recht könne man auch mit der Unterhaltung vermitteln. „In 44 Minuten habe ich jemanden verurteilt oder freigesprochen.“