Andreas Gabalier gibt dem ORF ein Interview auf Englisch. Klingt seltsam und unglaubwürdig? Ist es auch, denn das Gespräch das derzeit die Runde macht, ist gefälscht. Betrüger haben die Stimme Gabaliers dazu benutzt, um ein Interview mit dem Musiker zu fälschen, in dem er Anlagetipps für Krypto-Investments gibt. Veröffentlicht wurde die Transkription des Gesprächs auf einer Seite, die der Website von orf.at stark ähnelt.
Hinter dem gefälschten Interview in der gefälschte Seite steckt eine bekannte Betrugsmasche: Voice Cloning. Durch kurze Audioaufnahmen – nicht länger als zehn Sekunden – kann die Stimme einer Person geklont werden. „Betrüger können durch “voice cloning„ (Stimmen klonen) Personen einfach alles sagen lassen“, erklärt Sandra Pöheim von „Watchlist Internet“. Tools, die die Masche möglich machen, gebe es im Internet bereits zuhauf – manche sind bezahlpflichtig, manche kostenlos.
Voice Cloning als neue Betrugsmasche
Vor allem im Anlagebetrug sei die Masche derzeit verbreitet. „Es werden Webseiten von Nachrichtenmedien, beispielsweise der ZiB, nachgebildet, auf denen Prominente zu Investitionen in dubiose Finanzgeschäfte aufrufen“, sagt Pöheim. In Österreich sind vor allem die Stimmen von Armin Assinger, Mirjam Weichselbraun, und Alexander Van der Bellen im Visier der Betrüger. Sie stehen selbst freilich in keinem Zusammenhang mit der Masche. Nun hat es eben auch Gabalier erwischt.
Langfristig könnte „voice cloning“ aber auch den Enkeltrick auf eine nächste Stufe heben. „Je besser diese Tools werden, desto breiter können sie eingesetzt werden, beispielsweise auch dadurch, dass die Stimmen von Angehörigen gefälscht werden“, sagt Pöheim. Das sei zwar aufwendiger, aber dennoch eine lukrative Betrugsmasche.
Noch stößt die KI jedoch an ihre Grenzen. Derzeit hätten die Tools in Österreich demnach noch große Probleme mit dem Dialekt und wirken nicht authentisch. Im englischsprachigen Raum oder auch in Deutschland sei das Problem daher schon größer.
Darauf verlassen dürfte man sich jedoch nicht. „Die KI entwickelt sich rasant weiter – langfristig wird sie wohl auch steirisch und österreichisch lernen“, sagt Pöheim.