Leitartikel „Effizienz ist Pflicht“, „Facharzttermin nur mit Überweisung?“, 25. 4.
Die Sinnhaftigkeit der Umwandlung der einzelnen GKK in eine ÖGK durch die türkis/blaue Regierung Kurz I war von Anfang an für manche nicht nachvollziehbar und die Ankündigung der „Patientenmilliarde“ hat sich nach Aussage der ehemaligen FPÖ-Gesundheitsministerin Hartinger-Klein als „Marketing-Schmäh“ herausgestellt. Was hat sich für den Patienten zum Guten verändert? Nichts! Die Wartezeiten bei Ärzten und Ambulatorien sind endlos, eine Terminanfrage bei niedergelassenen Ärzten wird oft mit „wir nehmen keine neuen Patienten“ beantwortet.
Und nun die „Steuerung der Patientenströme“. Großartig! Haben die Erfinder dieser schon nachgedacht, dass das Verhältnis/Vertrauen zwischen Arzt und Patienten das Um und Auf im Diagnosebereich ist? Es gibt keinen Beruf, wo das wichtiger ist. Beispiel: ein Herzpatient, der von seinem Facharzt jahrelang erfolgreich behandelt wird, keine anderen Beschwerden hat, muss sich nun einen Hausarzt suchen, zu dem er null Beziehung hat, mit zig Befunden beim Erstbesuch, der ihn erst wieder zum vertrauten Facharzt „überweisen“ muss. Man wartet auf den Termin beim Hausarzt, bekommt die Überweisung und wartet dann wieder wochenlang auf einen Facharzttermin. Ah, da gibt’s ja noch die Telefonnummer 1450 – schon einmal probiert, dort durchzukommen? Und wenn, dann wird man an die Ambulanz oder den Hausarzt verwiesen.
Alles sehr durchdacht, und der Zugang zum Medizinstudium wurde auch erschwert. Quo vadis, Patient?
Bernhard Zitter, Klagenfurt
Steiniger Weg
Jetzt hat die ÖGK scheinbar den „Stein der Weisen“ in einer Reform des Gesundheitssystemes gefunden. Stufe 1: Telefon: 1450, Stufe 2: Hausarzt oder Primärversorgungszentrum (PVZ), Stufe 3: Facharzt oder Spitalsambulanz. Klingt klar, hat aber meiner Meinung nach zu viele Tücken und Möglichkeiten einer Fehlleitung und Zeitverzögerung. Als langjähriger Spitalsarzt, vom Assistenzarzt bis zum habilitierten Klinikordinarius und Universitätslehrer sehe ich in diesem Stufenplan größte Gefahren: Ist die Diagnosestellung durch einen Laien, selbst bei Unterstützung durch Computersysteme und KI ausreichend? Sind die Angaben des Anrufers aussagekräftig? Wer haftet bei einer Fehlleitung des Patienten für etwaige akute Schäden, Therapieverzögerung, usw. und mögliche Langzeitfolgen? Darüber wurde vonseiten der ÖGK nichts öffentlich kommuniziert.
Dann auf zum Hausarzt, wiederum Zeit- und Therapieverzögerung. Hier besteht erst die erste Möglichkeit, einen kranken Menschen in seiner Ganzheit zu untersuchen, den Zustand nach medizinischem Wissen zu beurteilen und nötige therapeutische Schritte einzuleiten bis hin zur Spitalseinweisung.
Ein steiniger Weg für die Patienten, mit nur einer Absicht der ÖGK, unser einst hervorragendes Gesundheitssystem billiger zu machen, Personal einzusparen, bei gleichzeitigem Aufblähen des Verwaltungsapparates, was ja auch die Wiedereinführung der völlig antiquierten Überweisungszettelpraktik bestens beweist. Wann wird man bei der ÖGK begreifen, dass zur Beurteilung einer Erkrankung des Menschen auch die fünf Sinne eines bestens medizinisch ausgebildeten Personals gehören?
Em. Univ. Prof. Dr. Günther Schimpl , Graz
Stationen beten
Es ist sehr positiv zu bewerten, dass alle Institutionen bemüht sind, eine vernünftige Lösung zu finden. Vielleicht sollte man einmal die Überlegungen beim Kranken bzw. Patienten ansetzen. Vielfach haben diese mit mehreren Beschwerden zu kämpfen. In einem Akutfall stellt sich die Frage, wohin ich mich wenden soll. Hausarzt? Überlastet, kein Termin ... Facharzt? Bin ich in der Lage, zu erkennen, welcher für diese Beschwerden zuständig ist? 1450 anrufen? Viel Glück, ist eine Leitung frei, dann muss die ganze Krankengeschichte heruntergebet werden, ein ganzer Fragenkatalog wird abgearbeitet. Am Telefon sitzt kein Arzt; kann diese Person erkennen, welche Empfehlung er dem Kranken geben kann? Schickt man nun einen Arzt, beginnt das Prozedere von vorne, Krankengeschichte und Protokollierung, danach stellt sich wieder die Frage, Hausarzt, Facharzt oder Krankenhaus? Im Krankenhaus aber, siehe vorher, Krankengeschichte, Protokoll, nach stundenlangen Schmerzen erfolgt vielleicht eine Diagnose.
Vor Jahren hat man die Plattform ELGA eingerichtet, warum gibt es dabei noch immer die größten Probleme, immer wieder hört man die Aussagen wie „ich darf nicht Hineinschauen“, „wir dürfen dort nichts speichern“. Es geht doch um den Kranken mit seinen Schmerzen, dem Arzt stünden sofort Informationen zur Verfügung. Vorschlag: eine Liste erstellen, sukzessive Abarbeit, ELGA sofort modernisieren, Zugriffs- und Speicherungsrecht sofort klären und dazu die Datenschützer um kooperative Mitarbeit ersuchen. Eins muss klar sein, der kurze Weg ist letztendlich die Krankenhaus-Notaufnahme!
Alois Kummer, Feldkirchen
Kein Vorteil
Ich warte heute mehrere Tage auf einen Hausarzttermin. Dann warte ich oft Stunden im Wartezimmer (Ansteckungsgefahr), nur um eine Überweisung zum Facharzt zu bekommen. Dann warte ich wieder einige Zeit, bis ich einen Termin beim Facharzt erhalten habe, um mein gesundheitliches Problem lösen zu können. Abgesehen davon, dass dadurch viel - möglicherweise wichtige - Zeit verloren geht, entstehen der Kasse jedenfalls zusätzlich Kosten für den Hausarzt. Ich bin der Meinung, dass man hier auf falschem Wege versucht, Einsparungen zu erzwingen, da diese sogar kontraproduktiv sein werden. Abgesehen davon, haben wir schon heute viel zu wenig Hausärzte und werden oftmals als Neupatienten abgewiesen, da die Kapazität bei den Hausärzten meist erschöpft ist. Und eine Überweisung in eine Spitalsambulanz ist gerade im ländlichen Raum oft mit weiten Anfahrtswegen verbunden, die im Bedarfsfalle mit Krankentransporten zurückzulegen sind und die Kassen zusätzlich viel Geld kosten.
Aber es ist wohl eine österreichische Sitte, jene Dinge, die gut eingelaufen sind und gut funktionieren, durch Änderungen zu erneuern, die aber meist keinen Vorteil bringen.
Hannes Loos, Purkersdorf