„Landeshymne in Verfassung? Slowenien warnt Steiermark“, 13. 1.
Die neue Landesregierung zeigt gleich beim ersten Thema ihr wahres Gesicht und irritiert unsere Nachbarn. Und noch schlimmer: Das Thema Landeshymne geht an den Problemen, Sorgen und Bedürfnissen der Bevölkerung um 180 Grad vorbei. Sinnloser geht Politik wirklich nimmer! (Was aber nicht wirklich überrascht.) Es gäbe genug zu tun, womit den Steirerinnen und Steirern gedient wäre: Arbeitsplätze, Gesundheitssystem, Preise für Lebensmittel und Energie, Infrastruktur etc.
Und wenn alle anderen Themen abgearbeitet sind, kann man sich über die Hymne Gedanken machen.
Mag. Peter Redl, Graz
Zeit für Veränderung
Als ehemaligem Geografielehrer hat mich der Text in unserer Landeshymne schon immer gestört. Die Drau und die Save fließen schon seit über 100 Jahren nicht mehr durch die Steiermark und niemand hat bisher daran Anstoß genommen, dass sie noch immer besungen werden. Die Abtrennung der damaligen „Untersteiermark“ hat damals viele schmerzhaft getroffen, aber sie wurde akzeptiert. So sollten wir heute auch akzeptieren, dass der Text endlich zu ändern wäre. Ich stimme dem Europarechtler Paul Gragl von der Karl-Franzens-Universität Graz zu, nicht weiter in der Vergangenheit zu verharren, sondern einen landesweiten Wettbewerb zu starten, um einen zeitgemäßen Text zu verfassen.
Spontan fiel mir – als Ansporn für weitere Ideen – folgender Text für die erste Strophe ein: „Hoch vom Dachstein an zum Ausseer Land bis zum Thermenland in Süd und Ost, vom Gesäuse drob'n mit manch schroffer Wand bis zum Hügelland mit Wein und Obst. Dieses schöne Land …“
Franz Spenger, Seckau
Heftige Irritation
Der Vorstoß der FPÖ, die Landeshymne gesetzlich zu verankern und so zu schützen, verursacht nicht nur in Slowenien, sondern auch bei mir (und hoffentlich vielen anderen auch) heftige Irritationen.
Der Text ist aus meiner Sicht ohnehin literarisch schwach, dazu inhaltlich inkorrekt und provozierend, die Melodie für die meisten Steirer unsingbar. Es ist daher höchste Zeit für eine zeitgemäße, singbare Hymne und nicht für revanchistische Spielchen und Provokationen!
DI Bernhard Dröscher, Weißkirchen
Andere Probleme
Mario Kunasek – populistisch wie erwartet. Auch die Steiermark hat andere Probleme als eine nicht mehr zeitgemäße Landeshymne in die Verfassung aufzunehmen! Was ist mit den Millionen für die Planung des Leitspitals, die bereits ausgegeben wurden, welche Lösungen haben Sie für den Pflegenotstand, für fehlende Kinderbetreuungsplätze, was tun Sie gegen die Bodenversiegelung, was ist Ihr Plan für den Klimaschutz? Ablenken ist alles!
Gabriele Wallner, Bruck an der Mur
Entbehrliche Kritik
Die Kritik aus Laibach halte ich für entbehrlich. Wird doch das Gebiet um Marburg, Cilli und Pettau noch immer (von ihren Bewohnern) als Spodnja Štajerska (Untersteiermark) bezeichnet. Vor nicht allzu langer Zeit hat Slowenien seinen Hopfen als „steirischen Hopfen” bezeichnet und sich diesen Begriff durch die EU bestätigen lassen (zum Ärger der südsteirischen Hopfenbauern).
Es ist schon länger her, da konnte man in Marburg noch ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Hvala bogu, da sem Štajerec” (Deutsch: Gott sei Dank, dass ich ein Steirer bin) kaufen. Also, was soll's.
Karl Neubauer, Leutschach
Nachbarschaftsstreit
Kaum ist Mario Kunasek im Amt, muss er sich schon mit dem Nachbarn anlegen. Es ist bis jetzt so gegangen und auf einmal muss die Hymne in die Verfassung aufgenommen werden. Ich möchte wissen, was er sagen würde, wenn es umgekehrt wäre? Da hätte er sicherlich auch keine Freude mit deren Reaktionen.
Wir haben so viele Probleme, dass es einem graust, und dann das.
Gertrude Fassel, Eggersdorf
Aktualisierter Text
Hat die neue Landesregierung keine anderen Sorgen, als ein Lied, unsere steirische Landeshymne, die es schon fast 200 Jahre gibt, in der Verfassung zu verankern? Wozu? Um damit unseren Nachbarn Slowenien zu verärgern? Was will die Landesregierung damit bewirken oder „sicherstellen“? Dass der Text seit mehr als 100 Jahren nicht mehr aktuell ist, wissen wir alle, und trotzdem wurde dieses Lied, obwohl die Untersteiermark zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu uns gehörte, im Jahre 1929 zur steirischen Landeshymne erhoben.
Hat der Herr Landeshauptmann Sorge, dass die steirische Bevölkerung diese Hymne nicht mehr singt oder entsprechend würdigt? Als ehemalige Volksschullehrerin war es für mich selbstverständlich, spätestens in der vierten Klasse sowohl die Landeshymne als auch die Bundeshymne den Kindern beizubringen. Natürlich musste auch eine geschichtliche Aufklärung vorausgehen, weil die Kinder sonst den Inhalt nicht verstanden hätten.
Die „Erfindung“ einer neuen Landeshymne mit aktualisiertem Text könnte ich eventuell verstehen. Die neue Landesregierung wäre aber gut beraten, die großen Probleme in der Steiermark – Soziales, Gesundheit, Bildung, Sicherung von Arbeitsplätzen – zu behandeln und die steirische Landeshymne dann zu singen, wenn wieder eine öffentliche Einrichtung eröffnet wird. Und zwar alle Strophen auswendig, nicht nur die erste!
Johanna Eckart, St. Radegund
Unnötiger Streit
Dass sich der neue steirische Landeshauptmann gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit einem symbolpolitischen Projekt so unnötig intensiv beschäftigt, dass er sogar mit den slowenischen Nachbarn auf Konfrontationskurs geht, passt ziemlich genau in die freiheitliche Ideologie.
Herr Landeshauptmann, ich frage Sie: Haben Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit keine anderen, prioritären Aufgaben innerhalb der derzeit gültigen Grenzen des Steirerlandes zu erledigen, als die Landeshymne in die Landesverfassung zu nageln? Darf ich Ihnen vielleicht einige wichtigere Aufgaben nennen, die ohne Verzögerung zu erledigen sind? Sofortige Reformen des bankrotten Gesundheitssystems, Personalmangel im Schulwesen, Gesundheitswesen, Alterspflege, ...
Wenn Sie sich vorrangig nur um die von mir genannten Bereiche ehebaldigst bemühen würden, werden Sie bis auf Weiteres keine Zeit mehr haben, sich mit unseren Nachbarn unnötig zu streiten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein baldiges gutes Gelingen.
Arnold Praschl, Ilz
Ewig gestrig
Wie kann man nur auf die Idee kommen, eine Landeshymne mit einem unpassenden Text in der Landesverfassung zu fixieren? Das ist unverständlich und peinlich! Bereits 2004 hat der Steirische Sängerbund eine Neufassung mit einem geänderten Text und einer leicht veränderten Melodie (große Höhe am Schluss, die keiner singen kann) vorgelegt. Das wäre es wert gewesen, dass man sich damit beschäftigt.
Josef Kleinhappl, Mitterdorf an der Raab
Historische Landschaft
Es ist den Kritikern der jetzigen Landeshymne entgangen, dass im jetzigen Slowenien die historische Landschaft Untersteiermark heute Spodnja Štajerska, slovenska Štajerska oder nur Štajerska heißt. Die Steiermark ist größer als nur bis zur Landesgrenze bei Šentilj (Deutsch: Sankt Egidi; auch: Sankt Ilgen).
Ähnliches gilt auch für Kärnten: Slowenisch Kärnten (Koroška): von der Staatsgrenze bis einschließlich Dravograd (Unterdrauburg) sowie das dort einmündende Mießtal, das Jezersko (Seeland), oberhalb von Kranj (Krainburg). Nach 1945 wurden die Orte Guštanj (Gutenstein) und Črna (Schwarzenbach) in Ravne na Koroškem bzw. Črna na Koroškem („in Kärnten“) umbenannt.
Norbert Prohaska, Wien