Turbulent geht es zur Zeit in Edgar Wernbachers Archestall in St. Barbara im Mürztal zu. Von Ruhe und Entspannung ist bei den Schafen und Ziegen nichts zu spüren. „Das ist ganz normal. Wir haben ja auch Nachwuchs bekommen“, erklärt Wernbacher.

146 Tiere bevölkern den lichtdurchflutet Stall, darunter 17 Lämmer. Und die Kleinen machen ordentlich Radau. Sie springen umher, necken einander und machen es sich schon einmal auf dem Rücken ihrer älteren Artgenossen gemütlich. Die nehmen das gutmütig hin.

„Dieser Anblick ist immer ganz besonders. Wie die Bremer Stadtmusikanten, einfach herrlich“, sagt Wernbacher und streicht einer fünf Tage alten Blobe Ziege über den Kopf.

Ein Leben ohne Schafe - unvorstellbar

Ein Leben ohne seine Tiere kann er sich schon lange nicht mehr vorstellen. Dabei hat seine Leidenschaft zu Schafen ganz harmlos und unverhofft begonnen. „Gefallen haben mir die Tiere immer schon. Zu meinem 40. Geburtstag vor zehn Jahren habe ich dann zwei Walliser Schwarznasenschafe geschenkt bekommen“, so der Besitzer eines Trachtenmodegeschäfts.

Inspiriert durch die zwei neuen Mitbewohner war es dann bei einer Versteigerung kurz darauf um ihn geschehen. „Bei einem Alpinen Steinschaf aus Tirol war es Liebe auf den ersten Blick“, erinnert er sich. Dass dann alle 120 Tiere des Tiroler Züchters bei ihm ein neues Zuhause gefunden haben, sieht Wernbacher als Fügung des Schicksals. „Manchmal passieren Dinge ganz unverhofft. Aber das sind die Gelegenheiten, die das Leben so schön bunt machen“, sagt Wernbacher.

Schafzüchter Edgar Wernbacher
Keck und abenteuerlustig sind Ziegen - da ist Langeweile ein Fremdwort
© Katarina Paller

Keck und abenteuerlustig

Ganz schön bunt ist mittlerweile auch die Herde. Neben Walliser Schwarznasenschafe und Alpinen Steinschaf haben Blobe Ziegen ihren Platz auf dem Archehof gefunden. „Die Blobe Ziegen sind keck und abenteuerlustig. Vom Naturschutzbund wurden sie heuer zu den Nutztieren des Jahres gekürt. Die Wichtigkeit des Erhalts der Rasse ist also gegeben“, sagt er mit Nachdruck.

Dass der Trend hin zum Züchten von seltenen Rassen geht, spürt er immer wieder. Besucher haben oft nicht nur Interesse an einem Spaziergang durch die Tiererlebniswelt, sondern wollen am liebsten gleich ein Tier mit nach Hause nehmen. „Immer wieder werde ich gefragt, ob ich meine Tiere nicht auch für ein paar Monate vermieten würde. Das lehne ich aber stets ab“, sagt Wernbacher zum Stichwort „Rent a Sheep“. Pflege, Fürsorge und Schutz der Tiere kann und will er nicht in fremde Hände legen. „Der Idee, Nutztiere zu vermieten, kann ich grundsätzlich einiges abgewinnen. Aber die Umsetzung ist schwierig. Der Umgang will schließlich gelernt sein“, so Wernbacher.Links der Redaktion (67ada110)