Bei der „Rose von Görz“ denkt man unweigerlich an eine Rose voll Duft und intensiver Farbe. Die „Rose von Görz“ trägt tatsächlich intensives Rot, doch sie ist essbar und gehört zur Familie des Radicchio. Sie hat gegenüber der gelben Sorte Canarino einen leicht bitteren, intensiven Geschmack und wird von Feinschmeckern hoch geschätzt. Doch man kommt nicht nur wegen der Görzer Rose in die Stadt am Isonzo. Obwohl die Stadt so viel Interessantes bietet, wird sie bei Besichtigungstouren   oft vernachlässigt, was sie keineswegs verdient hat.

Wegen der besonderen geografischen Lage hat es immer schon ein Aufeinandertreffen romanischer, slawischer und germanischer Kulturen in Görz gegeben. In einem Dokument wurde Görz erstmals im Jahr 1001 erwähnt. Ab dem Jahr 1117 war die Burg vier Jahrhunderte lang Sitz der   Grafen von Görz, deren Einflussgebiet sich von Tirol und Kärnten bis an die Grenzen Kroatiens erstreckte. Später ging Görz an die Habsburger, unter deren Rechtssprechung die Stadt bis zum Ende des Ersten Weltkriegs blieb. Eine kurze Ausnahme waren die Besatzungszeiten durch Venedig und Napoleon.

In der jüngeren Geschichte musste die Stadt Schlimmes erleiden: Nach dem Friedensvertrag von 1947 wurde sie zwischen Jugoslawien und Italien aufgeteilt. Görz und Nova Gorica waren lange Jahre durch eine Mauer längs der Grenze getrennt. Erst mit dem Beitritt Sloweniens zur EU, im Jahre 2004, wurde die „letzte Grenze“ Osteuropas aufgehoben. Heute kann man auf der Piazza Transalpina frei umhergehen, mit einem   Fuß auf italienischem Staatsgebiet stehen, mit dem anderen in   Slowenien. Zu sehen ist noch der Grenzstein Nr. 57/15 aus weißem   Marmor. Das Mosaik auf dem Fußboden übernimmt symbolisch die Zahl des Grenzsteins. Überall in der Stadt sind die Spuren und der Geist einer langen Habsburger-Vergangenheit sichtbar. Das Habsburger Bürgertum   liebte Görz, sein mildes Klima, das Palmen und zahlreiche exotische   Pflanzen gedeihen ließ. Es ist kein Zufall, dass man die Stadt das „Österreichische Nizza“ nannte. In den bezaubernden Parks, wie dem Parco Piuma am Fluss Isonzo, dem Park des Palazzo Coronini Cronberg – der Hunderte Bäume aus der ganzen Welt zur Schau stellt –, und dem Parco Viatori lässt es sich stundenlang lustwandeln und man bekommt   eine Ahnung, wie beschaulich es damals zu Kaisers Zeiten zugegangen   sein muss.
Die zahlreichen Palazzi der Stadt tragen klingende Namen: Palazzo della Torre, der 1753 vom ersten Görzer Erzbischof Carlo Michele d’Attems in Auftrag gegeben wurde. Graf Giuseppe della Torre hat ihn im 19. Jahrhundert restauriert. Heute ist er Sitz prestigeträchtiger Ausstellungen. Der Palazzo Werdenberg wurde von den Jesuiten als Kulturzentrum   auserwählt. Die prunkvolle Freitreppe, 1704 erbaut, gehört zu den renommiertesten Werken der Görzer Barockkunst. Heute ist es der Sitz der staatlichen Bibliothek Isontina. Der Palazzo Attems-Petzenstein   wurde im 18. Jahrhundert für die Adelsfamilie Attems nach einem Projekt des Architekten Nicolò Pacassi erbaut und ist ein Beispiel der Baukunst zwischen Barock und Rokoko. Ein außergewöhnliches Beispiel eines aristokratischen Görzer Wohnhauses ist der Palazzo Coronini Cronberg.   Erbaut auf dem Hügel von Grafenberg, gehörte er zuerst der Familie   Strassoldo und später den Grafen Coronini. Guglielmo Coronini verfügte   testamentarisch, dass das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte. Die Gemäldegalerie umfasst Werke von Tizian, Rubens, Vigée-Lebrun, Prospero und Lavinia Fontana. Herz und Wahrzeichen der   Stadt ist die Görzer Burg. Eintrittstor ist das Tor Porta Leopoldina, 1660 erbaut zu Ehren des Besuchs von Kaiser Leopold von Habsburg. Der älteste Teil ist der Palast der Grafen aus dem 13. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde der Palast der Landstände erbaut, in dessen Saal Sitzungen des Görzer Parlaments stattfanden. Heute sieht man dort perfekte Reproduktionen alter Instrumente, deren Klang man Dank moderner Technik heute wieder hören kann. Wie sehr die Stadt immer schon der Mode zugeneigt war, beweisen die Exponate in der Ausstellung  „Mode und Angewandte Kunst“ (Case Dornberg e Tasso). Kostbare Kleider aus Seide und edle Schmuckstücke, Keramiken aus dem 18. Jahrhundert begeistern nicht nur Modebewusste.

Die Stadt Görz erinnert aber auch an ein dunkles Kapitel der jüngeren   Geschichte: den Ersten Weltkrieg oder Grande Guerra. Am 24. Mai 1915 trat Italien an der Seite der Triple Entente in den Krieg ein. Im Gefolge des ersten Angriffs wird Friaul zum Schlachtfeld. Vor allem der Karst und der Isonzo wurden zu den verlustreichsten Fronten des Ersten Weltkriegs. Auf dem Gebiet, das die Provinz Görz, die friulanische Tiefebene, Grado und Aquileia umfasst, fanden die ersten sechs Isonzoschlachten statt.   Noch heute sind dort, wo die beiden Armeen einander gegenüberstanden, die Zeichen des Kriegs sichtbar. Daraus sind im Laufe der Jahre viele Freilichtmuseen entstanden. Die Besucher  können nachfühlen, was die   Soldaten empfunden haben, die in den Schützengräben lebten und starben. Zu den Erinnerungsstätten gehören zahlreiche Soldatenfriedhöfe, zum Beispiel die österreich-ungarischen Soldatenfriedhöfe in Aurisina und Fogliano. Am Soldatenfriedhof  in Redipuglia fanden mehr als 100.000 Gefallene ihre letzte Ruhestätte. Der Ara Pacis Mundis in Medea erinnert an die Gefallenen aller Kriege. Es ist ein Monumentalbau aus dem Jahr   1951. Zum Gedenken der gefallenen Soldaten hat man das Freilichtmuseum Monte San Michele, den Themenpark Erster Weltkrieg   in Monfalcone und das Freilichtmuseum Monte Calvario errichtet.

Das Gebiet rund um Görz zeigt sich heute wie ein Paradiesgarten. In den DOC-Weinbaugebieten Collio, Carso und Isonzo gedeihen die renommiertesten Weine (vor allem Weiße) Italiens. Von Görz bis   Cormons, von Gradisca d’Isonzo bis Grado breiten sich fruchtbare   Ebenen aus, es ist der Obst- und Gemüsegarten Friauls. Dunkelrote   Herzkirschen, rotwangige Marillen, saftige Pfirsiche werden hier geerntet und auf den Märkten verkauft. Die Markthalle Corso Verdi in Görz ist eine Wunderwelt für jeden Gourmet. Die Küche ist traditionell und   reichhaltig. Dazu gehören Schlackwurst (Salsicce) mit Sauerrüben, dicke schmackhafte Suppen mit Kartoffeln, Kraut und Bohnen wie die Jota im Karst. Eine Besonderheit sind die Gnocchi di Susine, gefüllt mit Pflaumen, mit Zimt und Zucker serviert. Man isst sie wahlweise als Vor- oder   Nachspeise. Sie schmecken himmlisch. Frico di Patate (Käse mit Kartoffeln   gebraten) oder Frittata, ein Omelette mit Kräutern, gibt es in jeder Osteria. Zu den traditionellen Süßspeisen gehören Apfelstrudel, die Görzer Potica oder der Presnitz – ein süßer Strudel mit getrockneten   Früchten und Nüssen. Österreich und Slowenien lassen grüßen.