Pordenone, eine Stadt, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Hier wimmelt es nur so von Vorzügen. Zum Beispiel wandelt man in der venezianisch anmutenden Stadt unter den längsten zusammenhängenden Laubengängen Europas – das Schlender- und Shopping-Erlebnis wird auch bei Schlechtwetter nicht getrübt. Die Stadt ist bekannt für ihre süßen Verführungen. Eis zum Zerschmelzen, Pralinen und Schokoladefiguren, Torten und Pasti sind hier zu Hause und aus Pordenone stammte einer der  brillantesten Freskenmaler seiner Zeit, Giovanni Antonio de’ Sacchis, besser  bekannt als „Il Pordenone“ (1483–1538). Pordenone, eine Stadt zum Erobern, zum Spazieren, Gustieren und Staunen – und das abseits des Trubels, den man von italienischen Städten gewohnt ist. Nahezu das ganze Zentrum ist für Fußgänger reserviert, die ungehindert die herrlichen Fassaden und Fresken bewundern können. Wiewohl schon etwas verblasst, zeugen sie immer noch von vergangener Herrlichkeit und reichem Prunk der Stadt. Pordenone ist im Fluss, kreativ und pulsierend und außerdem eine Stadt am Fluss. Noncello heißt er, an seinen Ufern lässt es sich herrlich flanieren und er spendet im Sommer Frische.

Die Geschichte von Pordenone (das antike Portus Naonis), hängt heute noch mit dem Noncello zusammen, der jahrhundertelang schiffbar war und dadurch zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt beigetragen hat. Wasserläufe haben in der Geschichte Italiens immer zu regem Austausch und zu friedlicher Kommunikation geführt. Im 18. Jahrhundert waren es die großen Baumwollspinnereien, Textilproduktionen und Töpferhandwerk, die das Fortkommen der Stadt unterstützten. Auch heute noch ist in der Provinzhauptstadt mit ihren 50.000 Einwohnern Wohlstand zu spüren. Während nach dem Zweiten Weltkrieg die Textilindustrie in eine tiefe Krise schlitterte, konnte die Stadt erfolgreich auf die Produktion von Haushaltsgeräten, Elektronik und Digitalisierung umsatteln. Daher blieb wohl auch Geld zur Restaurierung der herrlichen Altstadt mit ihren freskengeschmückten Palazzi. Auffallend sind die vielen jungen Menschen auf den Straßen, die in Cafés chillen und in Parkanlagen relaxen und die Abende fröhlich lärmend vor den Bars in den Lauben verbringen. Pordenone ist eine Universitäts-Stadt, das ist unverkennbar.
Wie die Seiten eines Buches erzählen die Fresken an den Fassaden und Laubengängen von der Geschichte der Stadt. Sie macht ihrem berühmten Sohn Giovanni Antonio de Sacchis‘, dem Freskenmaler der Renaissance, alle Ehre. „Il Pordenone“ war auch bekannt für seine farben- und facettenreichen Altarbilder. Die Madonna zwischen den Heiligen kann man heute noch im Dom von Pordenone bewundern, auch die Decken- und Wandmalereien in der Malchiostrokapelle des Doms zu Treviso sowie in der Kirche Madonna di Campagna in Piacenza stammen von dem großen Künstler. Seine Wandmalereien an Häusern und Kreuzgängen Venedigs sind allenthalben untergegangen oder halb verloschen. Der Spaziergang beginnt üblicherweise beim Alten Rathaus mit seinen originellen, gotischen Formen und dem Uhrturm. Er ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde zwischen 1300 und 1400 erbaut. Unübersehbar ist der romanisch gotische Glockenturm des nahen Doms, der knapp 80 Meter hoch ist und zu den schönsten Italiens zählt.

Dann beginnt schon der Corso Vittorio Emanuele II, die einstige Contrada Maggiore. Dabei darf man sich keine breite Prachtstraße vorstellen. Der Abstand zwischen den venezianisch anmutenden Arkaden ist gerade einmal ein paar Meter breit, breit genug, um die Laubengänge zu verlassen und vor den prächtigen Häusern und Pallästen von großem künstlerischen und architektonischen Interesse staunend zu verharren. Denn in den Lauben, die im Sommer vor der Hitze, im Winter vor Regen und Kälte schützen, taucht man ein in die bunte Welt des Konsums. Wunderbare Geschäfte mit Schuhen Made in Italy und moderne Boutiquen wechseln einander mit Cafés und Bars ab. Die meisten haben Tische und Sessel, umrahmt von Töpfen voller blühender Pflanzen, vor die Türe gestellt, damit die Gäste bei einem Spritz oder Cappuccino das bunte Treiben beobachten können. Wer sich in die schmalen Seitengassen wagt, wird reich belohnt: Nämlich mit einer erklecklichen Anzahl an Trattorien und Osterien, die mit frischen Köstlichkeiten von den Märkten, vom Land und dem Meer aufwarten.

Die legendären Leckereien der Peratoner Chocolateria sind eine Reflexion ihres Gründers Giuseppe Faggiotto. Er hatte eine Passion: die weltbeste Schokolade der Welt zu kreieren. Lässt man sich so eine gefüllte Praline auf der Zunge zergehen und schmeckt die zart schmelzende Schokolade mit allerlei feinen Füllungen, ist man versucht, diesem Anspruch Glauben zu schenken. Es beginnt schon bei der Auswahl bester Ingredienzien. Feinste Kakaobohnen aus den führenden Anbaugebieten der Welt werden im eigenen Schokolade-Labor in Pordenone zum Besten gemixt, was Geschmacksnerven erahnen können. Hier experimentieren und probieren Konditoren und Schokoladekünstler an immer neuen Rezepturen und Erfindungen in Sachen Schokolade und Pralinen. Peratoner liefert seine glücklich machenden Serotoninbomben in zahlreiche Zweigstellen in Italien, beispielsweise nach Südtirol und nach Triest. Über 35 Lokale, das älteste aus dem Jahr 1833, oder die elegante Caffetteria Caffè Municipio  aus dem Jahr 1870 findet man in der Stadt der Genüsse. Im Caffè Letterario auf der Piazza della Motta nimmt man nach dem Pranzo interessiert nen wunderbaren Kaffee ein und blickt direkt auf das ehemalige Konvent San Francesco. Es war den regionalen Köchen immer schon ein Anliegen, die Qualität der Produkte und der Speisen hochzuhalten und weiterzuentwickeln.

Slowfood im besten Sinn. Das Projekt Qucinando, so etwas wie eine Küchen-Akademie (Accademia di Cucina) sind der Beweis, dass man mit der Qualität der Speisen nicht spaßen lässt. Qucinando richtet sich nicht nur an Professionisten, sondern an alle Liebhaber guter Küche, an solche,  die an Kuriositäten und innovativer Küche eiinteressiert sind, an Kinder und Senioren. Qucinando organisiert Kochseminare, Schauküchen und Kochkurse verschiedenster Level. (Accademia Qucinando, Via Roveredo 2/e, Pordenone, info@qucinando.com, www.qucinando.com). Pordenone ist auch Veranstaltungsort der bekannten Lebensmittelmesse „Cucinare“ im Februar, wo vor allem Enogastronomie im Mittelpunkt steht. Die exzellenten italienischen Köche treffen dort ein, man organisiert Degustationen heimischer Produkte, veranstaltet Schau-Kochen, kleine Kochkurse und Produktpräsentationen vom Besten, was die Region zu bieten hat. Die Besucher schlendern von Stand zu Stand und kosten, gustieren und lernen viele Neuigkeiten kennen. Schwer bepackt mit Kostproben von Salami, Honig, Käse und Süßigkeiten kommt man dann zu Hause an. Dass man in Pordenone immer schon gut zu Essen wusste, zeigt die Jahreszahl an der Vecia Osteria del Moro, die aus dem Jahre 1833 stammt. Hier kann man die traditionelle venetisch friulanische Küche mit saisonalen Menüs bestellen, die von Hunderten Etiketten regionaler Weine begleitet werden. Ein typisches, traditionelles Gericht, das in die Slowfood-Liste aufgenommen wurde, ist La Pitina – geräuchertes Fleisch in Kugelform, das man 15 Tage lang reifen lässt und  dann roh verzehrt. Bekannt ist auch der Asino-Käse, der aus Vito
d’Asio stammt.