Handwerk, Bräuche, Traditionen Was ab jetzt zum immateriellen Kulturerbe der Unesco zählt

2020 wurden insgesamt 35 lebendige Traditionen neu auf die Liste des immateriellen Kulturerbes des Unesco gesetzt.

Die finnische Saunatradition wurde in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zum lebendigen Erbe zählt das Anheizen sowie die Bräuche und Traditionen, die mit dem Saunieren verbunden seien. Der Saunabesuch werde in Liedern besungen und sei Teil der Erzähltradition. 

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Ebenfalls neu auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit ist die nordböhmische Glasfirma Rautis aus Poniklá in der Liberecer Region, die sich ganz der traditionellen Produktion von Weihnachtsdekorationen aus Glas geblasenen Perlen widmet.

Patrik Borecky

Apropos Glasperlen: Für ihre ganz besondere Art der Herstellung, die auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, wurde auch Venedig ausgezeichnet.

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Auch die Uhrmacherkunst im französischen und schweizerischen Jura würde auf die Liste der besonderen Handwerkskünste gesetzt.

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Algerien, Marokko, Mauretanien und Tunesien werden für Couscous auf die Liste gesetzt. Das symbolträchtige Gericht wird mit Solidarität, Geselligkeit und Zusammengehörigkeit verbunden wird. Bei der Zubereitung kommen verschiedene Methoden und Werkzeuge zum Einsatz. Auch nicht-kulinarische Aspekte wie Rituale oder soziale Praktiken sind bei Zubereitung und Verzehr von Couscous bedeutend.

juliasudnitskaya/stock.adobe.com (Photographer:Julia Sudnitskaya)

Nar Bayrami ist ein Fest, das in Aserbaidschan jedes Jahr im Herbst stattfindet und den Granatapfel und seine Bedeutung für die Region in den Vordergrund stellt. Lokale Landwirtschaft und ländliche Gemeinden, die Granatäpfel anbauen und sammeln, sind besonders eng mit der Frucht verbunden. Symbolisch wird der Granatapfel mit Fruchtbarkeit und Fülle assoziiert. Lokale Legenden sehen ihn als Zeichen für Liebe und Leidenschaft, in der Religion gilt er auch als Symbol für die Ewigkeit.

M. RAGIMOV

Chamamé ist ein Tanzstil aus Argentinien, bei dem sich die zwei Tanzenden eng umarmen: Das Duo hält sich gegenseitig Brust an Brust und folgt der Musik ohne festgelegte Choreografie. Neben Violine und Vihuela gehören heute auch Gitarre, Mundharmonika, Knopfakkordeon und Kontrabass zu den Instrumenten, die bei der Chamamé in Argentinien gespielt werden.

Zulma Ruiz Cuevas-Aron R. Fisman, 2019

Miniaturen, wie sie in Aserbaidschan, dem Iran, der Türkei und Usbekistan Tradition sind, sind kleine Malereien, die mithilfe von Gold, Silber, Zinnober, Lapislazuli und anderen Substanzen auf Büchern, Pappmaché, Teppiche, Textilien, Wände oder Keramik aufgebracht werden. Minaturen zeichnen sich durch eine besondere Form der Perspektive aus, die ohne räumliche Tiefe arbeitet und sich dadurch von unserem zeitgenössichen Verständnis unterscheidet. So wird etwa die Größe von Figuren anhand ihrer Bedeutung bestimmt.

ARTiFEKSMEDYA CDO

Das Wettmähen von Kupres in Bosnien und Herzegowina findet jährlich im Juli statt. Ziel ist es, mithilfe einer Sense so schnell wie möglich die größte Menge Gras zu mähen. Der Wettbewerb, wo Menschen unabhängig von ihrer kulturellen, religiösen und ethnischen Identität zusammenkommen, ist für die Region rund um Kupres bis heute von großer Bedeutung.

Federal Ministry of Culture and Sport of Bosnia and Herzegovina

Taijiquan, auch Schattenboxen oder Tai Chi genannt, ist ursprünglich eine Kampfkunst aus China. Das System umfasst entspannte, kreisförmige Bewegungen und die Regulierung des Atems. Beeinflusst von daoistischen und konfuzianischen Theorien der traditionellen chinesischen Medizin, hat sich das Element in mehrere Stile entwickelt. Taijiquan baut auf dem Yin- und Yang-Zyklus und dem kulturellen Verständnis der Einheit von Himmel und Mensch auf.

Department of Culture and Tourism of Henan Province

Die Ong-Chun-Zeremonie in China und Malaysien wurzelt in der Verehrung einer Gottheit, die die Menschen und ihr Land vor Katastrophen schützen soll. Sie wird als Prozession mit Tänzen, Opernaufführungen und Puppenspiel entlang des Meers durchgeführt und ist vor allem rund um Minnan in China und Malakka in Malaysia verbreitet. Die Zeremonie ehrt die Harmonie zwischen Mensch und Meer.

Department of National Heritage, Malaysia

Mehr als zwei Drittel der Fläche Japans sind bewaldet. Die natürliche Ressource Holz spielt für den Bau neuer Gebäude und die Restaurierung bestehender Bauten traditionell eine bedeutende Rolle. Aufgrund des heißen und feuchten Klimas des Landes sind häufige Reparaturarbeiten an den Holzbauwerken nötig. Manchmal arbeiten Handwerksgruppen und die lokale Bevölkerung gemeinsam an der Instandhaltung.

Agency for Cultural Affairs, Japan

Bei dem in Kasachstan, Kirgisistan und in der Türkei verbreiteten Spiel Togyzqumalaq (Toguz Korgool, Mangala/ Göçürme) werden kleine Kugeln auf die Mulden eines Spielbretts verteilt. Ziel ist es, die meisten Kugeln zu sammeln. Die Wurzeln dieses traditionellen Strategiespiels lassen sich weit zurückverfolgen. Schriftliche Quellen erwähnen es bereits im 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Über die Jahrhunderte wurde das Spiel zwischen Alt und Jung weitergegeben. In jüngster Zeit wurden Apps für mobile Endgeräte entwickelt, um dieses traditionelle Wissen wach zu halten.

Togyzqumalaq Federation

Die Mbira, auch Sansi, ist ein traditionelles Instrument, das in Malawi und Simbabwe verbreitet ist. Es besteht aus einem Holzbrett mit darauf befestigten Metalltasten, die mit Daumen und Fingern gezupft werden. Dadurch entsteht ein perkussiven Klang. Ein wichtiges Merkmal der Mbira/Sansi-Musik ist ihr zyklischer Charakter: Dabei wird das Thema eines Stücks wiederholt und Strophe für Strophe geringfügig abgewandelt.

Museums of Malawi

Die Ftira ist ein Fladenbrot aus Sauerteig, das auf den Maltesischen Inseln verbreitet ist. Der halbierte Laib wird mit mediterranen Zutaten wie Olivenöl und Tomaten, Thunfisch, Kapern und Oliven gefüllt. Mit ihrem aus dem Arabischen abgeleiteten Namen spiegelt die Ftira-Kultur die Geschichte des kulturellen Austausches im Mittelmeerraum und auf Malta wider.

Kevin Sciberras

Terere ist ein Getränk, das durch den Aufguss besonderer Heilpflanzen, den Pohã Ñana, mit kaltem Wasser hergestellt wird. Das Getränk steht in enger Verbindung zu den Guaraní, der größten indigenen Bevölkerungsgruppe Paraguays. Terere wird häufig in Gemeinschaft getrunken. Herstellung und Genuß des Getränks sind bis ins 19. Jahrhundert belegt. Verschiedene Quellen deuten aber darauf hin, dass diese Praxis bereits in präkolumbianischen Zeiten bekannt war.

Sinthia Storm

Die traditionalle Weberei von Al Sadu wird von Beduinen in Saudi-Arabien und Kuweit betrieben und zeichnet sich durch die Verwendung von Naturfasern aus. Die Weberinnen entwickeln daraus ein dichtes, haltbares Textil. Die Muster spiegeln die Wüstenumgebung in ihrer einfachen, reinen Form wider. Die Webermeisterinnen spielen eine Schlüsselrolle bei der Weitergabe ihrer Fertigkeiten.

F. Al-Sabah

Die Töpferwaren aus dem serbischen Dorf Zlakusa werden aus Ton und Kalkspat hergestellt und die Drehscheibe wird ausschließlich von Hand betrieben. Der Prozess dauert sieben bis zehn Tage von der Vorbereitung der Tonmasse über die Formgebung, die Dekoration und die Endbearbeitung, bis hin zum Trocknen und Brennen. Die fertigen Gefäße werden mit geometrischen Ornamenten verziert. Die Töpferei ist eng mit dem Dorf Zlakusa und seiner Umgebung im Westen Serbiens verbunden.

Ethnographic Museum in Belgrade

Hawker sind Menschen, die traditionell umherziehen und ihre Speisen anbieten. Die heutige Generation der Hawker in Singapur bereitet ihre kulinarischen Angebote an festen Ständen in Hawker-Zentren an. Diese haben sich aus der Street-Food-Kultur entwickelt und dienen als Gemeinschaftsspeisesäle. Hier eröffnen sich Begegnungsräume, in denen Menschen mit unterschiedlichem sozioökonomischem Hintergrund zusammenkommen.

Vom 1. bis zum 3. Mai dreht sich in der spanischen Stadt Caravaca de la Cruz alles um Weinpferde, die in der Region eine wichtige Rolle für die traditionelle Weinproduktion spielen. Während des dreitägigen Fests finden jedes Jahr verschiedene Veranstaltungen und Rituale statt. Die Pferde werden mit bestickten Umhängen geschmückt und durch die dekorierte Stadt geführt. Einen Höhepunkt bildet ein Pferderennen hinauf zum Burghügel mit anschließender Preisverleihung.

Juan Francisco Morenilla/Morety

Ursprünglich ein religiöses Ritual zur Feier von Buddhas Geburt, hat sich Yeondeunghoe in Südkorea zu einem Frühlingsfest entwickelt. Die Straßen werden mit bunten Lotuslaternen behängt und Menschenmengen mit handgefertigten Laternen versammeln sich zu einer Parade. Das Entzünden der Laternen symbolisiert die Erleuchtung des Geistes durch die Weisheit Buddhas.

Oh Kyungtae/Korea

Die Charfia-Fischerei auf den zu Tunesien zählenden  Kerkenna-Inseln ist eine traditionelle, passive Fischfangtechnik. Ein Fischereisystem aus Palmwedeln wird in den Meeresboden eingelassen und bildet eine dreieckige Barriere. Von der Ebbe herangezogene Fische landen in angeschlossenen Fangkammern und Netzen. Charfias werden zeitlich begrenzt eingesetzt, sodass sich marine Lebewesen regenerieren können.

Institut National du Patrimoine

Al Aflaj ist ein traditionelles Bewässerungssystem in den Vereinigten Arabischen Emiraten, das unterirdische Tunnel nutzt, um Wasser über weite Strecken von einer unterirdischen Quelle zu einem Becken zu leiten. Das Wasser fließt mit allmählichem Gefälle vom Hochland ins Flachland. Die unterirdischen Tunnel garantieren eine geringe Wasserverdunstung. Die Mitglieder der Gemeinschaft halten Al Aflaj instand und befreien die Tunnel regelmäßig von Schlamm.

Department of Culture and Tourisme, United Arab Emirates

Die Kamelrennen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Oman finden auf speziell angelegten Feldern unter der Aufsicht von Gemeindekomitees statt. In der Regel werden zwischen 15 und 20 Rennkamele in den Wettkampf geschickt. Die Renndistanz ist vom Alter der Kamele abhängig. Kamelrennen sind Teil des nomadischen Lebensstils und eine Quelle der Inspiration für Poesie und Gesang.

Ministry of Heritage and Culture, Sultanate of Oman

Das Wissen und die Techniken rund um den Mopa-Mopa-Baum in Kolumbien umfassen drei Handwerkstechniken: die Ernte der Knospen, die Verarbeitung des Holzes und die Verzierung von Gegenständen mit Lack, der aus dem Harz des Baumes gewonnen wird. Diese Praktiken sind zunehmend bedroht, da für viele junge Menschen die Ausübung anderer Berufe lukrativer ist. Zudem verringert sich der Bestand des Mopa-Mopa zunehmen durch Abholzung und Klimawandel.

Carlos René Quintero/Ministry of Culture of Colombia

Aixan, die traditionelle Musik des Nama-Volkes in Namibia, besteht aus einer Melodie und einem Rhythmus von einem Musikbogen, einem Akkordeon oder einer Gitarre, begleitet von einer Harmonie anderer Instrumenten. Neben dem Spiel geht es auch darum, die Instrumente zu stimmen, zu warten und zu reparieren. Die Musik wird durch Tänze ergänzt. Sie dient der Unterhaltung bei wichtigen gesellschaftlichen Anlässen, wird aber auch defür genutzt, Wissen zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft weiterzugeben.

Ministry of Education, Arts and Culture, Namibia

Die Martinique-Yole ist ein leichtes, schnelles Boot mit geringem Tiefgang mit einem oder zwei Segeln. Ziel ihres Erhaltungsprogramms ist es, das Wissen der lokalen Bootsbauer zu bewahren, die Kenntnisse weiterzugeben, die zum Segeln der Boote notwendig sind und die Verbindungen innerhalb der Gemeinschaften zu stärken.

Martin Fichez

Der Begriff Bauhüttenwesen, das es in Frankreich, Deutschland, Norwegen, Österreich und der Schweiz gibt, bezeichnet sowohl die Organisation eines Werkstattverbundes, der sich mit dem Bau oder der Restaurierung eines Gebäudes beschäftigt, als auch die Werkstatt selbst. Die Werkstätten bilden ein überregionales Netzwerk, das über die Landesgrenzen hinausreicht. Die Werkstätten bewahren die Bräuche und Rituale ihrer Berufe sowie eine Fülle von Wissen, das über Generationen hinweg weitergegeben wird.

Stephan Woelfel, Simon Woolf / Fondation de l’Œuvre Notre-Dame

Das polyphone Lied von Epirus (Griechenland) wird von Singenden mit zwei bis vier Rollen vorgetragen und erzählt von Kindheit, Heirat, Tod, historischen Ereignissen und vom Hirtenleben. Mitte der 1990er-Jahre begann eine Gruppe, das Bewusstsein für die Praxis zu schärfen, sie durch umfangreiche Feldforschung zu dokumentieren, Brücken über Generationen und geografische Grenzen hinweg zu schlagen und Netzwerke zu bilden.

Alexandros Lampridis

Sa'eed, die traditionelle handwerkliche Weberei und Stickerei, hat in Ägypten eine lange Tradition. Die grundlegenden Prinzipien wurden von der Antike bis heute bewahrt. Doch neue Technologien und ein auf Massenproduktion ausgelegter Textilsektor bedrohen das Handwerk. Mit der Ausbildung einer neuen Generation von Weberinnen und Webern soll dieser wichtige Teil des künstlerischen und kulturellen Erbe des Landes bewahrt und zugleich der steigenden Arbeitslosigkeit begegnet werden.

ESFT

Beim Hornspiel beeinflussen die Musizierenden die Höhe, Genauigkeit und Qualität der Töne durch ihren Atem. Mit dem Horn lassen sich klare und durchdringende Klänge erzeugen. Besonders beliebt ist das Hornspiel in Frankreich, Belgien, Luxemburg und Italien bei festlichen Anlässen: Dazu zählen öffentliche Konzerte, Dorffeste und Hochzeiten.

Paul Delatour

Pantun ist eine meist vierzeilige Versform, bei der die Dichtenden mit Kreuzreimen (a-b-a-b) arbeiten. Traditionell handeln die Verse von Liebe, Familie und Gemeinschaft. Die Pantun-Gedichtform kommt aus Indonesien und Malaysien hat viele soziale Funktionen: Sie bietet eine gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit, sich indirekt auf höfliche Art und Weise auszudrücken. Zudem transportiert sie moralisch Werte und dient als diplomatische Form der Konfliktlösung.

Ministry of Education and Culture, Indonesia

Die Wallfahrt zum Apostelkloster St. Thaddäus im Iran findet jedes Jahr im Juli statt. Gläubige der Armenischen Apostolischen Kirche aus dem Iran und Armenien reisen dann zur der Pilgerstätte. Als Armenien Teil der Sowjetunion war, war die Teilnahme an der Wallfahrt für viele Menschen dort unmöglich. Erst nach der Unabhängigkeit des Landes in den 1990er-Jahren lebte die Pilgerfahrt wieder auf.

Ministry of Culture, Republic of Armenia

Die Zeidlerei, auch Baum- oder Waldimkerei genannt, ist eine traditionelle Form der Bienenhaltung, die bis heute in Polen und Belarus praktiziert wird. Anders als bei konventionellen Haltungsformen werden die Tieren nicht in standardisierten Bienenstöcken gehalten, sondern leben in Bäumen oder eigens ausghölten Stämmen. Die Imkerinnen und Imker versuchen so wenig wie möglich in den natürlichen Lebenszyklus der Insekten einzugreifen. Durch den direkten Kontakt zu ihren Bienenvölkern lernen sie Jahr für Jahr mehr über das Leben der Tiere und das Ökosystem.

Alfred Mikus

Budima ist ein Tanz, den das Volk der Wee in Sambia das ganze Jahr über zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten und Beerdigungen aufführt. Beim Tanz kommen Speere, Trillerpfeifen, Spazierstöcke, Flöten, Äxte, Schilder, Hörner, Trompeten, Trommeln und Rasseln zum Einsatz. An der Aufführung nehmen Männer, Frauen und Kinder teil.

Mutelo Yuyi
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