Eigentlich müsste jeden Moment eine Eule vorbeifliegen, die Post bringt. Wer die Filme über Harry Potter auf der Zauberschule Hogwarts gesehen hat, weiß sofort: Der Speisesaal, in dem gerade gefrühstückt wird, stand eindeutig Pate für die Große Halle im magischen Internat aus den Romanen von J. K. Rowling. Nur sind es keine Studierenden, die sich für einen Tag voller Vorlesungen stärken, sondern Übernachtungsgäste im Christ Church College, einem der berühmtesten im englischen Oxford.
In der Universitätsstadt an der Themse herrscht etwa die Hälfte des Jahres Hochbetrieb, wenn 45.000 Studierende die mittelalterlichen Innenhöfe und gotischen Gänge der 39 Colleges bevölkern. Die restliche Zeit gehört die „Stadt der Türme“, wie sie wegen der Architektur in honigfarbenem Kalkstein genannt wird, den rund 150.000 Einwohnern und den Besuchern. Die können auf geführten Touren immerhin einen Blick hinter die Mauern der Bildungstempel werfen – einen echten Eindruck aber bekommen die B&B-Gäste, die in der vorlesungsfreien Zeit im März und April sowie von Juli bis September Zimmer buchen.
Im Christ Church College bedeutet das nicht nur ein Frühstück im gotischen Speisesaal, sondern auch ein Stelldichein mit dem ebenfalls aus Harry-Potter-Filmen bekannten Stiegenhaus, Flanieren in privaten Gärten und auf den Gängen, wo einst Premierminister, Literaten oder Philosophen in spe zur nächsten Vorlesung eilten – und natürlich die Geheimtipps für Unternehmungen in der Stadt vom „Porter“ in seinem Pförtnerhäuschen. Eine Institution, die es an jeder der Hochschulen gibt.
Übernachten in Oxford und Cambridge Colleges
Auch im rivalisierenden Cambridge beleben einige der 31 Colleges ihre Studentenunterkünfte in den Ferien mit Reisenden. Besonders schön, weil direkt am Fluss gelegen ist das King’s College mit seiner gotischen Kapelle (wer Glück hat, erlebt eine Probe des famosen Chors), das Frühstück wird in der nicht minder beeindruckenden „Dining Hall“ serviert. Auch das St. John’s College mit der berühmten Seufzerbrücke über den Cam, auf dem Besucher mit Holzbooten dahinstaken, liegt an den sogenannten „Backs“, also den Wiesen am Ufer.
Meist haben Übernachtungsgäste auch Zugang zu den College-Bars, den Treffpunkten auf dem Campus schlechthin. Teils liegen die vermieteten Zimmer in den historischen Gebäuden, teils in modernen Zubauten, die Bandbreite reicht von Einzelzimmern bis zu Doppelzimmern mit eigenem Badezimmer. Nicht luxuriös, aber gemessen an der zentralen Lage in den Universitätsstädten sind die Preise günstig – die exklusiven Einblicke aber unbezahlbar.