Es reichen wenige Keyboardakkorde und Schlagzeugtakte, spätestens aber wenn nach dahingeschmachteten „Aahs“ und „Ohhs“ und „Mmmhs“ eine samtige Männerstimme mit „Last Christmas, I gave you my heart…“ in die erste Strophe einbiegt – ist man entweder entzückt oder genervt. Stefan Zurbriggen kennt beide Aggregatzustände. „Ich finde, es ist ein super Song, aber nach sechs Wochen ist es auch gut, dass es im Jänner damit wieder vorbei ist“, sagt der Gemeindepräsident aka Bürgermeister von Saas-Fee.

In dem auf 1800 Meter Seehöhe gelegenen Bergdorf in den Schweizer Alpen wurde vor 40 Jahren mit dem Dreh des Videos zu „Last Christmas“ Musikgeschichte geschrieben. „Sie kamen für die winterlichen Verhältnisse aber völlig unpassend gekleidet in Saas-Fee an“, erinnert sich Zurbriggen. So wurden die exotischen Gäste – „Hier kannte die niemand“ – in Zurbriggens damals familieneigenem Gebäudekomplex aus Sportgeschäft und Hotel im Dorfzentrum nicht nur einquartiert, sondern auch eingekleidet. Zurbriggen avancierte zudem zum Chauffeur der Filmcrew. Gedreht wurde an drei verschiedenen Stellen im Ort. Geplant war das alles nicht.

Schneesicherheit brachte Crew nach Saas-Fee

Ursprünglich hätte das aufstrebende britische Pop-Duo Wham! das Video zum Weihnachtssong im Berner Oberland drehen sollen. Dort lag aber zu wenig Schnee, kurzfristig übersiedelte man ins Wallis. „Unsere Schneesicherheit ist bis heute ein Asset“, wirbt der Bürgermeister für das kleine Skigebiet am Ortsrand. Drei Gondeln und eine als höchstgelegene „U-Bahn“ der Welt vermarktete Standseilbahn hieven die Fahrgäste in eine Gletscherlandschaft auf 3500 Meter Seehöhe. Vom Drehrestaurant in der Bergstation lässt sich der Blick auf 18 Viertausender genießen.

Wham! kam damals nie in diese luftigen Höhen – auch wenn im Video suggeriert wird, als würde die Partytruppe nach kurzer Jeepfahrt (wofür es im damals schon autofreien Dorf eine Sondergenehmigung brauchte) und aufgeregtem Begrüßungsgewinke mit der Felskinnbahn zu einem entlegenen Chalet hoch in die Berge fahren.

40-jähriges Jubiläum wird gefeiert

Tatsächlich liegt das Haus am anderen Ende des Orts. Die im Video vor 40 Jahren noch schüchternen Büsche vor dem heute von einem scheuen Amerikaner als Zweitwohnsitz benutzten Haus sind mittlerweile zu stattlichen Nadelbäumen herangewachsen. Wo George Michael, Bandkollege Andrew Ridgeley und der Rest der Bande im Video eine Schneeballschlacht inszenierten, verläuft heute der Carl-Zuckmayer-Wanderweg. Die anschließende Weihnachtsparty wurde auch nicht im Chalet gedreht, sondern im heutigen, ein paar Gehminuten entfernt gelegenen Kulturzentrum, da man unbedingt einen idyllischen Holzofen im Bild haben wollte.

All diese Originalschauplätze lassen sich bei einem „Wham!-Walk“ abklappern. Auch eine eigens für das 40-Jahr-Jubiläum installierte „Wham!“-Sonderschau im Dorfmuseum, eine „Last Christmas“-Karaoke-Box am schmucklosen Platz neben der Postbusgarage und die Suite, in der George Michael im luxuriösen „Walliserhof“ wohnte, kann man besichtigen. Immer begleitet von den ikonenhaften Klängen und Bildern eines Welthits, der allein auf Youtube mittlerweile fast eine Milliarde Mal abgerufen wurde.