Ich war ja noch nie bei so einem Schmankerlwandertag dabei. Und auch die Laßnitzhöhe selbst war mir, dem tiefen Grazer, immer zu hoch oben. Wenn einen allerdings im Rahmen einer Ausflugsfahrt der Region Graz ein gecharterter Kleinbus rauf chauffiert, geht das schon.
Als wir beim Hotel Liebmann aussteigen, bin ich konditionell noch weitgehend unverbraucht. Nicht einmal die gefürchtete als „heilklimatisch“ verschriene Frischluft der Laßnitzhöhe macht mir arg zu schaffen. Zur Eingewöhnung – und um ganz auf Nummer sicher zu gehen – inhaliere ich sie zuerst nur durch die Nase. Man weiß ja nie.
Auf der Terrasse des Hotels werden uns wissenswerte Ein- und pittoreske Ausblicke in die Region Laßnitzhöhe geboten. Heckenfrizzante und Gin lehne ich derweil ab. Erstens, weil ich erfahrungsgemäß schlecht darin bin, nur EIN Glas zu trinken, zweitens weil man ja nie weiß, was hinter der Hecke lauert und drittens, weil ich Respekt (Angst?) vor den „inneren Schweinehunden“ habe, die hier dauernd erwähnt und die wir angeblich gleich am Erlebnisweg sebastian RELOADED® überwinden werden. Ich kannte diese seltene Schweine- (oder Hunde?)-Art bis dato nicht und stelle mich innerlich auf einen erbitterten Kampf um Leben und Tod ein.
Die Schrecken…- äh Streckenführung des sebastian RELOADED® geht über insgesamt 25 Erlebnisstationen und 7,3 Kilometer. Und die sind absolut gehenswert! Nämlich auch für Menschen, die mit „Six Packs“ keine Muskelregionen, sondern die angepeilte Wochenration an Zigaretten assoziieren. Die vorhin erwähnten inneren Schweinehunde outen sich gleich bei Station 2: Hier geht es darum, ein bestuftes Steilstück möglichst punktgenau in 20, 30 oder 40 Sekunden rauf zu hirschen. Das kann für mich als Bewohner einer Wohnung im dritten Stock (ohne Lift) noch keine körperliche Grenzerfahrung sein. Deshalb lasse ich diesen Parcour aus, denke ihn aber theoretisch durch.
Um das Einhalten einer Geschwindigkeit geht es auch bei Station 3 - „Ein Lauf zum Zerkugeln“: Hier gibt eine Kugel das Lauftempo vor, die neben dem Weg eine 60 Meter lange Bahn hinunter rollt. Auch durchaus packbar, denke ich. Bei der praktischen Umsetzung lasse ich aber Graz-Tourismuschef Dieter Hardt-Stremayr den Vortritt. Der ist nämlich ebenfalls mit von der Partie und der schiebt hauptberuflich ja eher eine ruhige Kugel. Zumindest körperlich. In seiner Freizeit dürfte er allerdings öfter mal Jagd auf innere Schweinehunde machen, sonst würde er nicht freiwillig ein zweites Mal mit einer Kugel um die Wette rennen.
Wir machen (bzw. ich denke) aber bei Weitem nicht alle Stationen des sebastian RELOADED® durch. Ein paar davon haben außerdem eher pulssenkende Wirkung. Zum Beispiel die „Sonnige Liegewiese“ auf Station 18. Hier kann man sich auf gemütlichen Liegen die Sonne auf den Wanst scheinen und bei Bedarf sogar Getränke bringen lassen. Oder die Station 6, „Nicht stressen beim Essen“, bei der man mittels Verschiebespiel Wichtiges über Anti-Stress-Ernährung erfährt. Diese beiden Stationen ziehe ich beinhart und ohne Rücksicht auf Verluste durch!
Fazit: In Summe macht einem der sebastian RELOADED® dann doch Beine – aber vor allem Spaß! Die dort lauernden inneren Schweinehunde sind bewältigbar. Zumal man selbigen durch das rein gedankliche Absolvieren der wenigen wirklich anstrengenden Stationen auch geschickt ausweichen kann. Kurz: Ich und der sebastian RELOADED® haben eine gut funktionierende platonische Beziehung.
Der sebastian RELOADED® macht aber noch etwas anderes: Appetit! Gottseidank bewegt die Laßnitzhöhe nicht nur, sie ernährt auch. Und zwar gesund und individuell. Das kulinarische Angebot ist einerseits geprägt durch die regionalen Schmankerln – die gibt es übrigens in der „Allerleierei“ – und andererseits durch den Spirit des hier ansässigen Instituts für Ernährung und Stoffwechselerkrankungen von Dr. Meinrad Lindschinger. Der setzt auf „Functional Eating“, was soviel heißt, dass „unterschiedliche Bedürfnisse des Menschen durch richtige Lebensmittel-Kombination gezielt gedeckt werden sollten“. Oder anders ausgedrückt: Jeder Mensch is(s)t unterschiedlich, und das darf er auch. „Brain Food“ ist die richtige Ernährung für Menschen, die sich im Job konzentrieren oder Erlebniswege gedanklich absolvieren müssen, „Soul Food“ für die Gestressten, „Beauty Food“ für Top-Models, und „Power Food“ für Jäger der inneren Schweinehunde.
Da ich nicht auf der Laßnitzhöhe wohne, muss ich hier erst wieder einmal runterkommen. Dabei hilft mir wieder der Kleinbus. Bis zum nächsten Tag fühle ich mich im tiefgelegenen Graz körperlich auf der Höhe, ein bisschen „reloaded“ sozusagen. Am 23. Juni habe ich leider einen anderen Termin. Aber rein gedanklich bin ich beim Schmankerlwandertag natürlich live dabei! Norbert Wally