Kostenfalle Handy200 Euro Telefonrechnung als „Corona-Folge“

Homeoffice und Ausgangsbeschränkungen sorgen für stundenlange Telefonate in den Haushalten. Unsere Leserin bekam dafür unlängst eine Telefonrechnung von 200 Euro präsentiert. Ein Einzelfall? Was Konsumentenschützer und Netzbetreiber dazu sagen.

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Unsere Leserin hat seit vielen Jahren denselben Telefontarif und führt nur Telefonate innerhalb Österreichs, wie sie sagt. Durch die Coronakrise ist sie, wie der Großteil der österreichischen Bevölkerung, seit Mitte März zu Hause. „Sicher telefoniere ich dadurch viel mehr“, erzählt sie und ist sich auch bewusst, dass sie sich leider keine Gedanken über ihren konkreten Handy-Tarif gemacht hat. „Ich hatte immer die gleich niedrigen Kosten“, sagt sie. Als unlängst eine Rechnung mit einer Forderung von rund rund 200 Euro vom Netzbetreiber kam, war sie geschockt: „Ich habe nur im Inland telefoniert und da kommt gleich so eine Summe zusammen? Sicher hätte ich nachschauen sollen, welchen Vertrag ich überhaupt habe“, sagt sie. Es sei ihr peinlich, dass sie das nicht rechtzeitig getan habe, aber wie ihr werde es wohl auch anderen ergehen, deshalb ihr Anliegen: „Ich möchte andere Menschen davor warnen, in eine ähnliche Falle zu tappen.“

Telefonate haben sich verdoppelt

„Mit seinen Lieben videotelefonieren und schreiben – das ist gerade jetzt in der herausfordernden Zeit für viele ein wichtiger Draht zur Außenwelt. Aber Achtung, der Mehrverbrauch kann kosten“, kennt man auch bei der Arbeiterkammer das Problem. Seit Mitte März wird doppelt so viel telefoniert wie zuvor – beim Datenvolumen beträgt der Zuwachs 30 Prozent. Und nicht jeder Haushalt hat einen Festnetz-Breitbandanschluss daheim, mit dem üblicherweise unlimitierter Datenverkehr (Flatrate) verbunden ist. „So manchem Haushalt steht ausschließlich mobile Kommunikation zur Verfügung. Dabei ist meist keine kostenschonende Flatrate vereinbart. Daher: Acht geben auf den monatlichen Gesamtverbrauch. Der Mehrverbrauch über das pauschale Datenvolumen hinaus ist nicht oder oft nur gegen teilweise erhebliche Mehrkosten möglich“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. Es gebe schon Anbieter, die kostenlose Datenreserven anbieten. Jedoch sollten alle Betreiber ihren Kunden die Kommunikation mit ihrem Umfeld ohne Sorge vor Rechnungsschocks ermöglichen, appelliert die AK und fordert:

  1. Extra Gratis-Minuten & Datenvolumen: Die Gratis-Gesprächsminuten könnten ausgedehnt werden. So werden etwa monatlich 1.000 Freiminuten bei intensivem privatem Telefonieren oder bei Homeoffice-Mischnutzung öfter als bisher überschritten. Der Mehrverbrauch kann kostspielig sein. Anbieter könnten in manchen Tarifen enthaltene, eher geringe Datenvolumen temporär und ohne Zusatzkosten erhöhen. Auch das Tempo sollte wieder erhöht werden, wenn die Geschwindigkeit nach Verbrauch des pauschalen Datenvolumens gedrosselt wurde.
  2. Kostenloser Tarifwechsel: Wünschenswert wäre eine kulante, kostenlose Wechselmöglichkeit in andere Tarife. Manche Anbieter verlangen beim Tarif-Upgrade Einmalkosten.
  3. Vorbild deutsche Anbieter, vor allem für die „Großen“ am Handymarkt:  So schenkt etwa die deutsche Telekom allen KundInnen monatlich zusätzliche 10 GB, Telefonica (O2) drosselt das Tempo nach Verbrauch des Pauschales weniger als bisher.

 Das sagen die Netzbetreiber

Wir haben dazu die Stellungnahme von Magenta, A1 und Drei eingeholt.

Das sagt man bei Magenta Telekom:
Besonders stark ist die Telefonie in unseren Netzen während der letzten Wochen angestiegen, um massive 100 Prozent. Das Gute ist, unsere Handytarife haben bereits seit vielen Jahren unlimitierte Minuten (und SMS) inkludiert. Ein Großteil der Kunden hat zuhause unlimitiertes WLAN, sei es per Mobilfunk oder Kabelinternet. Aufgrund der Corona-Krise haben wir darüber hinaus allen Handy-Vertragskunden im April 10 GB Datenvolumen geschenkt. Bestehende Kunden können sogar über regulären Weg ihr Handy-Datenvolumen zusätzlich dauerhaft verdoppeln, wenn sie zuhause bereits unser Internetprodukt nutzen. Das ist ein Loyalitätsprogramm für unsere Kunden, unabhängig von der Corona-Krise. Wir haben zuletzt auch keinen Anstieg der Nachfrage für Daten-Zusatzpakete gesehen, diese Erhebung ist allerdings schon zwei Wochen her. Man muss bedenken, dass heute unlimitiertes WLAN-Internet für Zuhause ab 20 Euro monatlich erhältlich ist. Das ist im europäischen Vergleich extrem preiswert. Für Geschäftskunden bieten wir aufgrund der aktuellen Situation WLAN-Internet ohne Bindung an, damit sie kein Risiko eingehen und jederzeit wieder aus dem Vertrag aussteigen können. So ist aber geholfen, kurzfristig Mitarbeiter mit WLAN-Internet im Home Office auszustatten.

Bei A1 heißt es zur Telefonie:
A1 hat bereits seit 2013 unlimitierte Minuten im Mobilfunk. Zum Datenvolumen: "Festnetz Internet ist unlimitiert, und Cube (also mobiles Internet)  ist mittlerweile ebenso unlimitiert." Bezüglich hoher Rechnungen sei vorgesorgt: Bei den A1 Tarifen haben die Kunden einen Hardcut und keine Drosselung, sprich 100prozentige Kostensicherheit: Nach Verbrauch ist das Internet “gestoppt” und Kunden können monatliche  Datenpakete und Einmal-Pakete kaufen (sprich bewusste Entscheidung vom Kunden). Im A1 Bestand haben ca. 70% der Kunden diese Einstellung. Bei den restlichen Kunden greift ja zusätzlich die KOBEV-Regelung (Ende nach 60 Euro). In der „Mein A1 App“ hat der Kunde jederzeit 100prozentige Übersicht in sein bereits verbrauchten Volumen bzw. MIN/SMS und sieht welche Freieinheiten im Tarifen inkludiert sind bzw. wieviele er noch in der aktuellen Rechnungsperiode zur Verfügung hat. „Wir sehen wenige Beschwerden, Kunden haben sich von selbst höhere Datenpakete genommen, falls das notwendig war“, heißt es beim Unternehmen.

Bei Drei empfehlt man, einen Blick auf die letzten Rechnungen zu werfen, um beurteilen zu können, ob die aktuellen Handy- und Internetverträge den eigenen Ansprüchen in Zeiten von Home Office entsprechen. Bei den Internettarifen für Zuhause seien unbegrenzte Datentarife üblich. „Hier fallen keine Mehrkosten an, und falls Sie mehr Daten nutzen, dann wird auch nicht gedrosselt.“ Wer einen Internettarif (mit Router) mit limitierten Daten nutzt, haben den „Drei Schutzengel“ inkludiert. Das heisst: „Sollte sich das Datenvolumen dem Ende zuneigen, erhalten Sie rechtzeitig eine Verständigung und können günstig zusätzliche Einheiten hinzufügen.2
Kleine Handlungsanleitung: „Am besten Sie überprüfen die Einheiten Ihrer Tarife über das Drei Serviceteam unter 0660 303030. Unter Angabe Ihres 4-stelligen Kundenkennwortes (steht am Serviceantrag) hilft man Ihnen gerne weiter. Dort erfahren Sie auch, ob bei Ihren limitierten Daten- und Sprachtarifen der „Drei Schutzengel“ aktiviert ist.“
Zum Sprachtarif: Auch hier ist laut Drei in fast allen Sprachtarifen der Schutzengel gratis inkludiert. „Wir wissen aus unserem Monitoring, dass Sprachtelefonie-Kunden, die jetzt zu Hause arbeiten, eigentlich weniger mobile Daten als sonst benötigen, weil sie mit Ihrem Handy meist im WLAn Hotspot eingeloggt sind. Gerne unterstützten die Mitarbeiter unseres Serviceteams jene Kunden, die innerhalb unserer Tarifwechsel-Systematik auf einen Tarif mit mehr inkludierten GB/ oder Minuten upgraden wollen. Wir merken, dass unsere Kunden jetzt mehr als doppelt so viel telefonieren wie vor der Krise. Die meisten unserer aktuellen (Optimal) Sprachtarife inkludieren unlimitierte Minuten und SMS in Österreich und innerhalb anderer EU Länder. Falls Sie öfter von Österreich aus in andere EU Länder telefonieren, haben wir auch Sprachtarife in entsprechenden Frei-Einheiten.“

 

 

Kommentare (1)
pietrok5
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Nachschauen

Sicher hätte ich nachschauen sollen, welchen Vertrag ich überhaupt habe - damit ist alles gesagt. Außerdem gibt es bei allen Anbietern die Möglichkeit einer Warnung, wenn Minuten oder Datenvolumen fast verbraucht sind. Das Handy ist nicht die Kostenfalle. Die Dummheit ist es.