Sie haben sich für die Mai-Ausgabe der Zeitschrift Konsument, intensiv mit dem Thema Reiseversicherung auseinandergesetzt. Auf den Punkt gebracht: Braucht man für Reisen wirklich eine eigene Versicherung?

GABI KREINDL: Ja, aber nicht jede ist wirklich ein Muss. Am wichtigsten ist es, für jene Fälle versichert zu sein, die wirklich ins Geld gehen: teure Krankenbehandlungen und medizinisch notwendige Rücktransporte aus dem Ausland.

Gabi Kreindl Projektleiterin Finanzdienstleistungen beim Verein für Konsumenteninformation
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Wie sinnvoll ist es, sich im EU-Ausland auf die Rückverrechnung mittels europäischer Krankenversicherungskarte (EKVK) zu verlassen, die sich ja auf der Rückseite jeder E-Card befindet? Welche Tücken gibt es dabei?

GABI KREINDL: In Ländern mit Sozialversicherungsabkommen gilt auch im EU-Ausland Versicherungsschutz. Mit der EKVK kann ein Kassenarzt aufgesucht werden und es wird direkt abgerechnet. Allerdings ist es in Urlaubsregionen oft schwer, einen Kassenarzt zu finden. Wir raten, sich schon im Vorfeld zu erkundigen, wo am oder in der Nähe des Urlaubsortes der nächste Kassenarzt ist. Oft sind in den Ferienregionen nur Privatärzte angesiedelt, bei diesen muss die Rechnung vor Ort selbst bezahlt werden. Man kann sie dann bei der Gebietskrankenkasse einreichen und bekommt so viel zurück, wie auch in Österreich für diese Behandlung bezahlt worden wäre. Wer Wert auf Versicherungsschutz von Bergekosten oder Rücktransport vom Urlaubsort legt, muss sich privat versichern.

Bei Kreditkarten und Co. sind häufig Reiseversicherungen enthalten. Genügt dieser Versicherungsschutz?

GABI KREINDL: Wer sich auf den Versicherungsschutz seiner Kreditkarte verlassen will, sollte genau prüfen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um überhaupt Versicherungsschutz zu haben. Neben der Verwendung der Karte kann es sein, dass nur der Karteninhaber versichert ist, nicht aber die mitreisende Familie. Auch das Bezahlen der Reise per Kreditkarte kann Voraussetzung für den Versicherungsschutz sein. Grundsätzlich halten wir eine Trennung von Kartenzahlung und Versicherungsschutz für sinnvoll.

Reisebuchung und Reiseversicherung sollte man Ihrer Meinung nach nicht in einem Paket zu erledigen. Warum genau?

GABI KREINDL: Viele Konsumenten kaufen bei jeder Reisebuchung den jeweils angebotenen Versicherungsschutz dazu, ohne den möglicherweise bereits bestehenden zu berücksichtigen – aus Unsicherheit und weil sie sich nicht mit den Details herumschlagen wollen. Das ist nicht sinnvoll, denn das jeweilige Paket kostet natürlich extra und die Leistungen gelten nur subsidiär, was bedeutet, dass nur dann gezahlt wird, wenn keine andere bestehende Versicherung leisten muss.

Wie kommt man dann zum bestmöglichen Angebot für die jeweilige Reise?

GABI KREINDL: Zuerst sollte überlegt werden, welche Bereiche vielleicht schon durch bestehende Verträge gedeckt sind – etwa durch eine private Haftpflichtversicherung, die private Unfallversicherung, die Kaskoversicherung für das Auto oder auch die Haushaltsversicherung – und welche Bereiche überhaupt abgesichert werden sollen. Am wichtigsten ist die Auslandsreisekrankenversicherung für Reisen in Länder, wo die Krankenbehandlung sehr teuer ist, zum Beispiel Amerika. Auch eine Stornoversicherung für sehr teure, lange im Vorhinein gebuchte Reisen für die ganze Familie, kann sinnvoll sein. Sie leistet dann, wenn eine Reise nicht angetreten werden kann, weil beispielsweise ein Kind krank wird.

Nützt der Preisvergleich?

GABI KREINDL: Sicher, es gibt zu diesem Zwecke neben diversen Vergleichsportalen auch Spezialversicherer für Reisen, die Online-Rechner anbieten. Das erleichtert den Prämien- und Leistungsvergleich für Verbraucher.

Wann zahlen sich Jahresreiseversicherungen aus?

GABI KREINDL: Diese Angebote sind für die Leute interessant, die mehrmals pro Jahr verreisen und sich nicht jedes Mal Gedanken über den Versicherungsschutz machen wollen. Die Höhe der Versicherungssummen sollte vor Abschluss geprüft werden – sie sollte auf den individuellen Bedarf abgestimmt sein. Jahresreiseversicherungen bieten auch den Vorteil, die beim Buchen von Flügen oder Reisen oft aggressiv angebotenen Versicherungsprodukte guten Gewissens ablehnen zu können.

Welche Preisspanne gibt es bei Reiseversicherungen, wenn wir von Basispaketen mit Kranken- und Reisestornoversicherung ausgehen?

GABI KREINDL: Die Preis-Bandbreite ist im Reiseversicherungsbereich je nach gebotenem Versicherungsschutz groß. Ein Komplettpaket für eine einwöchige Reise zum Preis von 1000 Euro innerhalb Europas inklusive Stornoversicherung kostet ungefähr 70 Euro für eine Person, eine Familie muss für eine 14-tägige Reise zum Preis von 3000 Euro innerhalb Europas mit etwa 200 Euro rechnen - um nur zwei Beispiele zu nennen.

Haben Sie einen Extra-Tipp für Familien, die mit dem eigenen Auto verreisen - oder für Reisende mit Hund?

Der Versicherungsschutz sollte grundsätzlich überlegt werden, nicht nur für die Reise! Bei Reisen mit Kindern oder Hund sollte jedenfalls geprüft werden, ob es eine private Haftpflichtversicherung gibt, die Schäden übernimmt, die von Kindern oder Hunden unabsichtlich verursacht wurden.

Und was legen Sie Urlaubern ans Herz, die es in exotische Länder zieht?

GABI KREINDL: Für Reisen in Länder, in denen die europäische Krankenversicherungskarte nicht gilt, ist vor allem eine Auslandsreisekrankenversicherung wichtig, denn eine mögliche Krankenbehandlung bzw. ein Rücktransport können im Krankheitsfall sehr teuer sein.